Kokelnde Kurven? So wie uns der KTM X-Bow eingeheizt hat, müsste er ein Asphalt-Inferno hinterlassen haben. Doch der Blick zurück durch die Spiegel zeigt nur grau melierte Reifenspuren. Heiß gefahren bedeutet hier das körperliche Erleben von leuchtenden Wangen, dampfenden Achseln und glühenden Waden. Das reale Tempo dürfte dagegen kaum über dem eines scharf bewegten Porsche Carrera S gelegen haben. Um das Potenzial des X-Bow (X steht für Cross) auszureizen, muss man üben. Beharrlich.
Sieht wie ein Spielzeug aus, ist aber ein Rennwagen
Vollkontakt-Kampf mit den Elementen. Ohne Ohrenstöpsel droht der Hörsturz, ab 200 km/h will der Wind den Kopf abreißen, ohne Vollvisierhelm zerschießen Fliegen die Horn- und Gesichtshaut. Kein Dach gibt es, keine Frontscheibe, nicht einmal ein Windschild. Das sieht nach Spielzeug aus, ist aber ähnlich ernst zu nehmen wie ein Rennwagen.
Interessenten am 3,7 Meter kurzen Zweisitzer müssen mindestens 24 Jahre alt, wasserdicht, sturmerprobt und bereit sein, die querdynamische Fahrschule zu besuchen. Denn ohne Lehrgang liefert KTM den Kurven-Guerillero nicht aus; er ist im Preis ab 54.562 Euro inbegriffen. Dafür gibt es ein zweisitziges Renn-Kart mit Straßenzulassung. Den Frontspoiler zur Schürze aufgeplustert, die Räder kaum bedeckt, hinten und vorn verschämte Lichter sowie zur Lärmdämmung ein voluminöser Auspuff. Das nutzwertige Feigenblatt liefert KTM gleich mit - den Beifahrersitz.
Zukunftssicherung für den Motorradhersteller KTM
Zu allererst ist der X-Bow eine Zukunftssicherung für den Motorradhersteller KTM - der Businessplan für die Zeit nach dem hauseigenen Biker-Boom. Aus einem Brainstorming entsprang 2005 die erste Idee für ein hirnstürmendes Fahrzeug mit vier Rädern und Zweirad-Charakter, umgesetzt mit Hilfe des Rennwagen-Entwicklers Dallara. Zielgruppe: Schräglagen-Veteranen, Lizenzfahrer, die ein nahezu einsatzfertiges Auto suchen (ab Herbst), und Sportwagen-Puristen.






