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Kia Carens CRDi 1.7 Fahrbericht

Korea-Van mit großen Erwartungen

Kia Carens 1.7 CRDi, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 19 Bilder

Der Kia Carens sah so aus, als hätten sie ihn bei Kia ganz vergessen. Lange war er das älteste Modell in der Palette. Doch nun kommt die 4. Generation des Kompaktvans. Die will nicht mehr nur günstig sein, sondern sich endgültig an der Spitze etablieren. Ob das klappt?

13.06.2013 Sebastian Renz Powered by

Vielleicht ist das ja nun die schwierigste Phase für Kia, eine Firma, die uns noch vor zehn Jahren von den stilistischen und technischen Vorzügen eines Shuma II überzeugen wollte. Inzwischen hat sich Kia mit modernem Design und hoher Qualität etabliert. Dabei steckt aber unter den schicken Karossen noch immer – nennen wir es mal – bewährte Technik. Aber passt das noch zu den steigenden Ansprüchen, die Kunden inzwischen an die Modelle stellen?

Nun also der neue Kia Carens, der den lange gebauten Vorgänger ersetzt. Kia schien ihn fast gar vergessen zu haben; im Mai 2012 war die gesamte Palette erneuert, nur der Kia Carens nicht. Doch die Techniker haben die Zeit genutzt, um sein Konzept neu zu definieren. Er hat nun die verhuschte Minivan-Form des Vorgängers abgelegt, ist elf Zentimeter flacher und zwei kürzer, hat fünf Zentimeter mehr Radstand und sieht nun eher nach einem etwas höheren Kombi aus.

Neuer Kia Carens auf dem Autosalon Paris 2012 1:17 Min.

Kia Carens mit guter Variabilität

Um bei knapperen Abmessungen dennoch mehr Platz im Fond und vor allem im Kofferraum – den wie bisher gegen 750 Euro Aufpreis zwei zusätzliche Klappsitze möblieren – zu schaffen, entwarfen die Entwickler für den Kia Carens eine neue Hinterachse. Und so ersetzt die bisher verbaute, aufwendige Mehrlenkerachse eine einfache, aber platzsparende Verbundlenkercombo mit Drehstabfederung. Mit solch einer Konstruktion schunkelten zuletzt Renault Kangoo I und Citroën Berlingo First 2009 aufs Altenteil.

Allerdings fallen schnell die praktischen Vorteile auf, bietet der Kia Carens trotz der kompakten Abmessungen doch einen größeren und gut nutzbaren Kofferraum. Der ist 6,7 Zentimeter breiter sowie bis zur Fensterkante 4,8 Zentimeter höher als bisher und wird nur von kleinen seitlichen Radkästen eingeengt. Zudem tauchen die beiden Klappsitze tief ab, sichern so ein Standardvolumen von 492 Litern.

Klappen die beiden Sitze aus dem Boden – das gelingt leicht und schnell mit einem Zug an einem Band – schrumpft das Ladeabteil wie eben bei allen kompakten Vans. Auch im Kia Carens empfiehlt sich die letzte Reihe nur für Kinder oder flexible Erwachsene. Die müssen zudem etwas Solidarität von den Kollegen in der zweiten Reihe einfordern, um ihre Haxen unterzubringen. Aber weil es an Knieraum im Kia Carens nicht mangelt, können die Passagiere auf den drei wenig haltstarken, separat neigungsverstell- und längs verschiebbaren Einzelsitzen gut ein Stück vorrücken.

Alternativ tauchen alle fünf Rücksitze zu einer Ladeebene ab. Darauf lässt sich im Kia Carens mit 1.650 Litern nicht ganz so viel verstauen wie etwa im Renault Grand Scénic (2.063 Liter) oder VW Touran (1.913 Liter). Dafür müssen aber fürs volle Volumen keine Sitze herausgebastelt werden, und wenn zusätzlich die Lehne des Beifahrersitzes umklappt, ergibt sich eine Ladefläche vom Heckstoßfänger bis zum Cockpit.

Viele Schalter, aber wenig Übersicht

Das trägt das typische Kia-Layout, dem die Idee zugrunde liegt, dass jede Funktion eine eigene Taste haben soll. Dieses Konzept sorgte bisher immer für leichte und verständliche Bedienung, kommt nun aber an seine Grenzen. In der Topversion Spirit hat der Kia Carens nämlich inzwischen so viele Funktionen – von Lenkradheizung über Sitzkühlung und Spurhalte- zum Parklenkassistent – dass die Schaltermenge sich nun nur noch schwer überschauen lässt.

Mangelnde Übersicht ist ebenfalls ein Grundproblem der mit breiten Dachsäulen und kleinen Fenstern ausgestatteten Karosserie des Kia Carens. Zudem integriert der Kia Carens Fahrer und Beifahrer tiefer ins Auto als andere Vans – er soll eben nicht nur mehr nach Kombi aussehen, sondern sich beim Fahren auch so anfühlen.

Wobei das Fahren als solches noch immer nicht zu den größten Stärken des Kia Carens zählt. Klingt jetzt dramatischer, als es im Alltag ist, aber gerade bei Fahrwerk und Lenkung hat Kia weiterhin Nachholbedarf und erreicht nicht das Niveau der Besten. Mit der fast schon traditionell zu harten Federung und zu schwacher Dämpfung überrumpelt der Viertürer bereits kleine Unebenheiten herb, die schwingen zudem wie ein Echo nach. Dazu fehlt es – ebenfalls eine bekannte Schwäche aktueller Kia-Modelle – der elektrischen Servolenkung an Rückmeldung. Ihre drei anwählbaren Kennlinien variieren nur den Grad der Servounterstützung, ändern aber nichts an der geringen Präzision sowie den synthetischen Lenk- und Haltekräften.

Kia Carens hat starken Diesel und schwache

All das mindert nicht die hohe Fahrsicherheit des im Grenzbereich stur untersteuernden Kia Carens, wohl aber seine Agilität. Dabei legt zumindest sein 1,7-Liter-Turbodiesel nach einem kleinen Ladedruckhänger durchaus energisch los, zieht kräftig, harmoniert gut mit dem passend abgestuften, präzisen Sechsganggetriebe. Mit 7,4 Liter auf 100 Kilometer fällt der Verbrauch allerdings etwas zu hoch aus, und auch bei der Laufkultur bietet das Triebwerk nur Durchschnittliches.

Das gilt auch bei der Sicherheitsausstattung. Außer einem Spurhaltehelfer liefert Kia für den Kia Carens keine Assistenzsysteme. Und nachdem derzeit selbst neue Kleinwagen aus Tempo 100 Bremswege von unter 35 Metern schaffen, enttäuscht der Carens mit 38.

Den Sprung an die Klassenspitze schafft der Kia Carens so nicht. Doch mit seiner hervorragenden Variabilität, dem guten Platzangebot und den sieben Jahren Garantie bietet er überzeugende Talente. Allerdings nicht mehr ganz so günstig wie gewohnt. Im Grundpreis liegt der fürstlich ausgestattete Kia Carens Spirit auf dem Niveau von Opel Zafira Tourer und Renault Grand Scénic. Aber bei Kias Aufstiegsambitionen war ja auch das fast zu erwarten.

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Technische Daten
Kia Carens 1.7 CRDI 7 Sitzer
Grundpreis29.090 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4525 x 1805 x 1610 mm
KofferraumvolumenVDA103 bis 1650 L
Hubraum / Motor1685 cm³ / 4-Zylinder
Leistung100 kW / 136 PS (331 Nm)
Höchstgeschwindigkeit191 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,4 s
Verbrauch5,0 L/100 km
Testverbrauch7,4 L/100 km
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