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Kia Picanto 1.0 und Ford Ka 1.2 im Fahrbericht

Revierkampf im Kleingehege

Kia Picanto ISG Spirit, Seitenansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

Der neue Kia Picanto will außer mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis auch mit pfiffiger Optik im Revier der etablierten Minis à la Ford Ka wildern. Wie stehen seine Chancen? Fahrbericht der Basismotorisierungen mit 69 PS.

07.09.2011 Peter Wolkenstein Powered by

Wenn es um die Kleinsten und Preisgünstigsten in der Modellpalette geht, werfen manche Hersteller ihr sonst so sorgfältig gepflegtes Markendesign über Bord. Wegen des extrem hohen Kostendrucks teilen sich zwei (beispielsweise Nissan Pixo und Suzuki Alto) oder mehrere Marken (Citroën C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo) ein komplettes Fahrzeug, das sich nur durch das Logo und/oder wenige verschiedene Anbauteile den beteiligten Herstellern zuordnen lässt.

Es gibt aber auch pfiffige Alternativen zu derartigem Einheitsbrei. Beispiel Ford Ka: Er nutzt die technische Plattform des Fiat 500 samt Motoren und Getriebe und rollt mit ihm gemeinsam in Polen vom Band. Optisch gibt es jedoch keine Gemeinsamkeiten mit dem italienischen Kultmini – der Ford Ka hüllt sich in fordtypisches Kinetic-Design.

Charakterkopf Kia Picanto ist gewachsen

Formale Eigenständigkeit beweist auch der neue Kia Picanto, der mit dem Modellwechsel zu den Charakterdarstellern unter den Kleinwagen wechseln will. Dafür erhielt er von den Designern um Chef Peter Schreyer ein völlig neues Kleid mit kräftigen seitlichen Lichtkanten und einer selbstbewusst dreinblickenden Frontpartie, die klar signalisiert: Der gewachsene Kia Picanto will erwachsen und nicht putzig sein.

Damit nicht genug. Auch technisch legt sich der Kia Picanto ins Zeug, trägt unter der kurzen Haube einen neu entwickelten Dreizylinder mit vollvariabler Ventilsteuerung, der aus einem Liter Hubraum 69 PS entwickelt und im Normzyklus nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren soll. Sparsam ja, aber Sparbrötchen? Eher nicht, ein wenig Luxus und Komfort muss schon sein, zumindest optional.

Deshalb reicht das Ausstattungsangebot vom supergünstigen Kia Picanto Basis-Attract mit zwei Türen ab 8.990 Euro bis zum viertürigen Spirit für 12.390 Euro, bei dem neben CD-Radio, USB-Anschluss, Alurädern und Klimaanlage auch die Sicherheitsausstattung mit zusätzlichem Knieairbag für den Fahrer und ESP (sonst Aufpreis) keine Wünsche mehr offen lässt.

Sitzheizung, Klima, Nebelscheinwerfer und Start-Stopp für 760 Euro

Sitzheizung, Klimaautomatik und Nebelscheinwerfer sind beim Kia Picanto in einem Paket (760 Euro) mit einer Start-Stopp-Automatik zusammengefasst, die jedoch den CO2-Ausstoß nicht weiter senkt, sondern nur den geringfügigen Mehrverbrauch der breiteren Spirit-Bereifung (15 Zoll) egalisiert.

Wer bei mehr als 13.000 Euro für einen 3,60-Meter-Mini ins Grübeln kommt, wird beim Blick in die Preisliste des Ford Ka eines Besseren belehrt. Die Tarife des ebenfalls 69 PS starken Ford Ka beginnen bei 9.700 (Ambiente) und reichen bis 12.700 Euro (Titanium), wobei selbst in der Topversion ESP (360 Euro) und Kopfairbags (260 Euro) noch extra bezahlt werden müssen. Bei vergleichbarer Ausstattung kostet der nur zweitürig angebotene Ford Ka über 1.000 Euro mehr als ein viertüriger Kia Picanto.

Die 400 Euro Aufpreis für die zusätzlichen Fondtüren sind beim Kia Picanto gut angelegtes Geld. Schließlich bietet er Erwachsenen auch auf den Rücksitzen bequem Platz. Zudem können Kindersitze leichter montiert oder der bei vorgeklappter Rückbank erweiterte Laderaum einfacher beladen werden. Bei größeren Einkäufen ist das unumgänglich, denn im Normalfall fasst das schmale Gepäckfach nur 200 Liter.

Ford Ka hat größeren Kofferraum

In das kugelige Heck des Ford Ka passen immerhin zehn Prozent mehr, während man den engen und mühsam zugänglichen Fond großen Mitfahrern nicht zumuten mag. Auf den straff gepolsterten Vordersitzen schränkt lediglich die breite Mittelkonsole mit erhöht angebrachtem Schaltknüppel die Bewegungsfreiheit etwas ein.

Wer das freche, im Interieur großflächig verteilte quietschgrüne Dekor des Individual-Pakets „Digital“ nicht mag, kann sich die 750 Euro Aufpreis beim Ford Ka (inklusive 16-Zoll-Aluräder) einfach sparen. Die hinteren Parkpiepser sind wegen der für einen Stadtflitzer sehr unübersichtlichen Heckpartie jedoch nahezu unverzichtbar, kosten allerdings 355 Euro Aufpreis.

Am Handling des kleinen Ford Ka gibt es dagegen wenig auszusetzen. Die servounterstützte Lenkung arbeitet leichtgängig und liefert genügend Rückmeldung, um den Ford Ka zielgenau durch die Großstadt oder über kurvige Landstraßen zu zirkeln. Trotz der breiten Optionsbereifung (195/45 R16), auf der der Ford Ka beinahe wie auf Schienen um die Ecken biegt, informiert der kleine Kölner seine Insassen nicht über jedes Loch in der Straße, ist aber weit davon entfernt, sie in Watte zu packen.

Ford Ka dynamischer als Kia Picanto

Der von Fiat stammende 1,2-Liter-Vierzylinder mit 69 PS entwickelt ausreichendes Temperament und fühlt sich im direkten Vergleich zum Kia Picanto spürbar elastischer an. Das macht sich auch im Verbrauch bemerkbar. Ebenfalls mit Start-Stopp-Technik ausgerüstet, konsumiert der Ford Ka im Normzyklus mehr als der Kia Picanto (4,9 zu 4,3 L/100 km).

In der Praxis bewegen sich beide jedoch auf gleichem, deutlich höherem Niveau, sofern sie nicht bewusst sparsam gefahren werden. Mit stolzen 6,8 L/100 km im Fahrbericht braucht der Kia Picanto nur 0,1 Liter weniger als der Ford – der sonor brummende Picanto-Dreizylinder ist auf höhere Drehzahlen und häufigere Gangwechsel angewiesen, die mit der leicht und exakt zu bedienenden Fünfgangschaltung aber keine Mühe bereiten.

Für die meisten Alltagssituationen eines Kleinwagens reicht auch die Dynamik des Kia Picanto völlig aus. Fahrwerk und Handling haben mittlerweile einen Reifegrad erreicht, der sich häufig nur in Nuancen von dem des Ford Ka unterscheidet. So spricht die Lenkung des Kia Picanto aus der Mittellage etwas steifer an, im Extremfall schiebt der Kia in Kurven früher über die Vorderräder. Rillen und Fugen dringen deutlicher zu den Passagieren durch, gröbere Stöße werden von der Federung etwas unwilliger und mit größeren Hubbewegungen verdaut.

Auffallend schlechte Bremsleistung des Kia Picanto

Doch wenn es etwas gibt, das Kia baldmöglichst nachbessern sollte, dann sind es die Bremsen: Ob leer (41,6 Meter) oder beladen (42,8 Meter) – über 40 Meter Bremsweg sind auch im Segment der Kleinsten nicht mehr zeitgemäß.

Der Ford Ka, obwohl in dieser Disziplin kein Überflieger, kommt mindestens eine knappe Wagenlänge früher zum Stehen. Immerhin fällt die passive Sicherheitsausstattung beim Kia Picanto Spirit mit Front-, Seiten- und Kopfairbags plus zusätzlichem Knieairbag für den Fahrer besonders umfangreich aus.

In der Summe der Eigenschaften sammelt der Ford Ka trotz mancher Schwächen mehr Punkte als der Kia Picanto. Doch gerade bei Kleinwagen spielen die Kosten oft eine kaufentscheidende Rolle. Günstigere Fixkosten dank niedrigerer Haftpflicht- und Vollkaskoeinstufungen, mehr Ausstattung fürs Geld und sieben statt der üblichen zwei Jahre Garantie sind starke Argumente für den Kia Picanto, mit denen er den Ford Ka in der Endabrechnung überholt.

Fazit

Kleine Autos können pfiffig und dennoch erwachsen sein – weder Ford Ka noch Kia Picanto fühlen sich nach Sparkost an. Der Ford ist der dynamischere und im Detail ausgewogenere von beiden. Praktische Ansprüche befriedigt der Kia besser, und dank Vorteilen bei Preis, Ausstattung, Kosten und Garantie gewinnt er diesen Vergleich – trotz der Blöße, die er sich beim Bremsen gibt.

Technische Daten
Kia Picanto 1.0 ISGFord Ka
Grundpreis13.150 €12.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3595 x 1595 x 1480 mm3620 x 1658 x 1505 mm
KofferraumvolumenVDA200 bis 870 L224 bis 710 L
Hubraum / Motor998 cm³ / 3-Zylinder1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung51 kW / 69 PS (95 Nm)51 kW / 69 PS (102 Nm)
Höchstgeschwindigkeit153 km/h159 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h14,4 s13,3 s
Verbrauch4,3 L/100 km4,9 L/100 km
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