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Gumpert Apollo

Roher Bereich

Foto: Hans-Dieter Seufert 48 Bilder

Alles am Gumpert Apollo ist roh und brutal: Optik, Beschleunigung und Abtrieb. Angeblich könnte er sogar an der Decke fahren. Kein Straßenauto kam einem Rennwagen bislang näher.

01.02.2008 Marcus Peters

Verstand in Schieflage: Gestern war hier noch ein Berg. Heute schiebt sich ein topografisches Trugbild ins Panorama. Denn die Fakten sprechen gegen die Erinnerung. Wo die Drehzahl emporschnalzt, kann keine Steigung sein. Wo man zügig hoch- statt zurückschaltet, auch nicht. Also kein Berg? Zumindest nicht für den Gumpert Apollo. Seine 850 Nm schaffen sich ihre eigene Realität. Kein auf und ab, nur vorwärts und seitwärts. Wie sich das anfühlt? Das bisher beste Beschleunigungserlebnis mit dem Faktor Irrwitz multipliziert, dann befindet sich die Fantasie auf Kurs. Womit soll man den Gumpert vergleichen? Er zeigt allen Klischees eines Rennwagens mit Straßenzulassung, was diese Bezeichnung wirklich bedeutet: Der Apollo erfüllt die Normen von FIA und StVZO. Ein Auto wie den Gumpert sieht man im Alltagsverkehr höchstens auf dem Hänger. Ein Bürgerschreck, dessen Form nur der Funktion dienen will – und die ist rein auf Aerodynamik getrimmt. Durch die riesigen Schlünde saugt der Apollo so viel Fahrtwind in sich auf, dass man hinter ihm ein Vakuum vermutet. Unterdruck zwischen Auto und Fahrbahn, Abtrieb auf der Karosserie: Das soll den Zweisitzer bei über 300 km/h mit 1,5 Tonnen auf die Straße pressen – mehr als das nur leicht betankte Auto samt Fahrer wiegt. Damit könnte Roland Gumperts Ingenieurs-Traum wahr werden: Im eigenen Sportwagen kopfüber an der Decke eines Tunnels zu fahren. Audis ehemaliger Sportchef ist Gründungsvater und jetziger geschäftsführender Teilhaber der Gumpert Sportwagenmanufaktur mit Sitz im thüringischen Altenburg. Zähe Anfangsjahre mit wechselnden Anteilseignern hat er durchlebt. Doch im kommenden Jahr sollen 39 Apollos die Werkshalle einer ehemaligen Näherei verlassen – 45 Angestellte packen trotzig an. Ihr Apollo lebt das Extrem, das andere mit Rennsport- Bezug im Namen nur versprechen. Ein Rahmen aus Stahlrohren dient als Skelett für die Kohlefaser-Haut. Unter der vorderen Haube aufgereiht hängt die Kühlerbatterie, unter der hinteren der Motor. Dazwischen eine Wanne aus Kohlenstoff, in der Fahrer und Beifahrer kauern – wie in alten Formel 1 auf dem Boden, in notdürftig gepolsterten Kuhlen. Da es keine Sitze im eigentlichen Sinn gibt, ist die Ergonomie nur über Lenkrad und Pedale zu beeinflussen: Beide sind verstellbar, grenzen dennoch alle Fahrer aus, die ihre jugendhafte Figur über die Jahre ausgebaut haben. Doch selbst Body-Mass-Bewusste müssen Athletik und Akrobatik beweisen: Schwergängig schwingt die Flügeltüre hoch, gibt erst ab Kniehöhe eine Luke frei. Also einsteigen im Wortsinn. Doch einem beherzten Schritt steht das Lenkrad im Weg. Also per Schnellverschluss entfernen und aufs Armaturenbrett legen. Erst daraufhin gelingt das Entern. Kurz bevor das linke Bein folgt, stützt sich die rechte Hand an einem Knubbel der Schottwand ab, um den Aufprall des Körpers in der Sitzschale abzufangen. Dann fingert die Linke nach der Schlaufe und zieht die Tür zu.

Technische Daten
Gumpert Apollo
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4460 x 1998 x 1105 mm
Hubraum / Motor4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung478 kW / 650 PS (850 Nm)
Höchstgeschwindigkeit360 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,0 s
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