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Lada Niva/Taiga im Test

Abschluss-Runde mit dem Russen

Lada Niva Taiga Test Modelljahr 2013 Foto: Torsten Seibt 25 Bilder

2015 geht es mit dem Lada Niva zu Ende. Wir haben den billigsten Geländewagen auf dem Markt in seiner letzten Evolutionsstufe noch einmal zum Test gebeten.

13.03.2014 Torsten Seibt Powered by

Raider heißt schon lange Twix, und der Niva nun Taiga. Wirklich umgewöhnen müssen wir uns aber nicht mehr, denn 2015 ist ohnehin Schluss mit dem Gelände-Russen auf dem EU-Markt, die dann geforderten Umwelt- und Sicherheitsnormen wird er nicht mehr erfüllen können.

Aus Niva wurde Taiga

Die Umbenennung des Lada Niva zum Taiga erfolgte bereits wegen solcher EU-Vorgaben. Mit diesem cleveren Schachzug konnte sich der deutsche Importeur des Lada Niva als Kleinserienhersteller registrieren, um uns wenigstens noch eine gewisse Zeit lang mit dem spektakulär preiswerten Geländewagen-Urgestein zu versorgen.

Dass der Lada Niva einmal die technologische Speerspitze im Geländewagenbau darstellte, haben viele längst vergessen, die den kompakten Offroader heute zum Nostalgiker verklären. Denn mit permanentem Allrad und den komfortablen Schraubenfedern fuhr er 1976 der Geländewagen-Elite davon. Dass an seinem Grundkonzept bis heute nicht gerüttelt wurde, ist ganz im Gegenteil sogar nachvollziehbar. Denn die Aufgabe, für die der Lada Niva einst entworfen wurde, beherrscht er bis heute wie kaum ein anderer Geländewagen: emotionsfreier Transport in entlegenste Landschaften, einfache Wartung und Pflege, günstiger Unterhalt.

Fahrzeuge, die in seine Fußstapfen treten wollten gab es einige, geschafft hat es letztendlich keiner, noch nicht einmal aus eigenem Hause: der 1998 als eigentliches Nachfolgemodell präsentierte Niva 2123 wird heute als Chevrolet Niva vermarktet und hat es nie auf offiziellem Wege in den „Westen“ geschafft.

Facelift zum Modelljahr 2010

Angesichts der überaus standhaften Produktionsphilosophie rieben wir uns 2009 verwundert die Augen: es gab ein Facelift für den Lada Niva! Das brachte tatsächlich leichte Karosserieretuschen (neue Blinker) und gewisse Verbesserungen bei der Technik: eine verstärkte Kupplung und neue Instrumente sind seitdem eingezogen. Außerdem wurden von innen verstellbare Außenspiegel montiert, die auch einem Tempo jenseits 100 km/h trotzen und insgesamt mehr Fläche bieten.

Es ist kein Quantensprung gegenüber früheren Lada Niva-Modellen, doch Kenner werden den Fortschritt durchaus spüren. Denn seit dem Facelift läuft der Lada Niva leiser, die Mechanik macht weniger Geräusche. Singsang aus der Getriebeeinheit und lautes rumoren aus dem Motorraum sind inzwischen Vergangenheit. So eignet sich der Lada Niva vom reinen Fahrkomfort her durchaus auch als ganz normales Alltagsauto.

Abstriche muss man bei der Bedienung machen, denn sowohl das Getriebe als auch die Lenkung sind von bemerkenswert gutlauniger Unbestimmtheit geprägt. In beiden Fällen gilt, dass der Lotse auf dem Fahrersitz die Richtung vorgibt und der Niva dieser Order im Großen und Ganzen nachkommt. Das ist auch keinerlei Problem, denn messerscharfes Handling hat noch nie jemand verlangt, der sich für einen Lada Niva entschied.

Wer zum ersten Mal in den Lada Niva einsteigt, wird etwas orientierungslos dreinblicken. Kenner des in Würde gereiften Ost-Oldies greifen jedoch zum Stick der Wegfahrsperre, nesteln dann den kleinen Bartschlüssel ins Zündschloss links des Lenkrades und starten los. Auch die Bedienung des Fahrtlichts (Hauptschalter neben der Luftverteilung, Fernlicht in einem Lenkstockhebel) geben ihnen keine Rätsel auf. Und nur Lada Niva-Neulinge outen sich mit ihrem ratlosen Blick, wenn sie versuchen den Einkauf im Kofferraum zu verstauen und (vollständig ergebnisfrei) nach einem Schloss oder Öffnungsmechanismus für die Heckklappe suchen. Der befindet sich auch weiterhin im Innenraum hinter dem Fahrersitz.

Er fährt, er bremst, das muss reichen

Bei den Fahrleistungen bleibt der Lada Niva seinen Ahnen treu, obwohl inzwischen ein leidlich moderner Euro-5-Motor unter seiner Haube wohnt. Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sind vorhanden, aber kein Grund, sich genau für dieses Auto zu entscheiden. Gleiches gilt auch für den Verbrauch des Lada Niva. Denn auch wenn inzwischen längst kein Vergasermotor mehr für Vortrieb sorgt, gibt sich das 1995 erstmals vorgestellte 1,7-Liter-Triebwerk herkunftsgemäß als außerordentlich trinkfest. Obwohl der Lada Niva mit rund 1.200 Kilo unter seinesgleichen als echtes Leichtgewicht durchgeht und auch die Aerodynamik nicht unbedingt Heldentaten von der Maschine verlangt, will der Vierzylinder gerne ein paar Gläser extra haben. Mit 9,5 Liter im Testbetrieb und einem Minimalverbrauch von rund acht Liter bei Schleichfahrt über Land lassen sich heute auch Motoren mit der dreifachen Leistung betreiben.

Im Gelände ist der Lada Taiga König

Denen setzt der Lada Niva seine Unbekümmertheit entgegen, sobald es ins Gelände geht. Nach alter Väter Sitte verfügt er über zwei Extra-Schalthebel. Der im Straßenbetrieb offene permanente Allrad lässt sich mit einem Ruck am vorderen Hebel sperren, ein kurzes „Klonk“ mit dem hinteren Hebel aktiviert die Geländeuntersetzung. Diese getrennt schaltbare Mittelsperre hat der Lada Niva bis heute dem größten Teil der Geländewagen voraus. Sie führt dazu, dass man auch in der Untersetzung ohne Verspannungen im Antriebsstrang enge, trialartige Passagen im Wald befahren kann.

Die bemerkenswert gute Verschränkung der Hinterachse lässt den Lada Niva lange alle Viere auf dem Boden behalten und macht den Verzicht auf eine hintere Sperre oder eine neumodische Traktionskontrolle damit einfacher. Für den Niva sprechen neben dem geringen Gewicht auch seine vergleichsweise hohe Bodenfreiheit und natürlich die überaus kompakten Abmessungen. Was beim Personentransport – vier Erwachsene werden nicht wirklich glücklich im Lada Niva – noch als Nachteil gesehen werden kann, verkehrt sich im Gelände ins Gegenteil. Der nur 3,7 Meter lange und 1,68 Meter schmale Lada Niva turnt unbekümmert durch Engstellen, die so ziemlich jeden anderen modernen Geländewagen schon auf Grund seiner Fettleibigkeit zur Aufgabe zwingt.

Das geringe Gewicht und die im Gelände durchaus schluckfreudige Federung erlauben es auch, den Lada Niva so einzusetzen, wie es ihm angemessen ist. Denn grobe Hindernisse, steile Berge oder tiefe Löcher muss man mit ihm stets volley nehmen. Die Kupplung wurde zwar im Zuge des Facelift verstärkt, sie meldete sich im Test bei schwerer Beanspruchung etwa an einem Steilhang dennoch mit entsprechendem Duft aus dem Unterhaus. Langsames, gefühlvolles kraxeln ist trotz Untersetzung angesichts der schütteren 129 Newtonmeter Drehmoment nicht drin.

Dass der Lada Niva im Jahr 2015 die internationale Bühne verlassen muss und dann voraussichtlich durch einen rundgelutschten Schönling ersetzt wird, macht nicht nur uns ein wenig melancholisch. Auch die Anwender, die dem Oldie nach wie vor mit hunderten Neuzulassungen jedes Jahr die Treue halten, werden ihn vermissen. Denn eine echte Alternative zum Lada Niva, noch dazu in dieser Preiskategorie, ist weit und breit nicht in Sicht. Er wird uns fehlen.

Fazit:

Für gerade einmal rund 10.000 Euro bietet der Lada Niva/Taiga überdurchschnittlich gute Geländeeigenschaften und seit dem Facelift auch eine akzeptable Alltagstauglichkeit. Seine Bedienungs-Schrullen machen ihn liebenswert, der Verbrauch ist allerdings nicht mehr zeitgemäß.

Technische Daten
Lada Niva 4x4 1.7
Grundpreis11.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3720 x 1680 x 1640 mm
KofferraumvolumenVDA263 bis 982 L
Hubraum / Motor1690 cm³ / 4-Zylinder
Leistung61 kW / 83 PS (129 Nm)
Höchstgeschwindigkeit137 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h19,0 s
Verbrauch9,5 L/100 km
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