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Zwei gepanzerte Land Rover im Test

Schussfeste Land Rover-Versionen im Fahrbericht

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Äußerst verschwiegen betreiben diverse Hersteller den Umgang mit einer außergewöhnlichen Kundschaft. Gepanzerte Sonderversionen von Serien-Fahrzeugen, die ihre Besitzer vor Angriffen schützen sollen. Land Rover hat uns einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen gestattet.

09.02.2011 Powered by

"Move! Or you'll die!“. Die dramatische Anweisung stammt von Ian Halton. Den Wagen sofort in Bewegung zu setzen, um nicht zu sterben – in den Ohren eines ganz normalen Autofahrers klingt das außerordentlich skurril. Doch Ian ist das exakte Gegenteil eines Sprücheklopfers, er meint solche Anweisungen durchaus ernst. Auch wenn hier gerade definitiv keine Lebensgefahr droht.
Wir befinden uns in der Grafschaft Warwickshire in Mittelengland. Genauer gesagt auf dem Testgelände der britischen Kult-Marken Land Rover und Aston Martin nahe der Ortschaft Gaydon. Der ehemalige Flugplatz der Royal Air Force wird inzwischen hauptsächlich als Erprobungsgelände für die beiden Marken genutzt, stark getarnte Prototypen von Aston Martin ziehen gerade laut brüllend ihre Runden auf der Hochgeschwindigkeitsbahn. Als Außenstehender dieses abgeschirmte Gelände betreten zu dürfen ist ebenso ungewöhnlich wie die Bekanntschaft mit Ian Halton. Der Fahrtrainer hat in den historischen Tower des einstigen Luftwaffenstützpunkts gebeten.

Trainingsprogramm: Angriffs-Szenarien, ausweichen, Flucht nach hinten

Vor der Fahrpraxis mit den zwei Fahrzeugen, auf denen Ian uns an diesem Tag unterweisen wird, steht die Theorie. Und der Einstieg in eine Welt, die Normalbürgern so exotisch erscheint wie ein völlig ernst gemeinter Vortrag über den Alltag von James Bond. Ian spricht über Risiko-Vermeidung, erläutert Angriffs-Szenarien, skizziert Gefahrensituationen. Üblicherweise läuft die theoretische Einweisung über einen kompletten Arbeitstag, für uns hat Land Rover das Programm ein wenig gestrafft. Rund eine Stunde dauert das Referat über terroristische und kriminelle Attacken auf das eigene Leben. Danach ertappe ich mich, wie ich die Umgebung auf dem Weg zu den geparkten Spezial-Land Rover nach ungewöhnlichen Anzeichen scanne. Absurd, hier auf dem abgesperrten und streng bewachten Firmengelände. Aber durchaus beabsichtigt, wie Ian später erläutert. Awareness, Wachsamkeit - das sei die wichtigste Lektion, die er seinen Kunden antrainiere. Der theoretische Teil falle deshalb normalerweise noch erheblich drastischer aus als gerade erlebt.

Ian hat sein Handwerk in Diensten des britischen Verteidigungsministeriums gelernt. Das muss als Antwort auf die Frage nach seinen Qualifikationen genügen, mehr gibt der markige Trainer nicht über sein Vorleben preis. Man glaubt ihm auch ohne weiteres nachbohren, dass seine Vergangenheit im Auftrag Ihrer Majestät eher außergewöhnlich war.

Land Rover Discovery und Range Rover Vogue als gepanzerte Versionen

Zwei Land Rover-Versionen warten auf das Fahrtraining. Der Discovery TDV6 ist als Begleitschutz-Fahrzeug konstruiert, wiegt rund vier Tonnen. Sein Laderaum ist von einer zusätzlichen Panzerwand abgeschottet. Der Range Rover Vogue 4.4 ist für Selbstfahrer und als Chauffeurs-Auto ausgelegt. Er bringt rund 4,5 Tonnen auf die Waage. Auf rund 3500 Einheiten weltweit taxiert Land Rover den jährlichen Bedarf an solchen Sonderschutz-Modellen, Tendenz steigend. Das hohe Gewicht sieht man den Geländewagen von außen nicht an, erst bei näherem hinsehen fallen ein paar Details auf, die sich von den Serienversionen unterscheiden. Mit der so genannten Beschussklasse B6 sind die beiden Allradler in die zweithöchste von sieben Kategorien eingeordnet. Die zentimeterdicken Scheiben und unsichtbare Panzerungen am Karosserieblech lassen sie gegen den Angriff mit automatischen Handfeuerwaffen bis hin zur berühmt-berüchtigten „Kalaschnikow“ bestehen. Kurzfristig, wie Ian betont: „Es gibt keine schusssichere Panzerung!“ Mit einem solchen Auto erkaufe man sich stattdessen lebenswichtige Zeit für den Rückzug aus einer Gefahrensituation. Womit der Bogen zur eingangs erwähnten Fahranweisung geschlagen ist.

Land Rover Discovery und Range Rover werden direkt bei der Herstellung umgebaut

Die Umbauten an den gepanzerten Land Rover-Modellen werden direkt bei der Produktion vorgenommen. Das macht sie preiswerter als nachträglich umgerüstete Fahrzeuge. Rund 125.000 Euro muss man für den Discovery investieren, die B6-Standard-Ausführung des Range Rover Vogue ist ab rund 220.000 Euro zu haben. Das ist der Basispreis, der sich mit zusätzlichen Installationen bis hin zur autarken Sauerstoff-Versorgung für die Insassen noch entsprechend steigern lässt. Neben der Karosserie-Panzerung, die selbst eine massiv verstärkte Einhausung des Batteriekastens umfasst, ist der Unterboden mit Kevlarmatten verkleidet, der Kraftstofftank selbstabdichtend, die Run-Flat-Reifen darauf ausgelegt, bis zu 50 Kilometer Wegstrecke im platt geschossenen Zustand zu bewältigen. „Die Detonation von 15 Kilo TNT-Sprengstoff in drei Meter Entfernung überlebt man“, so Ian. Eine Aussage, die man ungern in der Praxis nachvollziehen möchte.

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