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Jaguar X-Type

Die Katze kommt

Mit Allradantrieb, Sportsgeist und britischer Noblesse soll der kleine Jaguar im exklusiven Mittelklasse-Revier von BMW, Audi und Mercedes wildern

02.05.2001

„Wollen wir ihn reinlassen?“ Diese Frage könnte sich der Empfangschef beim kleinen Jaguar getrost sparen. Denn der neue X-Type, der am 31. Mai zum Einstiegspreis von 59.457 Mark bei den deutschen Händlern steht, hat für den Club der Nobellimousinen den erwartet feinen und emotionalen Auftritt: Motorhaube und Kotflügel sind in elegante Falten gelegt, rundum gibt es dezenten Chromzierrat, drinnen duftet es nach Holz und Leder.

Allradantrieb generell inklusive

Für die britische Traditionsmarke, seit 1999 unterm Dach der vom Ex-BMW-Manager Wolfgang Reitzle geführten Ford Premier Automotive Group (PAG), ist der 4,67 Meter lange Baby-Jag das wichtigste Auto aller Zeiten. Mit ihm will Jaguar erstmals jüngere Kunden gewinnen und in der Mittelklasse an der Vorherrschaft von Dreier-BMW, Audi A4 und Mercedes C-Klasse kratzen.

Deshalb hat Mister X alles, was gut und teuer ist. Zum Beispiel als einziger in der Klasse serienmäßig permanenten Allradantrieb (mit Viskokupplung im Zentraldifferenzial), bei dem für ein sportliches, heckantriebähnliches Handling 60 Prozent des Drehmoments zu den Hinterrädern geleitet wird. Hinzu kommt das aufwändige Fahrwerk mit völlig neuer Raumlenker-Einzelradaufhängung an der Hinterachse.

Fit für die Kurvenhatz

Das Ergebnis – so der Testeindruck nach 350 Kilometern im französischen Burgund – dürfte den Rivalen zu denken geben. Denn der gut 1,6 Tonnen schwere Brite bewegt sich so leichtfüßig und geschmeidig wie sein tierisches Markensymbol. Schnell gefahrene Kurven nimmt er ohne Zucken auch auf schärfster Linie, und dank der elastischen Federung liegt er sehr satt und ruhig auf der Straße. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, ordert für 1428 Mark Aufpreis die Dynamische Stabilitätskontrolle (DSC), die in Notsituationen ein Schleudern des Wagens verhindert. Die Fahrwerksabstimmung des X-Type hat Jaguar übrigens wochenlang auf dem Nürburgring erprobt – ganz nach dem Vorbild von BMW.

Sechszylinder in V-Form mit 196 oder 231 PS

Zwei V6-Motoren stehen zur Wahl: eine neuer 2,5 Liter mit 196 PS und der aus dem S-Type bekannte Dreiliter mit hier 231 PS. Der kleinere ist gut für normale Ansprüche, beim stärkeren kommt mehr Fahrspaß auf. Null bis Hundert absolviert dieser in 7,5 Sekunden, die Spitze liegt bei 235 km/h. Und wenn die standesgemäße Automatik (3.970 Mark) den Kickdown-Befehl bekommt, erinnert der Motorsound an legendäre Kompressor-Rennwagen. Allerdings arbeitete die Automatik des Testwagens zu hektisch zwischen den fünf Gängen hin und her, was bis zum Verkaufsstart durch eine Softwareänderung behoben werden soll.

Am Innenraum-Komfort gibt es wenig zu verbessern. Die Sitze sind bequem, die schönen Instrumente genau im Blick. Das Lederlenkrad ist hervorragend justierbar, Klimaanlage und Audiosystem gibt es serienmäßig. Auf der Rückbank jedoch fehlt – typisch Jaguar – die Kopffreiheit, kein bequemer Ort für große Leute. Der Kofferraum hingegen hat mit 452 Liter Volumen großes Format – das reicht für mehr als eine Zweierbeziehung. Die Rücksitzlehnen sind geteilt umklappbar, auf Reisekrimskrams warten über 30 Ablagefächer.

Teure Extras, neue Modellversionen

Der 59.457 Mark teure Basis-X-Type 2.5 zielt exakt auf den BMW 325i mit 192 PS: Der Bayer kostet glatt 60.000 Mark, hat aber keinen Allradantrieb. Der X-Type 3.0 beginnt erst bei 68.454 Mark, weil es ihn nur in Sport- oder Executive-Version gibt. Mit einigen schönen Extras (Leder ab 3.403 Mark, Tempomat 919 Mark, Navigationssystem mit Touch Screen 5.007 Mark) summiert sich der Baby-Jag schnell auf über 80.000 Mark. Dennoch sind die 3.500 Exemplare, die dieses Jahr zu uns kommen, so gut wie verkauft, nächstes Jahr sollen es 5.500 sein.

Die nächsten X-Type-Modelle sind schon in Sicht. Ende 2002 folgt ein 2,7 Liter großer und 170 PS starker V6-Diesel, der in Kooperation mit dem französischen PSA-Konzern entsteht. Bis 2003 starten ein modischer Kombi-Ableger und der ultimative Ballermann X-Type R mit mindestens 330 PS. Auf kleinere Geldbeutel zielt eine geplante 2,2-Liter-Version mit etwa 160 PS für rund 55.000 Mark.

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