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Neuer Jeep Compass (2017) im Fahrbericht

Neue Marschrichtung

Jeep Compass 2.0 Multijet Trailhawk 2017 Foto: Jeep 25 Bilder

Jeep schließt mit dem Kompakt-SUV Compass die Lücke zwischen Renegade und Cherokee. Dabei tritt er besonders schick und stylisch auf. Erste Fahreindrücke vom neuen Tiguan-Gegner.

15.06.2017 Torsten Seibt Powered by

Wenn ein Hersteller bei der Präsentation eines neuen Fahrzeugmodells den Vorgänger mit keiner Silbe erwähnt, ist das auch eine Aussage. Tatsächlich herrschte in Europa in der Causa Compass bislang eher Unverständnis seitens der Kundschaft. Das Design für Unerschrockene, die Verarbeitung rustikal, das Fahrverhalten zwischen Wunsch und Wirklichkeit im Nirgendwo gestrandet. Fiat-Chrysler hat unter den frühen Compass einen dicken Schlussstrich gezogen, das neue Modell, ab Juli bei den Jeep-Händlern, hat nur noch den Namen mit dem in Deutschland konsequent erfolgfreien Vorgänger gemeinsam.

Die Plattformstrategie ist inzwischen auch beim ältesten Geländewagenhersteller der Welt eingezogen, die technische Unterfütterung des Compass entstammt dem Baukasten von Jeep Renegade und Fiat 500X. Gegenüber dem Renegade legt der neue Kompakt-Jeep jedoch die entscheidenden Zentimeter zu, um die hierzulande beliebtesten SUV-Modelle vom Schlage eines Nissan Qashqai oder VW Tiguan anzuvisieren.

Jeep Compass im Stil des Grand Cherokee

Der Limited hat eine andere Frontschürze und kommt ohne Kontrastlackierung edler daher.

Das Thema Design wurde diesmal, auch wenn das im Vergleich zum Vorgänger keiner großen Anstrengung bedurft hätte, durchaus ansehnlich bewältigt. „Liebling, ich habe den Grand Cherokee geschrumpft!“, rief der Chefdesigner vermutlich nach Fertigstellung. Und die Kollegen Innenraumgestalter haben dann seriös weitergemacht. Die zum Teil bemüht wirkende Verspieltheit des Renegade wurde unterlassen, stattdessen ein Arrangement geschaffen, das auch gehobenen Ansprüchen genügt. Das neue Multimedia-System lässt sich weitgehend rätselfrei bedienen, während die zahlreichen Knöpfe und Schalter, auch im Multifunktionslenkrad, gewisser Gewöhnung bedürfen.

Beim Raumangebot setzt der Renegade keine Glanzlichter, auf den Rücksitzen bieten manche Wettbewerber mehr Platz. Die Variabilität der tief montierten Rücksitzbank erschöpft sich im Umklappen der Lehnen, speziell bei installiertem Panoramadach ist dort die Kopffreiheit für Erwachsene nichts für Fönfrisuren. Allerdings ist der Kofferraum recht geräumig und lässt sich mit doppeltem Boden bei Bedarf ins Tiefparterre erweitern.

Straffe Fahrwerksauslegung im Jeep Compass

Das Fahrwerk der Europaversion legten die Entwickler eher nüchtern und verbissen aus, schlechten Fahrbahnbelag meldet der Compass eifrig weiter, spürbare Seitenneigung in rasch gefahrenen Kurven gibt es dennoch. Angesichts der nicht sonderlich haftstarken Sitzmöbel wird das besonders spürbar, zumindest der Fahrer kann sich aber am auffällig dick gepolsterten Lenkrad festhalten.

Der Trailhawk als Topmodell basiert ausstattungsseitig auf dem Limited, bekommt aber noch weitere Gelände-Extras.

Dafür ist die Geräuschdämmung gelungen, sowohl Motor- als auch Windgelärme wird wirksam ferngehalten. Zum akustischen Komfort passt die umfangreiche Ausstattung bis hin zur Sitzklimatisierung (kommt bei Auswahl der Lederpolsterung im Paket). Bei den Assistenzsystemen sind alle heute in dieser Klasse üblichen Sicherheits-Helferlein versammelt, zumindest bei Bestellung von Limited oder Trailhawk. In den beiden Ausstattungsreihen darunter (Sport und Longtitude) können einzelne Systeme wie der adaptive Tempomat, Rückfahrkamera, Totwinkel- oder Fernlicht-Assistent auch nicht gegen Aufpreis geliefert werden.

Aus dem variantenreichen Motorenangebot sollte bei gewissem Anspruch an mühefreie Fortbewegung einer der beiden Zweiliter-Diesel auf dem Wunschzettel stehen. Der gefahrene 170-PS-Topmotor macht seine Sache ordentlich, die Neungang-Automatik schaltet komfortbetont, wenngleich nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar.

Soll es gelegentlich ins Gelände gehen, stellt sich die Frage nach der Motorisierung ohnehin nicht, denn der besonders hierfür präparierte Trailhawk ist ausschließlich mit dem 170-PS-Diesel lieferbar.

Die Geländereduktion ist keine

Jeep Compass 2.0 Multijet Trailhawk 2017 Foto: Jeep
Das Cockpit weist weniger Verspieltheiten auf als beim Renegade.

Wie beim Renegade behauptet Jeep zwar, dass beim Trailhawk eine „Geländereduktion“ verbaut sei, was allerdings Etikettenschwindel ist. Im „Low“-Modus wird lediglich der erste Gang des Automatikgetriebes gesperrt, die propagierte „Spezial“übersetzung von 20:1 erreicht der Limited mit Automatikgetriebe ebenso. Echte Vorteile gegenüber den anderen 4x4-Versionen sind die minimal (14 Millimeter) bessere Bodenfreiheit, bedingt durch die höhere Serienbereifung, sowie die serienmäßigen Unterfahrschutzbleche. Außerdem bietet die umgestaltete Frontschürze des Trailhawk einen besseren Böschungswinkel.

Kennt man die Preisgestaltung von Cherokee und Renegade, ist der dazwischen platzierte Compass einigermaßen zurückhaltend. Der Einstieg beginnt bei 24.900 Euro, beim voll ausgestatteten Topmodell Limited stehen 37.200 Euro auf dem Kassenzettel. Jeep vermeldet ausstattungsbereinigte Preisdifferenzen von rund 4.300 Euro zum Tiguan.

Fazit

Der neue Jeep Compass sieht nicht nur aus wie ein geschrumpfter Grand Cherokee, er fühlt sich auch so an. Im Innenraum bringt er das Plus an Platz gegenüber dem Renegade, das ihn auch als Familienauto einsetzbar macht. Lediglich die etwas ruppige Fahrwerksabstimmung mag nicht ganz zum ansonsten sehr komfortablen Charakter passen. Mit der schicken Optik und den höflichen Preisen wird der Compass in Deutschland ziemlich sicher ein Verkaufserfolg.

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