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Kleinwagen der 50er

Die lieben Kleinen

Bremen Classic Motorshow 2014 Foto: Bremen Classic Motorshow 19 Bilder

Kleinwagen der 50er bilden einen Schwerpunkt der kommenden Bremen Classic Motorshow. Wir trafen vier davon in Einbeck: Automobilwerk Zwickau P70 (1957), Champion Ch-2 (1949), Kleinschnittger Spezial (1954) und Messerschmitt KR 175 (1954).

30.01.2014 Malte Jürgens Powered by

Nicht nur in der großen Politik wird in Europa scharf beobachtet, was in den USA so los ist, sondern auch in der Oldtimer- Szene. Als am 15. und 16. Februar 2013 in Madison/Georgia der Hammer geschwungen und die weltgrößte Kleinwagen-Kollektion im Bruce-Weiner- Museumvon RM Auctions aufgelöst wurde, blieb die Welt der Microcars für weit mehr als nur fünf Minuten stehen. In lockerer und partyhafter Atmosphäre erzielten die Kabinenroller, die Dreiräder, die Plastik-, Blech- und Kunstleder-Mobile schlichtweg atemberaubende Zuschläge.

Rekordpreise für Kleinwagen in den USA

Ein Peel P50, kaum größer als ein fahrbarer Schlafsack, brachte da 120.000 Dollar; Isetta gingen für 40.000 oder auch knapp 90.000 Dollar über die Bühne. Und der teuerste Kleinwagen aller Zeiten kam von Messerschmitt: Der FMR Tg 500, ein Tiger von 1958, brach die monumentale Summe von 322.000 Dollar aus dem Portemonnaie des neuen Besitzers. Wenn normal gewachsene Oldies als Garagengold gelten, sind die Kleinwagen dann die Diamanten der Garagen?

Einen neuen Einblick in die Schätze eines deutschen Diamantensammlers gibt es demnächst im niedersächsischen Einbeck. Dort macht die Stiftung Kornhaus über das Projekt PS.Speicher die dort versammelten Kleinwagen und Fahrzeuge öffentlich (www.ps-speicher.de). Erste Aktion: Auf der Bremen Classic Motorshow (siehe S. 36) wird die Sonderschau über Kleinwagen der Wirtschaftswunderzeit beschickt. Sie dokumentiert den Wunsch nach freier, individueller Mobilität zu einer Zeit, als schon ein kleines Auto großer Luxus war.

Erstaunlich bleibt der bisweilen nur geringe Abstand, der die Kleinwagen einst von erwachseneren Autos preislich trennte. 1959 kostete zum Beispiel ein Standard-Käfer 3.790 Mark. Der Messerschmitt TG 500 kam auf 3.650 Mark, die Isetta 300 gab es für 2.860 Mark, ein Goggomobil TS 250 Coupé erforderte 3.610 Mark, und der Kleinschnittger F 250 C kostete bereits zu seinem Debüt 1955 nicht weniger als 3.450 Mark. Der in nur elf Exemplaren gebaute Champion Ch-2 verlangte 1949 eine Investition von 2.650 Mark.

Der Luxus des Ostens

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte das Automobilwerk Zwickau AWZ zunächst die Produktion modernisierter DKW-F8-Kleinwagen weiter, woraus dann als Limousine oder Kombi die AWZ P 70 entstanden. Bei ihnen trug ein Holzrahmen die aufgenagelten Karosserieteile aus Duroplast, womit der Weg zum Trabant bereits vorgezeichnet war.

Als Besonderheit entstanden zwischen 1957 und 1959 im VEB Karosseriewerk Dresden rund 1.500 Coupés – mit Luxus-Accessoires, die sich durchaus an westlichen Vorbildern orientierten. Es gab Kurbelfenster und eine besonders erwähnte Entriegelungder Motorhaube von innen; die 2 + 2-sitzige Karosserie wurde mit rotem Leder ausgeschlagen, quer auf der Motorhaube zog ein riesiges, glänzendes V als Zierelement die Blicke auf sich; General Motors ließ grüßen.

Der Zweizylinder mit 700 Kubikzentimetern Hubraum mobilisiert 22 PS, die mit den 875 Kilo Leergewicht allerdings schon ihre liebe Mühe haben. In den Verkaufsbroschüren wurde das P 70 Coupé angepriesen als „schnittiger Wagen mit sportlicher Note“, gerade richtig für den Jetset in den Weltstädten und die schnelle Fahrt über die Autobahn. Der Preis fiel entsprechend aus: Mit 11.700 Ost-Mark war es nichts für das Volk im Arbeiter- und Bauernstaat.

Nur 11 Champion Ch-2 wurden bei ZF gebaut

Nur 2.650 West-Mark waren dagegen 1949 für einen Champion Ch-2 zu bezahlen. Der minimalistische Zweisitzer entstand einst beim Getriebespezialisten ZF, wo nach dem Prototypen mit der Nummer Ch 1 die sozusagen zweite Serie anlief. Zwischen November 1949 und Juni 1950 wurden allerdings nicht mehr als elf Exemplare produziert, von denen vermutlich nur noch zwei existieren – der in Einbeck beheimatete Ch-2 und jener, der gerade im Weiner-Museum für 64.000 Dollar versteigert wurde.

Zum Anlassen wird kein Zündschlüssel benötigt: Ein Zug am Hebel, der neben dem Mitteltunnel liegt und an eine Handbremse erinnert, setzt den 250-cm3-Einzylinder von Triumph in Bewegung. Weil der Auspuff nur in Rudimenten vorhanden ist, kündet der Champion mit dem kräftigsten Ton des Quartetts von seiner Leistungsbereitschaft.

Zwei Erwachsene passen nur mit viel Begeisterung hinein, bei 60 km/h ist Schluss mit der sportlichen Beschleunigung; aber die zweifarbige Roadster-Karosserie mit den unübersehbaren Anklängen an die Vorkriegs-zeit trägt einen kräftigen Hauch der klassischen englischen „Open Twoseater“. Das Dreiganggetriebe stammt von Hörz in Ulm, der Zentralrohrrahmen ist mit der Stahlblechkarosserie verschweißt, und Trommelbremsen gibt es nur für die Hinterräder. Als seine Erstbesitzerin 1950 auf ihrem Bauernhof damit die erste Probefahrt machte, versenkte sie den Champion prompt im dampfenden Misthaufen. Bis auf den strengen Geruch, wird überliefert, soll der Zweisitzer aber nichts abbekommen haben.

Messerschmitt Kabinenroller im Originalzustand und Kleinschnittger-Unikat

In erster Linie durch seinen Originalzustand besticht der Messerschmitt-Kabinenroller. Seit 1954 bei insgesamt drei Besitzern, kam er nur auf Urlaubsfahrten aus dem Kreis Goslar heraus. Der Lenker erinnert noch an ein Fahrrad, das Vierganggetriebe mit Ratschenschaltung und kleinem Hebel zum Einlegen des Leerlaufs wurde nur für die Vorwärtsfahrt benutzt. Der elektrische Rückwärtsgang des Dynastarts fraß zu viele der knappen Kohlebürsten.

Der Kleinschnittger Spezial schließlich ist ein unbezahlbares Einzelstück. Firmenchef Paul Kleinschnittger ließ es 1954 in Handarbeit für Sonntagsfahrten und zu Reklamezwecken bauen, ganz im US-Stil. Der Roadster trägt eine Stahlblechkarosserie, die nicht gepresst, sondern über der Holzform geklopft wurde. Gerade Frontscheibe, Zweifarbenlackierung, hoch liegende Scheinwerfer, ein breiter Kühlergrill und lange Motorhaube waren unverzichtbar. Auf einer Autoschau in Fulda holte der Spezial damals den ersten Preis seiner Hubraumklasse; die Fuldawerke mit dem Fuldamobil gingen leer aus.

Technische Daten
Champion Ch-2
Hubraum / Motor248 cm³ / 1-Zylinder
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