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Kei-Cars in Japan

Suzukis kleine Giganten

10/2015, Fahrbericht Suzuki Kei-Cars Foto: Jochen Knecht 63 Bilder

Besonders kleine Autos mit höchstens 660 Kubik sind die großen Renner auf dem japanischen Automarkt. Wir konnten vier der so genannten Kei-Cars von Suzuki testen.

11/02/2015 Jochen Knecht, Stefan Cerchez

In diesem Artikel finden Sie:

Eine Charakterisierung der Fahrzeugklasse Kei-Cars (im Anschluss)

Fahrberichte von Suzuki Spacia und Hustler

Fahrberichte von Suzuki Alto TurboRS und dem Damenauto Lapin

Die Bildergalerie der Suzuki Kei-Cars

Sie machen 41% des japanischen Fahrzeugmarktes aus, sind im Rest der Welt aber so gut wie unbekannt: Kei-Cars, Kleinstwagen mit maximal 660 Kubik Hubraum und einer Vielfalt, die locker mit den “Großen” mithalten kann. auto motor und sport hatte im Rahmen der Tokyo Motor Show die Möglichkeit, vier in Japan beliebte Kei-Cars zu fahren.

Trotz ihrer geringen Größe sind sie nicht schwer zu finden: Japanische Großstädte sind voll von Kei-Cars. Maximal 3,39 Meter lang, 1,475 Meter breit, 1,99 Meter hoch. Der automobile Zwergenwuchs legt die Vermutung nahe, dass die urbanen Japaner bei der Anschaffung vor allem der dichte Verkehr einer Megacity antreibt. Wo aus Platzmangel vor allem in die Höhe gebaut und Autobahnen gestapelt werden, kann so ein Mini-Miniauto bei der Parkplatzsuche doch nur praktisch sein, oder? Ganz sicher. Tatsächlich geht die Beliebtheit der “keijdōsha”, japanisch für “leichtes Automobil”, aber auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zurück. Ausgewachsene Autos waren damals unerschwinglich. Mit Einführung der Kei-Car-Regulationen versuchte die japanische Regierung, die Entwicklung von kleinen, leichten und zugleich günstigen Fahrzeugen (2,8 Meter lang, 150 Kubik) zu fördern, die für Kleinstbetriebe und Familien erschwinglich waren. Attraktive Steuer-Boni rundeten das Angebot ab. Kei-Car statt Fahr- bzw. Motorrad. Der Plan ging auf.

Ein Kei-Car braucht keinen Parkplatz

Daran hat sich bis heute auch nicht viel geändert. Und doch alles. Aber der Reihe nach. Auch die Kei-Cars von heute werden vor allem aus Steuerspargründen gekauft. Drei statt fünf Prozent Verbrauchssteuer, bis zu 30% weniger Gewichtssteuer, sparsamere Tarife bei der Fahrzeug-Haftpflicht sowie Vorteile bei der jährlichen Straßen-Steuer, die nach Hubraum abgerechnet wird. Unterm Strich kostet so ein Kei-Car pro Jahr nichtmal die Hälfte an Steuern, die für ein reguläres Fahrzeug fällig werden. Hinzu kommt ein weiterer Kostenfaktor: Wer in Großstädten wie Tokio ein Auto zulassen möchte muss nachweisen, dass er über einen ausreichend großen Parkplatz verfügt. In den aus Platzmangel extrem dicht bebauten japanischen Metropolen ein sehr kostspieliges Hindernis. Wer Kei-Car fährt, ist fein raus. Die Minis sind vom Parkplatzzwang ausgenommen. Eine Tatsache, die die Kei-Cars vor allem für kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe überlebenswichtig macht.

Warum heute dennoch alles anders ist, als zur Einführung der Kei-Cars? Ganz einfach: Weil sich die Ansprüche der Kunden an Sicherheit und Komfort verändert haben. Wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand haben auch die Erwartungshaltung der japanischen Autofahrer verändert. So wurden die Vorschriften für Abmessungen, Leistung, Hubraum und Zuladung seit 1949 immer wieder angepasst. Die aktuellen Kei-Car-Spezifikationen sehen seit 1998 neben 3,39 Meter Länge, 1,475 Meter Breite und 1,99 Meter Höhe auch einen maximalen Hubraum von 660 ccm, eine maximale Leistung von 64 PS, vier Sitzplätze und eine maximale Zuladung von 350 Kilogramm vor.

Kei-Cars sind kleine Autos von großer Vielfalt

Klingt trotz aller Veränderung nicht nach viel Auto, oder? Stimmt aber nicht. Die japanischen Autobauer haben es trotz der strengen Vorschriften geschafft, ein extrem vielfältiges Kei-Car-Ökosystem auf die Räder zu stellen, dass das Interesse an dieser Fahrzeugklasse hoch hält. Familienvans, Geländewagen, SUV, Pick-ups, Sportwagen oder Pritschentransporter: alles geht.

Ein Pionier der Branche: Suzuki. In Hamamatsu werden seit 1955 Kei-Cars gebaut, das Unternehmen wechselt sich quasi im Jahresrythmus mit Daihatsu an der Spitze der Kei-Cars-Zulassungsstatistik ab. Wir hatten im Rahmen der Toyko Motor Show 2015 die Möglichkeit, uns einmal quer durchs Suzuki-Kei-Car-Aufgebot zu fahren und haben uns hinterher ernsthaft gefragt, ob man eigentlich wirklich mehr Auto braucht, als so ein Kei-Car zu bieten hat.

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