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Fahrbericht Kia Rio

Kleinwagen der günstigen Art

Kia Rio, Frontansicht Foto: Hersteller 20 Bilder

In der dritten Auflage tritt der Kia Rio forscher auf als sein Vorgänger – bei gesunkenen Preisen. Erste Fahreindrücke des viertürigen Kleinwagens aus Korea.

03.08.2011 Michael von Maydell

Unter der Ägide des Chefdesigners Peter Schreyer entwickelt sich Kia ziemlich konsequent zum Autobauer für markante Fahrzeuge. Und es schadet nicht, dass die auch in Deutschland immer mehr Anklang finden. Jüngstes Beispiel ist der neue Kia Rio. Deutlich stämmiger und flotter gezeichnet als sein braver Vorgänger, geht der 4,05 Meter lange Kleinwagen ab September auf Kundenfang. Zunächst als Viertürer, die zweitürige und vermutlich sportlichere Variante folgt dann im Frühjahr 2012.

Dass Optik aber nicht alles ist, hat sich auch in Seoul herumgesprochen, und so setzt Kia zusätzlich auf niedrige Preise. Schlanke 9.990 Euro sind für einen Kia Rio mit 85 PS starkem Basisbenziner zu bezahlen. Der Vorgänger war erst ab 11.990 Euro (97 PS) zu haben. Mit an Bord des Rio „Attract“ sind bereits ESP, sechs Airbags, Bremsassistent, 16-Zoll-Räder sowie als einzige Serienlackierung: die Farbe Weiß. Wer es bunter oder einen Diesel mag, muss für den fünfsitzigen Polo-Rivalen als Edition 7-Ausführung 1.500 Euro mehr bezahlen.

Vier Motoren zum Marktstart des Kia Rio

Die Top-Variante „Spirit“ ist nochmals 1.500 Euro teurer, mit LED-Tagfahrlicht, Klimaautomatik, elektrischen Fensterhebern, Start-Stopp-Automatik sowie beheiztem Lenkrad aber auch sehr üppig ausgestattet. Zum Vergleich: Ein zweitüriger Polo Comfortline mit 85 PS ist erst ab 15.275 Euro erhältlich. Zur Markteinführung startet der um zwei Zentimeter gewachsene Koreaner mit vier Motoren im Programm. Zwei Vierzylinder-Benziner mit 85 und 109 PS sowie zwei Selbstzünder mit 75 und 90 PS stehen im Kia Rio zur Wahl. Geplant ist eine Preisstaffelung von je 1.000 Euro.

Optional lässt sich der Kia Rio zudem mit einer Start-Stopp-Automatik (ISG) ausrüsten. Künftiger Spritsparstar in der Kia-Palette dürfte der 75-PS-Diesel (rund 11.490 Euro) mit variablem Turbo werden. In Kombination mit ISG sowie weiteren optionalen Sparelementen wie Leichtlaufreifen, spezieller Lichtmaschine, optimierter Aerodynamik und Abspeckmaßnahmen im Innenraum (minus 36 Kilogramm) soll der 1,1 Liter kleine Dreizylinder nur 3,2 Liter Diesel (85 Gramm CO2) auf 100 Kilometer verbrauchen.

Schlapper Benziner, komfortables Fahrwerk

Der kleine Sparer stand für eine erste Ausfahrt durch das Hinterland von Seoul nicht zur Verfügung. Los ging es vielmehr im Topmodell, dem 109 PS starken Kia Rio 1.4. Doch schon nach wenigen Kilometern ist klar: Bravo-Rufe wird der Sauger nicht ernten. Schlapp und ohne großen Ehrgeiz zieht er den 1,1 Tonnen leichten Kia Rio nur mühsam voran. Wer flotter vorwärtskommen möchte, muss den Vierzylinder bei hohen Drehzahlen halten, um bei 4.200 Umdrehungen zumindest das magere Drehmoment von 137 Newtonmetern abzuschöpfen.

Entsprechend höher dürfte auch der reale Verbrauch, den Kia mit optimistischen 5,3 Liter/100 km angibt, im Alltag ausfallen. Kleiner Trost: Das Sechsgang-Getriebe lässt sich leichtgängig und präzise bedienen, wehrt sich also nicht gegen flotte Schaltvorgänge. Schneller und ohne ständigen Griff zum Schalthebel geht es im 90-PS-Diesel voran (ab 12.490 Euro). Dank Turbolader hält der 1,4 Liter große Vierzylinder ab 1.750 Touren ein Drehmoment von 220 Nm parat und ermöglicht so einen zügigeren Vortrieb. Beiden Modellen gemein ist eine softe Fahrwerksabstimmung, die selbst auf schlechten Wegen abseits koreanischer Autobahnen für ausreichend Komfort sorgt. Nur der teigigen und indirekten Lenkung sollten die Kia-Ingenieure zur Markteinführung noch etwas mehr Präzision beibringen.

Kia Rio ein ernsthafter Kleinwagen-Rivale

Im Innenraum gibt es dagegen wenig zu meckern. Das Platzangebot vorn ist ausreichend, dafür geht es im Fond für Großgewachsene etwas enger zu – die sportliche Dachlinie nimmt hier Kopffreiheit weg und versperrt die Sicht. Nicht ohne Grund dürfte daher auch eine Rückfahrkamera zu haben sein (inklusive Navi 750 Euro). Der Kofferraum des Kia Rio ist solide ausgekleidet und mit 288 Liter Volumen auf Klassenniveau. In Kombination mit den straffen, aber komfortablen Sitzen, einer übersichtlichen Mittelkonsole und gut ablesbaren Instrumenten gibt der Kia Rio den ernsthaften Rivalen für Kleinwagen aus Europa – wohlgemerkt zu niedrigeren Preisen und im Verbund mit einer Sieben-Jahres-Garantie. Bravo Rio.

Fazit

„Den beiden Benzinern fehlt es an Kraft. Dafür lockt der Rio mit frischer Optik, guter Verarbeitung und niedrigen Preisen“

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