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Highspeed-Test Nardo

Acht Supersportler auf Topspeed-Jagd

Highspeed-Test Nardo Foto: Achim Hartmann 64 Bilder

Alle Jahre wieder wird das 12,5-Kilometer-Rund im süditalienischen Nardo zum Highspeed-Mekka. Dann bittet auto motor und sport die PS-Elite zum Wettkampf um Tempo und Zeit. Dieses Mal dabei: Aston Martin V12 Vantage, Audi R8 V10, Bentley Continental Flying Spur Speed, Cadillac CTS-V, Ford GT, Lamborghini Murciélago SV, Mercedes SLR Stirling Moss und Porsche 911 GT3.

27.08.2010 Alexander Bloch

Vier Minuten zwischen Sirren und Spektakel. Vier Minuten, in denen der Mercedes SLR Stirling Moss Anlauf nimmt, um nach exakt 12,5 Kilometer Highspeed-Rundkurs mit einer Vollgasshow an den Zuschauern vorbeizudonnern. Aus dem Sirren ist dann ein ohrenbetäubendes Prasseln und Hämmern seines 5,4-Liter-Kompressor-V8 geworden. Ein akustisches Inferno, das ein breites Grinsen in die Gesichter reißt. Und während die silberne Rennzigarre vorbeischießt, irgendwo über 330 km/h schnell, steht eine Volllast-Flammensäule blau und stabil wie bei einem Schweißbrenner aus den Sidepipes.

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Highspeed-Test Nardo Acht Supersportler auf Topspeed-Jagd
auto motor und sport 20/2009
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Der Mercedes SLR Stirling Moss erreicht 338 km/h

Für diesen Augenblick leidet der Fahrer. Denn während sich die Boxencrew bei einem 30-Grad-Lüftchen und einer kühlen Cola an der Szenerie labt, trifft den Piloten der Winddruck mit voller Wucht. Brutal schanzt der 330-km/h-Sturm über die ewig lange Fronthaube, wirbelt am Mini-Scheibchen nach oben, um dann wie ein Hammer auf das Visier des Helms zu klatschen. In diesem Moment verschwimmen die Fahrbahn und die spärliche Nachtbeleuchtung zu einem Zerrbild. Wie in einem Schlagbohrer eingeklemmt rüttelt der Kopf. Spurhalten wird zur existenziellen Aufgabe, und das Tempogefühl schreit: Mach 1. Das unbestechliche GPS vermeldet dagegen trocken 338 km/h als Essenz der automobilen Mutprobe. Zwölf km/h weniger als der Werkswunsch, doch wen interessiert das schon bei dieser Verbrennungs-Gala?

Den Geschwindigkeitsrekord knackt der Lamborghini Murciélago mit 340 km/h

Der Schädel dröhnt noch immer, da röhrt schon das nächste Biest heran. In schreiendem Orange bittet der Lamborghini Murciélago SV (Der Lamborghini Murciélago SV im Einzeltest) um die Tempo-Orgie. Super Veloce steht für superschnell. Noch Fragen? Das Gute an ihm: Er hat eine Scheibe. Das Schlechte: aber keinen großen Flügel mehr. Den haben die Lamborghini-Jungs zugunsten von mehr Tempo, aber weniger Anpressdruck heruntergeschraubt. Mit 670 PS schieben nochmal 20 PS mehr aus seinem Zwölfzylinder als beim SLR Stirling Moss. Und während der Murciélago bei 8.000 Touren röhrt und schreit wie ein Kampfstier bei seiner letzten Corrida, drückt der Beschleunigungsdruck das vom SLR immer noch vibrierende Blut aus dem Kopf. Arrogant lässig nimmt Italiens Boden-Jet Tempo auf, bockt etwas bei den harten Wellen, um dann bei 340 km/h zu landen. Rekord für dieses Mal.

Der Bentley Continental Flying Spur erreicht dank W12-Zylinder 317 km/h

Zeit für etwas Erholung. Sir Bentley Continental Flying Spur darf in der Version Speed ran. Englischer Wurzelholzadel mit deutschem W12-Herzen und 610 PS. Kuscheliges Gestühl, High-End-Soundanlage und - hoppla, wir sind ja schon bei 300 km/h. Wo sind nur all die Wellen hin, die uns der Murciélago eben noch in den Po gestanzt hat? Es reist sich kommod bei 317 km/h, während die Zuschauer die Winddruck-Brandung des 2,5-Tonnen-Schiffs fast von der Bande drückt.

Cadillac bringt den funkelnagelneuen CTS-V an den Start

Tempo-Understatement schippert auch von der anderen Seite des großen Teichs herüber. Cadillac bringt den funkelnagelneuen CTS-V an den Start. Ein kantiger Kerl mit Wabengrill und Mini-Bürzel, aber auch richtig Dampf? Wütend ob dieser Frage bollert sein 6,2-Liter- Kompressor-V8 los. Kenner wissen: Hier feuert das Herz der Corvette ZR-1 (Zum Einzeltest der Corvette ZR1). Ohne Titanpleuel und das letzte Quäntchen Ladedruck reicht es immer noch zu 564 PS - für eine Mittelklasse-Limousine. Mit für die Tempojagd prall aufgepumpten Reifen walzt er in die Nacht. Der raue Smallblock-Slang des American Hero hallt um den Kurs. Locker hält der Cadillac CTS Spur, überrollt seine Werksangabe von 302 km/h um acht und stellt sich danach so cool zum Reifencheck in die Boxengasse, wo die Spezialisten von der Dekra die technische Abnahme durchführen, als käme er gerade aus der Waschanlage.

Die Tachonadel des Aston Martin V12 Vantage kommt bei 308 km/h zum Stehen

Eine provokante Kampfansage für den über zwei Mal so teuren, aber 47 PS schwächeren Aston Martin V12 Vantage (Der Aston Martin V12 Vantage im Fahrbericht). Very handsome, mit Schlitzen in der Fronthaube, durch die sein kolbenerweichend lecker klingendes 5,9-Liter-DBS-Kraftwerk Abwärme dampft. Erst stürmt, dann fightet er - um jedes km/h über 290. Im lang übersetzten sechsten Gang ringt er seine 305-km/h-Werksangabe nieder, packt mit viel Anlauf noch drei Kilometer obendrauf. Fast gelangweilt schnattert der Porsche GT3 (Zum Einzeltest des Porsche GT3 ) als nächster auf den Kurs. Stures Geradeaus-Bolzen reizt den weißen Flügelstürmer wie Hochdeutsch den Schwaben. Pflichtbewusst schnellt er mit Rennsport-Getöse nach vorne. Sein Spoilerwerk drückt ihn bei 300 km/h mit über 100 Kilogramm zusätzlich in die Federn. Kleben erleben als wahres Credo. Das GPS zeigt 316 km/h: Mission um vier km/h übererfüllt.

550 PS katapultieren den Ford GT auf 330 km/h

Und schon klingt es wieder amerikanisch in Apulien. Ein Ford GT macht sich auf die Jagd nach 330 km/h. Erster Versuch: Röhrend wie ein brünftiger Rocky-Mountains-Elch scheitert er mit 550 PS im sechsten Gang an 320. Ratlose Gesichter. Zu hohe Außentemperaturen? Zu viel Abtrieb? Falscher Gang? Zweiter Versuch: Nun muss es allein der fünfte richten. Besonders dicht und damit schnell oben an der Leitplanke fegt die 5,4-Liter-Kompressor-Flunder. Die Tachonadel steigt, 310, 320, 325 - die Messtechniker strahlen: Werksangabe eingestellt.

Der Lamborghini Murciélago beendet auch den Handlingkurs als Erster

Mehr will doch auch der Audi R8 (Der Audi R8 im Einzeltest) mit seinem V10-Zylinder nicht erreichen. 316 sind gesetzt, als der rote Mittelmotor-Athlet brüllend in die mondhelle Nacht entschwindet. Leicht wiegend fegt der flache Bayer über die Schläge der Strecke. Für 314 km/h reicht es bei 28 Grad, 316 werden es bei drei Grad weniger. Klassenziel erreicht. Fliegen von der Scheibe schrubben und rüber zum Handlingkurs. Doch dort stürmen die Flügelstars vorneweg. Der Porsche 911 GT3 rückt mit seinem grandiosen Handling dem 235 PS stärkeren Murciélago um sieben Zehntel aufs Endrohr. Runde drei Sekunden später fegen der im Grenzbereich etwas nervöse R8 und der überraschend agile SLR durchs Ziel. Weitere vier Sekunden später fällt auch für den diffizil zu dirigierenden Ford GT die Flagge. Zwei Sekunden danach: Jetzt lässt sich der Aston Martin nicht vom amerikanischen Konkurrenten foppen. 1,4 Sekunden Vorsprung vorm CTS-V. Der Bentley hält sich aus dem Gerangel heraus und spurtet majestätisch, aber keineswegs langsam am Ende des Feldes.

Und einer muss traurig zugucken: der Nissan GT-R, dessen Motor nach einer 314-km/h-Vollgasrunde seinen Dienst quittierte. 

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