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Jaguar F-Type R Coupé im Fahrbericht

Geschlossener 550-PS-Sportwagen

Jaguar F-Type R Coupé, Seitenansicht Foto: Jaguar 20 Bilder

Ein Coupé wiegt weniger als ein Roadster – klar, oder? Jaguar geht mit dem F-Type einen anderen Weg, lässt der geschlossenen Variante das steife Gerüst der offenen. Und damit der neue Sportwagen so richtig Alarm machen kann, arbeitet nun ein 550 PS starker V8-Kompressor-Motor im Bug.

03.02.2014 Jens Dralle

Was für eine clevere Kommunikationsstrategie: Rechtzeitig zum Erstkontakt mit dem Jaguar F-Type R Coupé nördlich von Birmingham pladdert es besinnungslos – als wäre die Existenz eines Sportwagens mit festem Dach nicht anders zu begründen. Jedenfalls vermisst man das Cabrio gerade jetzt kein bisschen, das Verlangen nach einem geöffneten Dach entspricht an diesem Morgen ungefähr dem Appetit auf gebackene Bohnen.

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Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé Dach-Geschichten
auto motor und sport 02/2014
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Jaguar F-Type R Coupé mit Hinterachssperre

Und zeitgleich schummeln sich Zweifel ins Bewusstsein, ob das Jaguar F-Type Coupé unter diesen Bedingungen in der Lage ist, seine nicht unerhebliche Leistung auf die Straße zu bringen. Bereits das Einstiegsmodell schickt 340 PS an die Hinterräder, 380 PS die S-Version, doch für die erste Ausfahrt stellen die Briten sicherheitshalber das neue Topmodell, das Jaguar F-Type R Coupé, bereit.

Mit 550 PS übertrifft es nicht nur seinen offenen Bruder um 55 PS, sondern es spielt auch in einer Liga mit Porsche 911 Turbo S, Nissan GT-R und Audi R8 V10 Plus – und die überlassen ihre Power lieber der traktionsfördernden Wirkung eines Allradantriebs. Jaguar vertraut stattdessen auf eine Hinterachssperre, bei der ein Elektromotor eine Mehrscheibenkupplung innerhalb von Sekundenbruchteilen vollständig öffnen und schließen kann.

Schnell räumt Jaguar-Chefentwickler Mike Cross ein, dass es beim Jaguar F-Type Coupé „nicht darum geht, damit die letzte Hundertstelsekunde auf der Rennstrecke herauszufahren“. Nun ja, es klingt allerdings ganz anders, wenn das Fünfliter-Kompressor-Triebwerk des Jaguar F-Type R Coupé die Arbeit aufnimmt und laut donnernd die Fenster umliegender Häuser leicht zitternd klirren lässt. Von „der britischen Zurückhaltung“, die Cross beschwört, bleibt dabei nichts übrig, die versprochene Souveränität löst der Zweitürer allerdings umgehend ein.

680 Nm maximales Drehmoment

Bei 2.500 Umdrehungen kitzelt der Vortex-Kompressor das maximale Drehmoment von 680 Newtonmeter aus dem Achtzylinder, weshalb die Achtstufen-Automatik im Jaguar F-Type R Coupé bei Landstraßentempo schnell in den höchsten Gang wandlert. Sogar Federungs- und Abrollkomfort finden erstens überhaupt statt und zweitens überraschend manierlich, obwohl gegenüber dem Roadster die Federraten vorn um 4,3 und hinten um 3,7 Prozent erhöht wurden. Die serienmäßigen adaptiven Dämpfer bleiben natürlich erhalten, passen sich bis zu 500-mal in der Sekunde den Gegebenheiten an.

Fordert der Fahrer das verzögerungsfrei ansprechende und drehfreudige V8-Triebwerk zu einem kleinen Spiel heraus, vergisst das Jaguar F-Type R Coupé dann den letzten Rest an Zurückhaltung. Es tobt derart brachial los, dass die Traktionskontrolle auf der nassen Bergstraße alle Bits und Bytes voll zu tun bekommt, um die hinteren 20-Zoll-Räder wenigstens ein bisschen mit der Straße zu verzahnen.

Schon bei nur etwas mutigeren Kurvengeschwindigkeiten kündigt der Jaguar mit einem vergleichbar niedrigen mechanischen Grip dem Fahrer an, dass er jetzt regulierend eingreifen sollte. Dabei schiebt der Zweitürer unter Zug in der Kurve leicht über die Vorderachse, und beim Einlenken auf der Bremse drückt dezent das Heck (unter dessen Klappe übrigens zwischen 315 und 407 Liter Gepäck passen).

Jaguar F-Type R Coupé lenkt äußerst direkt ein

Vorsicht: Auf einen zu respektlosen Umgang mit dem Gaspedal folgt ein eben- so respektloser Heckschwenk, zumindest wenn zuvor das ESP übermütig deaktiviert wurde. Bleibt der Rettungsanker im Jaguar F-Type R Coupé aktiv, erledigt er seinen Job zuverlässig und meist auch sanft. Prinzipiell bietet das Jaguar F-Type R Coupé beste Rückmeldung und höchste Agilität, lenkt äußerst direkt ein, neigt sich dabei kaum zur Seite.

Das gelingt unter anderem mithilfe eines elektronischen Tricks, denn die kurveninneren Räder werden zwecks Aufbau eines Giermoments kurz abgebremst – Torque Vectoring by Brake nennen die Briten das etwas sperrig.

Die Lenkung des Jaguar F-Type R Coupé selbst arbeitet ordentlich, beinahe ehrlich, wenngleich nicht ganz so gefühlsecht wie die des Porsche oder des Audi. Ob die Kombination aus üppiger Leistung und Hinterradantrieb nun Spaß macht? Ja klar, Spaß macht das schon. Nur schnell ist es eben nicht, zumindest nicht unter allen Bedingungen.

Kaum geringeres Gewicht

Im Übrigen wirkt der geschlossene Jaguar F-Type sehr steif und kompakt. Kein Wunder, entspricht das Coupé doch einem verlöteten Cabrio und nicht das Cabrio einem aufgeschnittenen Coupé. Im Klartext: Alle Versteifungen der offenen Varianten bleiben erhalten, weshalb der Hersteller die Torsionsfestigkeit von 33.000 Nm/Grad als die beste bejubelt, die je ein Jaguar vorweisen konnte.

Bedauerlicher Nebeneffekt: Mit einem Gewicht von 1.665 Kilogramm wiegt das Jaguar F-Type Coupé so viel wie der offene Zweisitzer. Daher liegen auch die Fahrleistungen in etwa auf dem Niveau des Cabrios. Um noch ein paar Kilogramm einzusparen (21, um genau zu sein), könnte der Jaguar F-Type-Coupé-Käufer die erstmals für die Baureihe verfügbare Carbon-Keramik-Bremse bestellen. Ein nettes Extra für die Rennstrecke, doch darum geht es ja nicht unbedingt, wie Herr Cross nochmals betont, sondern eher um die Gaudi auf der Landstraße.

Und dort dürfte die Serienanlage reichen. Mit einer Gischtfahne im Schlepp fegt das das Jaguar F-Type Coupé zwischen Hecken und Mauern hindurch, brüllt, donnert, sprotzelt speziell im Dynamik-Modus nochmals hemmungsloser, sodass immer häufiger ein Blick in den Rückspiegel die Unversehrtheit von Landschaft und Gebäuden bestätigen muss. Mangelnde Kommunikation mit seiner Umwelt und den Insassen lässt sich also auch das Coupé des F-Type nicht vorwerfen.

Jaguar-Entwicklung: Der 8.000-Kilometer-Nordschleifen-Marathon

Eine Sommerresidenz der anderen Art: Von Ende April bis Anfang Oktober verbringt Phil Talboys im idyllischen Meuspath, eingebettet in die wildromantische Eifel. Nun gut, der Brite leitet schließlich das Testzentrum von Jaguar/Land Rover am Nürburgring – und viel reizvoller dürfte es in seiner Heimat Gaydon auch nicht sein. „Dort können wir zwar auf dem Prüfstand die komplette Nordschleife abbilden, doch die Temperaturverhältnisse lassen sich nicht simulieren“, erklärt der Ingenieur.

Jedes Modell lässt der Hersteller vor dem Serienanlauf über die Rennstrecke scheuchen, ganz gleich, ob es sich dabei um einen XF Sportbrake mit Basis-Diesel oder das Jaguar F-Type R Coupé mit 550 PS handelt. Muss denn jeder Jaguar ein Rennwagen sein? „Nein, doch bezüglich der Dauerhaltbarkeit lassen sich nirgends sonst innerhalb kürzerer Zeit aussagekräftigere Ergebnisse erzielen“, weiß Talboys. Vor allem über die erforderliche Kühlung ließen sich so präzise Angaben machen, sagt der Testchef: „Wenn ein Auto hier bei 25 Grad Außentemperatur funktioniert, können ihm auch 50 Grad in Dubai nichts anhaben.“

Beim Jaguar F-Type Coupé R beispielsweise steht die Abstimmung der elektronischen, vollvariablen Differenzialsperre mit der Torque Vectoring-Funktion ganz oben im Lastenheft. Während der Pflichtdistanz von 8.000 Kilometern werden einige tausend Messparameter abgefragt und auf deren Basis gegebenenfalls Tests einzelner Komponenten durchgeführt.

Übrigens: Den Nordschleifen-Marathon spulen die Ingenieure ausschließlich auf trockener Fahrbahn ab, aufgrund der Vergleichbarkeit der Resultate. Dabei macht ihnen das wankelmütige Eifel- Klima schon mal das Leben schwer. Zusätzlich scheuchen Talboys oder einer seiner bis zu 40 Mitarbeiter die Fahrzeuge über deutsche Autobahnen, dabei spielt das Wetter keine Rolle: „Schließlich müssen etwa Scheibenwischer-Motoren auf hohes Tempo abgestimmt werden“, sagt der Testchef, als er den Hof seiner Sommerresidenz mit dem achtzylindrig schmetternden F-Type verlässt.

Technische Daten
Jaguar F-Type R Coupé
Grundpreis106.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4470 x 1923 x 1308 mm
KofferraumvolumenVDA320 L
Hubraum / Motor5000 cm³ / 8-Zylinder
Leistung405 kW / 550 PS (680 Nm)
Höchstgeschwindigkeit300 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,2 s
Verbrauch10,7 L/100 km
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