Jaguar XFR im Fahrbericht: Vom Kompressor getrieben

Jaguar XFR

Zum neuen Modelljahr frischt Jaguar die XF-Baureihe auf. Das Topmodell XFR bekam dabei eine etwas großmäuligere Optik und behielt den bekannten V8-Motor mit Kompressor-Aufladung.

Technische Änderungen? Fehlanzeige. Warum wir die 510 PS starke Limousine dennoch gefahren sind? Na, das machen wir doch auch nicht jeden Tag.

Dezente Kosmetik am Jaguar XFR

Jaguar Designdirektor Ian Callum gehen die rationalen Argumente aus. Das mit den größeren Lufteinlässen in der Frontschürze des neuen Jaguar XFR ist "mehr so ein Jungs-Ding". Nicht, dass das Achtzylinder-Triebwerk nun mehr Luft benötigen würde.

Es blieb bei der Modellpflege unangetastet und hätte weiterhin einen halbwegs kühlen Kopf bewahrt, selbst bei Hochgeschwindigkeitsbolzerei. Doch die Optik des Jaguar XFR, sagt Callum, könnte durchaus noch ein wenig mehr den beeindruckenden Eckdaten – fünf Liter Hubraum, 510 PS, 625 Newtonmeter – entsprechen. Den Grill des Jaguar XFRwollte er ohnehin etwas vergrößern, im Gegenzug wurden die Scheinwerfer schlanker.

Der V8 könnte mehr

Innen beeindruckt die XF-Reihe noch immer mit der Getriebe-Drehschalter-fährt-aus-der-Versenkung- und-Lüftungsgitter-schwenken-auf-Show, im gleichen Moment schieben sich die ersten Achtzylinder-Bässe durch die vier Endrohre des Jaguar XFR ins Freie. Damit das von einem Roots-Kompressor zur Höchstleistung verdonnerte Aluminium-Triebwerk bei jeder Drehzahl nach möglichst vielen Zylindern und viel Hubraum klingt, werden die Druckimpulse im Ansaugtrakt durch einen Akustikfilter geschickt – und es funktioniert.

Im Bummeltempo rollt der Jaguar XFR über einen weichen Teppich aus sanften Bässen, um ab 4.000 Umdrehungen gewitterartig grollend den immerhin 1,9 Tonnen schweren Viertürer unnachgiebig über den Asphalt zu schieben. In 4,9 Sekunden soll aus dem Stand die 100 km/h-Marke abgewatscht werden, doch bereits bei 250 km/h hat selbst der britische Humor seine (elektronischen) Grenzen. Dabei reicht die Puste des mit 9,5:1 verdichteten Direkteinspritzers Jaguar XFR sicher für weit mehr, doch er darf nicht.

Jaguar XFR mit sportlicher Abstimmung

Federn darf der Jaguar XFR übrigens auch nicht mehr, dafür sorgen die straffe Grundabstimmung des adaptiven Fahrwerks und vor allem die serienmäßigen 20-Zoll-Räder. Immerhin verpuffen in den üppig gepolsterten Sportsitzen einige fiese Bodenwellen. Ebenfalls von Vorteil: Die geringe Seitenneigung des Jaguar XFR – eine gute Voraussetzung für das Leben abseits der Start- und Zielgeraden.

Gemessen am üppigen Fahrzeuggewicht schwingt sich der Jaguar XFR äußerst agil die Serpentinen im Voralpenland auf und ab, wozu die direkte Lenkung ihren Teil beiträgt. Einzig die Rückmeldung könnte eine Spur verlässlicher ausfallen. Spätestens jetzt sollte man die sanft schaltende Sechsstufenautomatik des Jaguar XFR nicht mehr sich selbst überlassen, sondern der ZF 6HP28-Box per Schaltpaddel den nächsten Gang diktieren.

Der Fahrer kann nun noch einen Fehler begehen: Über den Verbrauch des mindestens 92.700 Euro teuren Jaguar XFR nachdenken. Den vom Hersteller versprochenen Durchschnittswert von 12,5 L/100 km hat der Jaguar XFR längst ausgepufft. Zuviel? Okay. Tusch, Auftritt des neuen XF mit 190 PS starkem Vierzylinder-Dieselmotor, Achtstufenautomatik und Start-Stopp-System.

Wie sich diese Variante fährt, lesen Sie in der nächsten Ausgabe von auto motor und sport, die am 14. Juli erscheint.

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Jens Dralle

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