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Im Chevrolet Camaro nach Neschwil

Country Roads

Chevrolet Camaro, Seitenansicht Foto: Hardy Mutschler 17 Bilder

Alle haben sie in Nashville gespielt: Johnny Cash, Dolly Parton oder Keith Urban. Für die Stars der Country-Szene gibt es keine bedeutendere Bühne als die Hauptstadt von Tennessee. Aber schon mal was von Neschwil in der Schweiz gehört?

18.04.2013 Michael Schröder Powered by

"Nach Neschwil?" Unter den Schweizer Grenzbeamten herrscht für einen Moment Ratlosigkeit. Vor ihnen parkt ein altes US-Car, in dem zwei Burschen mit Cowboyhüten und karierten Hemden sitzen, die sich ganz offensichtlich einen Scherz erlauben.
 

Der Traum: Ein Gig in Nashville, der passende Wagen: ein Camaro Cabrio

Angeblich zwei Freizeit-Musiker, die einmal in jenem Ort auftreten wollen, dessen Name exakt so klingt wie jener der Hauptstadt des US-Bundesstaates Tennessee, dem Epizentrum der Country-Musik. So eine Nummer, denken sich die beiden Burschen im Camaro, käme in Musiker-Kreisen garantiert gut an. Weil am Ende nichts gegen diesen Plan spricht, dürfen die Cowboys anstandslos passieren.

Gelassen gleitet der Chevrolet Camaro über perfekt verlegten Schweizer Asphalt, peilt mit seinem gewaltigen Bug die ersten zaghaften Hügel des Kantons Zürich an, während sich im Fond des Autos das Brabbeln des Fünf-Liter-V8 wohltuend mit den Songs von Johnny Cash vermischt. Auf einmal ist Freiheit kein abstrakter Begriff mehr, sondern greifbar - die beiden Country-Fans genießen den Moment, wissen, dass es eine gute Idee war, für eine kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen, hängen nach vielen gemeinsamen Band-Jahren ihren Gedanken nach. Und ihrem großen Traum. Ein Gig in Nashville, das wär's natürlich. Einmal dort spielen, wo sich die Großen der Szene die Klinke in die Hand geben. Bis es endlich so weit ist, muss es eben der Namensvetter in den Schweizer Bergen richten.

Long hood, short deck - das Pony Car-Erfolgsrezept

Die beiden lassen diese Tour ruhig angehen, tauschen Autobahn und Schnellstraße gegen viel versprechende Nebenstrecken, um sich von Schaffhausen langsam in Richtung Winterthur zu hangeln. Der 1979er Camaro entpuppt sich dabei als charmanter Cruiser. Hinter seinen großen, sich weit öffnenden Türen warten in der ersten Reihe zwei tief platzierte, bequeme Sitze, und hinten würden sogar noch zwei weitere Personen etwas Raum finden. Sobald der Motor läuft, erledigt die Dreigang-Wandlerautomatik klammheimlich den Rest, und dabei klingt das 149 PS starke Auto immer eine Spur kräftiger, als es in Wahrheit ist, ohne akustisch jedoch zum Radaubruder zu mutieren.

Wie selbstverständlich zieht das Auto in der US-Car-affinen Schweiz an jeder Ecke und jeder Ampel die Blicke auf sich. Der fünf Meter lange Chevy wirkt offensichtlich immer noch begehrenswert: "Long hood, short deck" lautet das simple Pony-Car-Erfolgsrezept. Lange Motorhaube, kurzes Heck. GM-Stylingchef Bill Mitchel muss einen guten Tag gehabt haben.

Kleinserie: neun Camaro-Cabrios entstanden

Dieser Camaro ist jedoch ein besonderer Fall: Ihm fehlt das Dach, obwohl es die zweite Camaro-Generation, die von 1970 bis 1981 produziert wurde, ab Werk nie als Cabrio gegeben hat. Es ist das zweite von insgesamt neun Autos, denen der Chevrolet-Spezialist Sigi Kieninger aus Mönchsweiler (www.chevy4fun.de ) 1990 das Top entfernt und statt dessen ein Klappverdeck spendiert hat. Zusätzliche Bleche am vorderen Hilfsrahmen sowie im Heckbereich sorgen dafür, dass die ohne stabilisierenden Überbau plötzlich butterweiche Karosserie nicht vollkommen die Haltung verliert. Einstiger Kostenpunkt für den Umbau: 15.900 Mark.

Weiter in Richtung Winterthur. Grüne Hügel, einsame Gehöfte, blitzsaubere Dörfer. Ab und an eine Kapelle am Wegesrand oder ein kleiner Bach, an dem die Kids aus dem benachbarten Anwesen ihre Füße baden. Die uneingeschränkte Rundumsicht lässt das Land zum Greifen nahe erscheinen, und durch die nach oben offene Kabine weht ständig der Duft von Wildblumen und geschnittenem Gras. Eine heile Welt wie aus dem Katalog eines Modelleisenbahnherstellers.

Sobald der V8 ruht, ist nur noch das Gebimmel der Kuhglocken zu hören, was die zwei Musiker zu einem spontanen Ständchen für einen gelangweilt dreinschauenden Bullen animiert. Leider scheint das imposante Vieh keinerlei Interesse an einen Song von Bill Haley zu haben. Das Schnauben wird als ernst gemeinte Drohung interpretiert, und weil Bullriding nur bedingt zum Repertoire der beiden gehört, suchen sie angesichts des dünnen Zäunchens sicherheitshalber das Weite.

Erste Pause in Winterthur - mit Burgern und Kaffee

Früher Nachmittag. Die Hitze flirrt über den Asphalt, der sich über die ersten nennenswerten Hügel windet und im Nirgendwo zu verschwinden scheint. Genau genommen ist es längst zu heiß, um offen zu fahren. Anstatt jedoch das Dach zu schließen, zieht die Camaro-Besatzung die Hüte tiefer ins Gesicht. Alles andere wäre unter Männern unwürdig.

Winterthur. Zeit für eine erste Pause. Burger, Rührei und Kaffee. Schnell, unkompliziert und standesgemäß. Gegenüber läuft das Geschäft offensichtlich schon länger nicht mehr so gut. Auf dem heruntergekommenen Gelände einer ehemaligen Tankstelle halten zwei Trikes verzweifelt Ausschau nach einem Mieter. Die Teile sind sicherlich einfacher zu reiten als ein wild gewordener Bulle, dennoch bleibt der Chevy erste Wahl.

Die beiden Cowboys streifen weiter durch das Land. Erste voralpine Eindrücke schwirren durch das Cockpit, es wird spürbar ländlicher, bergiger. Neschwil muss jetzt ganz in der Nähe sein - ein Nest mit 220 Anwohnern, einer Kirche und einer Gaststätte, die auf den Namen Nöggis Bierhanä hört. Die Spannung im Auto steigt. Wer weiß schon, wie die Einheimischen auf eine unangekündigte Country-Performance reagieren.

Ein Bauer fällt vor Lachen fast vom Trecker

Schließlich das Ortsschild mit dem symbolhaften Namen, eingerahmt von Blumen und einem Tempo-50-Hinweis. Der große Moment - jetzt muss alles passen. Gitarre und Trommel raus und die erste Nummer angezählt, auch wenn das Publikum nur aus neugierigen Kühen besteht. Für die Jungs mit dem großen Traum im Kopf dennoch ein hoch emotionaler Augenblick, selbst wenn ein Bauer vor Lachen fast von seinem Trecker fällt.

Ob sie wüssten, dass dies nicht Tennessee, sondern der Kanton Zürich sei? Sie wissen es. Ganz genau sogar.

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