Fahrbericht Jaguar XKR-S: Mehr als nur eine Leistungsvariante

Jaguar XKR-S

550 PS adeln den  XKR-S zum stärksten straßenzugelassenen Jaguar aller Zeiten. Dabei treibt es das 300 km/h schnelle Coupé nicht so wild, wie es seine verschärfte Optik vermuten lässt.

Die englisch-deutsche Rivalität ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Da spricht Jaguar beim 300 km/h schnellen Jaguar XKR-S tatsächlich von Autobahnfestigkeit und wirbt mit Rundenzeiten von der Nordschleife (unter acht Minuten). Es wird doch nicht etwa Sympathie aufkeimen

In jedem Fall handelt es sich beim Jaguar XKR-S um den stärksten Straßen-Jag aller Zeiten. Dabei halten sich die motorischen Eingriffe im Vergleich zum XKR in Grenzen: Ein umprogrammiertes Steuergerät plus höhere Verdichtung – schon schüttelt der Fünfliter-V8 40 PS mehr aus dem Roots-Kompressor.

Verbesserte Lenkpräzision im Jaguar XKR-S

Dass der Jaguar XKR-S mehr sein will als nur eine Leistungsvariante, zeigen jedoch die Fahrwerksmodifikationen: So sollen steifere Aluminium-Achsschenkel vorn die Lenkpräzision verbessern, während höhere Federraten und die geringere Bodenfreiheit Nick- und Wankbewegungen an den Kragen gehen.

Zudem baut das aktive Hinterachsdifferenzial bei Traktionsbedarf zehn Prozent mehr Sperrwirkung auf. Und das ist auch gut so: Schließlich bedeuten 680 Nm Drehmoment Schwerstarbeit für eine einsam antreibende Hinterachse. Um sich ein Bild davon zu machen, reicht es, per Knopfdruck in den Dynamik-Modus zu wechseln: Mit gelockerten ESP-Zügeln führen in Kehren schon mittlere Gasstöße zu launigen Heckschwenks des Jaguar XKR-S.

Von null auf Hundert in 4,4 Sekunden

Trotz Aufladung spricht der Direkteinspritzer des Jaguar XKR-S fein an und schreit mit offenen Auspuffklappen lauter als die ManU-Fankurve beim unberechtigten Elfmeter. Für den Standard-Sprint vergehen daher nur 4,4 Sekunden, selbst bei Tempo 300 muss er per Elektronik von weiteren Schandtaten abgehalten werden.

Ungeachtet seiner dunklen Seite hat sich der 2+2 britische Contenance bewahrt. So reagieren die adaptiven Dämpfer sensibel auf kurze Stöße, eignet sich die leichtgängige Lenkung bestens zum entspannten Cruisen, während sich die Schalensitze mehr durch Bequemlichkeit denn ultimativen Seitenhalt hervortun.

Viel Komfort und schlichte Details im Jaguar XKR-S

Komfortextras wie das B&W-Soundsystem, Rückfahrkamera oder ein Garagentoröffner outen das Vollalu-Coupé Jaguar XKR-S ebenso als klassischen GT wie die aufrechte Sitzposition. Zum Club-Zimmer passen das bis unters Dach vernähte Poltrona-Frau-Leder sowie jede Menge Chrom.

Die wenigen einfachen Details wie Fensterheber-Knöpfe oder Schaltpaddel aus Hartplastik dürften den Sympathien gegenüber dem Jaguar XKR-S wohl keinen Abbruch tun. Denen der Deutschen ohnehin nicht. Im zweitgrößten Jaguar-Markt Europas sind vor allem die PS-starken Modelle der Briten beliebt. Die gute alte Rivalität ist eben nicht mehr das, was sie mal war.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 13 / 2011

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