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GT by Citroën

Fahrt mit dem Pixel-Renner in der Realität

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Zunächst wurde der Supersportwagen GT by Citroën nur für die Rennsimulation Gran Turismo der Spielekonsole Playstation entworfen - doch dann wurden Pixel zu Kohlefaser. Eine Fahrt mit dem Prototypen in der Realität.

17.02.2009 Powered by

Es gibt nur einen GT by Citroën. Und doch werden weltweit Millionen von Menschen den Supersportwagen fahren - auf der Playstation, dem Fahrsimulator von Sony. Für das Spiel Gran Turismo 5 wurde der zweisitzige Flügeltürer entworfen und schaffte es anschließend aus der virtuellen in die reale Welt. Zumindest als Prototyp. Denn in Serie bauen wird ihn Citroën nicht: Zu abseitig ist der GT verglichen mit der vernunftbetonten Produktpalette. Zu extrem. Und viel zu böse. Der Blick in den doppelwinkeligen Kühlergrill bereitet Unbehagen - es steckt viel von einem Lebewesen in der Frontansicht. Die Fantasie erblickt eine Gottesanbeterin, die ihre dornigen Fangarme unter dem Kopf anwinkelt. Angriffslustig blitzen die LED-Facettenaugen, das Maul ist erwartungsvoll geöffnet.

Der GT ist ein fast fünf Meter langer und über zwei Meter breiter, aber kaum bis zum Bauchnabel reichender Schocker; wie kein zweiter Supersportwagen schüchtert er ein - live noch mehr als virtuell in der Spielekonsole. Der Prototyp ist das Ergebnis einer Fleißarbeit des Citroën-Designers Takumi Yamamoto sowie dessen Freund und ehemaligen Studienkollegen Kazunori Yamauchi. Dieser arbeitet bei Polyphony, dem Entwickler des Spiels Gran Turismo. Beide überzeugten ihre Chefs vom Vorhaben, einen französischen Supersportwagen auf den Bildschirm zu bringen. Dass Citroën den Entwurf sogar in Stahl und Kohlefaser realisieren wollte, hatte Yamamoto nicht zu träumen gewagt. Schließlich ist die Sportwagen-Historie der Marke mehr als dünn - es blieb bislang bei spektakulären Studien. Der GT by Citroën übertrifft sie alle und ist sogar fahrfähig. Gerade weil er bar jeden Praxisbezugs ist, überraschte der GT auf dem Pariser Autosalon.

"Da hat sich wer was getraut"

Mehr als einmal meinte ein Messebesucher anerkennend: „Dass sich ein Hersteller heute noch so etwas traut.“ Doch Gespür für extravagantes Design hat Citroën schließlich mehrfach bewiesen, auch bei Serienprodukten wie dem C4 Coupé. Der skulpturelle Innenraum könnte aus einer Zeitmaschine stammen. In ihn balanciert man unter der an der A-Säule angeschlagenen Möwenschwinge hindurch, der etwas rückenschonenderen Variante der Flügeltür - und landet in der rot pulsierenden Fantasiewelt des Hollywood-Klassikers „Zurück in die Zukunft“. Interieur-Designer Pascal Grappey interpretierte das Sportwagen-Cockpit futuristisch und reduziert zugleich: Fließende Linien symbolisieren das Thema Geschwindigkeit, die starke Pfeilung den nach vorn gerichteten Blick des Rennfahrers durch einen Vollvisier-Helm.

Ganz automatisch fokussieren die Augen das Head-up-Display mit dem digitalen Tachometer. Analog dagegen ist die Schalterleiste auf der Mittelkonsole; weitere Funktionen werden vom Dachhimmel aus bedient. Wir lassen uns in den Schalensitzen nieder, fingern nach den Vierpunkt-Hosenträgergurten - so viel analoge Ernsthaftigkeit muss sein. Aus den Lamellen im Armaturenbrett strömt Frischluft; auch das folgt dem Urprinzip des Rennwagens. Die stabil wirkenden Cockpit-Träger bleiben unverkleidet, verleihen dem Interieur einen äußerst massiven Charakter. Mit Metall beschichtete Kunststoffteile repräsentieren die Brutalität der Maschine und stehen damit im Gegensatz zur Behaglichkeit des dunklen Leders. Clever ausgewählt ist das Antriebskonzept - es holt den GT aus der Ecke der CO2-Saurier und positioniert Citroën als fortschrittlichen Vordenker.

Grüne Power ohne Ende

Vier Radnaben-Elektromotoren treiben den Pixel-Supersportler im Gran Turismo-Spiel an; sie werden von einer Brennstoffzelle gespeist und leisten umgerechnet maximal 653 PS. Nur rund 1.400 Kilogramm schwer, soll der GT emissionsfrei in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 sirren und dürfte damit Sportwagenjünger wie Umweltschützer gleichermaßen zufriedenstellen. Rein virtuell natürlich. Rein realistisch fährt der Prototyp nämlich mit einem V8 über die Straße. Wegen der leichteren, schnelleren und günstigeren Realisierung, wie Citroën erklärt. Weil es am Fahrtag auf der Teststrecke Ceram nahe Paris wie aus Kübeln schüttet und sich das sequenzielle Getriebe des GT ziemlich unkooperativ verhält, lassen sich keine belastbaren Aussagen über das Fahrverhalten treffen.

Wohl aber anschließend an der Spielekonsole: Während der ersten Runden in der Vorabversion von Gran Turismo beschleunigt der GT ebenso gewaltig, wie er untersteuert. Doch die Playstation-Jünger wissen: Es gibt nichts, was sich an einem Cyber-Sportwagen nicht abstimmen lassen würde. So wird es nicht lange dauern, und der GT by Citroën wird sukzessive verbessert, bis er auf dem Niveau der besten Supersportler mithält. Vielleicht können Citroëns Testfahrer von der Internet-Generation sogar einiges lernen - und deren Set-ups auf den echten GT übertragen.

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