Kia Venga im Fahrbericht: Kleinwagen + Minivan = Venga

Kia Venga

Zwischen Kleinwagen und Kompaktklasse ist bei Kia noch Platz nach oben: Obwohl er in der Höhe 1,60 Meter misst, will sich der nur für Europa entwickelte Kia Venga nicht in die Ecke biederer Vans stecken lassen.

Alles eine Frage der Proportionen: Klassische Kleinwagen sind deutlich flacher; wie ein typisches Familienauto der Vier-Meter-Klasse sieht der neue Kia aber ebenfalls nicht aus. Doch in dem Revier, wo sich sonst Vans wie der Opel Meriva oder der Citroën C3 Picasso tummeln, will sich der Venga etablieren - ohne Gefahr zu laufen, in der Schublade "vernünftig, aber langweilig" zu landen.

Der Kia Venga wird in Europa produziert

Es galt also, viel Raum für Passagiere und Gepäck möglichst ansprechend zu verpacken. Bei dieser Aufgabe musste das Team um Designchef Peter Schreyer keine Zugeständnisse an den Geschmack asiatischer oder amerikanischer Kunden machen, denn der Kia Venga wurde in und für Europa entwickelt und wird ausschließlich hier produziert und verkauft. Technisch nutzt er die Plattform des kantig-coolen Schwestermodells Kia Soul, allerdings in abgewandelter Form. Das beschert dem mit 4,07 Meter nur vier Zentimeter kürzeren KiaVenga einen längeren Radstand. Mit den gebotenen Raumverhältnissen können alle Insassen zufrieden sein, auch 1,85-Meter- Mitfahrer müssen auf der Rückbank weder Kopf noch Beine einziehen.

Bis zu 552 Liter Ladevolumen im Kia Venga

Anders als der Kia Soul (der Kia Soul im Fahrbericht) muss der Kia Venga sogar bei Variabilität und Gepäckraumgröße nicht klein beigeben. Die geteilte und längs verschiebbare Rückbank kann bis zu 130 Millimeter nach vorn rücken, ihre Lehne in der Neigung verstellt oder - ohne Ausbau der Kopfstützen - flach nach vorn geklappt werden: Fertig ist die durchgehend ebene Ladefläche. Entfällt der Zwischenboden, steigt die Höhe unter der Gepäckraumabdeckung um 163 Millimeter und das Volumen von 314 auf bis zu 552 Liter. Ebenso praktisch sind die gut nutzbaren Ablagen unter dem variablen Ladeboden, in den Türen oder der Mittelkonsole. Cockpit und Instrumente erinnern in ihrer freundlichen Aufmachung an den Kia Soul, wobei sich das Lenkrad im Kia Venga zusätzlich in der Tiefe verstellen lässt.

Für alle Kia Venga Motoren ist ein Start-Stopp-System erhältlich

Die Sitze sehen jedoch bequemer aus, als sie sind. Auch um die Übersichtlichkeit ist es nicht zum Besten bestellt. Die weit vorn angesetzten A-Säulen engen das Sichtfeld ein, die ansteigende Fensterlinie lässt das hintere Ende nur erahnen. Beim Rangieren hilft die optionale Rückfahrkamera, Parkpiepser am Heck (ab Version Spirit) gibt es ebenfalls. Nun denn: Kia Venga, was im Spanischen soviel wie "Los!" oder "Komm!" bedeutet. Lenkung und Schaltung funktionieren angenehm präzise, Komfort und Kurvenverhalten entsprechen dem Klassendurchschnitt. An der Ampel spart der Venga mit der Start-Stopp-Automatik (300 Euro) Sprit, die - ein Novum in dieser Klasse - für alle der vier angebotenen Motoren lieferbar ist.

Sechs Airbags zählen zum Basisumfang des Kia Venga

Damit soll der Verbrauch um bis zu 0,5 Liter/100 km sinken. Allerdings enttäuschen die beiden Diesel mit aufdringlicher Geräuschkulisse, der neue 1,4-Liter auch mit einem verzögerten Antritt im Drehzahlkeller. Von den Benzinern gefällt bereits der Einstiegsmotor mit guten Manieren und ordentlichem Temperament. Das trifft sich gut, schließlich ist man damit schon ab 13.990 Euro dabei. Ab der zweiten der vier Ausstattungslinien Vision (ab 15.570 Euro) sind auch Radio und Klimaanlage an Bord, ESP und sechs Airbags zählen ohnehin zum Basisumfang - genauso wie die fünfjährige Komplettgarantie und zwei weitere Jahre auf den Antrieb. In einem preissensiblen Umfeld zählt das mindestens soviel wie ausgewogene Proportionen - umso besser, wenn beides passt.

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Peter Wolkenstein

Autor:

auto motor und sport, Heft 01 / 2010

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