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Lamborghini Aventador LP 700-4

Mit dem Lambo durch die Wüste

Lamborghini Aventador LP 700-4, Seitenansicht Foto: Achim Hartmann 28 Bilder

Ein Lamborghini in der Stadt – okay. Auf der Landstraße – sowieso. Rennstrecke: bestens. Ein Aventador LP 700-4 in der Wüste? Verrückt, aber einen Versuch wert. Wie weit kommt der Allrad-Supersportwagen in Dubais Dünen?

14.01.2013 Marcus Peters

In der Abendsonne steht er mitten in der Wüste und füllt die Weite mit seiner autoritären Präsenz: mattschwarz, grobschlächtig, muskulös. Scheinbar ohne Erklärung, ohne Hinweis, wer ihn hierhin gebracht hat. Ein Lamborghini Aventador LP 700-4 vor Dünen: ein Bild so grotesk unrealistisch, dass man an eine Fata Morgana glauben würde – doch es fehlt das verschleiernde Flimmern der Sinnestäuschung. Der Lamborghini ist echt, massiv, scharf.

Dass er hier steht, liegt daran, dass er es kann: auf eigenen Rädern in die Wüste fahren. Er ist sozusagen der automobile Tom Cruise, der die Mission Impossible eben doch möglich macht. Dank Allradantrieb, einem System zum Liften der Vorderachse – und natürlich viel Glück.

Der Startschuss zu dieser Story fiel auf der Rückfahrt von den Schneewänden. Damals waren wir mit einem Lamborghini Gallardo Spyder in Eistunnels unterwegs. Damals klang es einfach so dahingesagt: Die nächste abseitige Geschichte wäre ein Lamborghini Aventador LP 700-4 in der Wüste.

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Reportage Lamborghini in Dubai Ein Lambo in der Wüste
auto motor und sport 01/2013
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Lamborghini Aventador LP 700-4 in Genf 1:17 Min.

Lamborghini Aventador LP 700-4 im Wüstensand

Natürlich wirkt ein Supersportwagen vor Dünen genauso deplatziert wie ein Geländewagen auf der Rennstrecke. Doch weil sich moderne SUV vom Schlage eines Porsche Cayenne nicht an dieses Credo halten, drehen wir den Spieß einfach um.

Der Reiz liegt in der Verrücktheit und scheinbaren Unmöglichkeit des Vorhabens. Zurecht gelten Wüsten als unwirtlichste Plätze der Erde, weshalb sie mangels geteerter Straßen entweder mit Kamelen oder hochgerüsteten Gelände-Fahrzeugen durchquert werden. Um zumindest beste Traktion sicherzustellen, wählen wir den allradgetriebenen Aventador. Und weil er der wildeste sowie brutalste Mittelmotor-Zwölfzylinder unserer Zeit ist. Bei Vollgas lässt der Lamborghini Aventador LP 700-4 700 PS und 690 Nm auf die vier Räder los.

Bizarr wie ein Stealth-Bomber unter Segelflugzeugen

Realisieren können wir den Irrsinn nur, weil Familie Al Jaziri, welche die Marke in Dubai vertreibt, tatsächlich einen Vorführwagen zur Verfügung stellt. Der Lamborghini Aventador LP 700-4 kam in seinen knapp 7.000 Kilometern in Dubai sicher mit dem einen oder anderen Sandkorn in Berührung und hat auch schon die Wüste gesehen – allerdings eher von einem der Highways aus, die in eines der umliegenden Emirate wie etwa Abu Dhabi oder den Oman führen.

Zunächst pflügen wir durch den Stadtverkehr. Der ultraflache und mattschwarz lackierte Aventador wird zum Stealth-Bomber zwischen Segelflugzeugen. Tagsüber beherrschen nämlich nicht etwa die Preziosen des Geldadels den Verkehr, sondern die Brot-und-Butter-Autos der Mittelschicht. Erst nach Einbruch der Dunkelheit startet die Supersportler-Parade. Weil einzig die Auffahrten zu den Highways sowie die großen Kreisverkehre nennenswerte Querbeschleunigung ermöglichen können, erklärt sich auch, dass Sportwagen in Dubai-Stadt hauptsächlich als Imagepfleger oder Autobahn-Dragster fungieren. Aber niemals als Wüstenfahrzeug wie unser Lamborghini Aventador LP 700-4.

Die Wüste trägt, oder auch nicht

Die Dünen beginnen wenige Kilometer hinter Dubai-City. Ihre Wellenformen sind so gleichmäßig, als hätten sie Zen-Meister mit dem Rechen geharkt. Es meldet sich die Lust abzubiegen und sich in diese unwirkliche Landschaft zu stürzen. Einfach den Spuren eines Geländewagens folgen. Doch das Gefährliche hierbei ist der spontane Wechsel der Tragfähigkeit, wie eine Erkundung zu Fuß beweist: An der Basis der Düne sinken wir kaum ein, bleiben beim Erklimmen fast stecken und laufen dann auf dem Kamm nahezu wie auf Moos – aber der Sand sieht immer gleich aus. Wer die subtilen Spuren nicht lesen kann, bleibt mit dem Auto besser draußen oder schließt sich einer geführten Dünentour an.

Anfangs halten wir uns an diesen eigenen Ratschlag und kreuzen mit dem Lamborghini Aventador LP 700-4 nur mit Sand überwehte Straßen. Ein Blick in den Rückspiegel zeigt: Schon bei zulässiger Höchstgeschwindigkeit wirbelt der Aventador gehörig Staub auf und zieht eine beeindruckende Schleppe hinter sich her.

Lamborghini Aventador LP 700-4 im Land von Dromedaren und Sand

Ein Sportwagen auf einer Straße durch die Einsamkeit – einfach unwirklich. Schließlich treten automobile Publikums-Magnete dieser Art normalerweise in Metropolen oder auf Rennstrecken auf. Jetzt allerdings wirkt der Lamborghini Aventador LP 700-4 wie eine finstere Kreatur, die durch Ödland fleucht.

Einzig Dromedare geben einen Hinweis auf Leben; sie machen sich bisweilen auf der Straße breit und trotten nur widerwillig zur Seite. Das Ganze hat etwas von Mad Max-artiger Endzeitstimmung, was auch daran liegt, dass sich die Formen des Supersportlers unter dem mattschwarzen Lack kaum abzeichnen und er genauso gut ein UFO im Tiefflug sein könnte.

Die absurde Umgebung stachelt den Forscherdrang an, und wir nehmen mit dem Lamborghini Aventador LP 700-4 einen Pfad, der von der asphaltierten Straße Richtung Dünen weist. Von ihm wiederum gehen Reifenspuren ab, denen wir vorsichtig folgen. Per Knopfdruck haben wir die Front um 40 Millimeter angehoben; eine Hydraulik zwischen den Federtellern schiebt dabei die Stoßdämpfer des Pushrod-Systems auseinander. Es drückt die Räder nach unten und die Karosserie nach oben – damit sich der Aventador nicht die Nase aufschürft.

Traktion kommt vor Tempo

Die Wahrnehmung fokussiert sich auf niedriges Tempo und nicht mehr so sehr in die Ferne, wie es bei schnell gefahrenen Sportwagen üblich ist. Es wird zum essenziellen Interesse, die Traktion mit dem Lamborghini Aventador LP 700-4 zu erspüren. Einziges Indiz für drohendes Einsinken ist die ausfransende Spurhaltung, zu bemerken in der leicht werdenden Lenkung.

Bei Kriechtempo pflegt der Aventador die Störrigkeit eines Dromedars. Die Gasannahme ist etwas ruckelig, was sich beheben lässt: durch mehr Gas geben. Schon ist der Lamborghini gar nicht mehr widerspenstig, hebt seinen Bug und gleitet praktisch über die Oberfläche wie ein Tragflächenboot.

Das Ganze funktioniert so erstaunlich gut, dass die Euphorie längst die Oberhand über die Skepsis gewonnen hat. Es ist das Hochgefühl des archaischen Bezwingens der Wildnis. Sich durchschlagen, wo scheinbar kein Vorwärtskommen ist. So wie ein Erkundungstrupp auf einem fernen Planeten. Deshalb: Kommando Tiefsand für den Lamborghini Aventador LP 700-4.

Nur nicht stecken bleiben

Zuviel Mitleid mit der geschundenen Kreatur darf man jetzt nicht haben. Mit seinem Luftfilter-Einsatz aus Polypropylen ist der Lamborghini Aventador LP 700-4 immerhin bestens auf Wüsten-Temperaturen geeicht: Der Kunststoff wird eher bei Kälte spröde, hält aber Temperaturen bis 110 Grad ohne Blessuren aus. Ebensowenig ist zu befürchten, dass die heiße Luft den riesigen V12 erschöpfen wird – bei knapp 40 Grad Außentemperatur beträgt der Leistungsverlust laut Entwicklungsingenieur maximal vier Prozent.

Im Sand zählt: Entschließt man sich loszufahren, muss man es durchziehen. ESP ist abgeschaltet, um erhöhten Schlupf generieren zu können. Wir lenken nach rechts, halten auf die Düne zu, sortieren uns am Fuß ein. Der Lamborghini schlingert, wir steuern gegen. Der weiche Sand bremst, die Drehzahl sinkt. Er wird langsamer, wir geben mehr Gas. Nur nicht stecken bleiben.

Noch mehr Gas. Plötzlich fügt sich alles: Der V12 des Lamborghini Aventador LP 700-4 bellt, eine Sandfontäne steigt an den Vorderreifen hoch – bis zu 45 Prozent des Drehmoments schickt der Allradantrieb auf rutschigem Untergrund nach vorn. Und das hilft: Es geht vorwärts. Der Supersportler wühlt sich durch, quält sich, kämpft, ringt den Dünenausläufer nieder und schießt am Ende wieder heraus.

Wir bremsen, stellen den Motor ab und steigen aus. Der Staub zieht ab, gibt nun das ganze Bild frei: Ein Lamborghini Aventador LP 700-4 steht in der Abendsonne mitten in der Wüste. Mattschwarz, grotesk und unrealistisch. Nun allerdings haben Sie eine Erklärung, wie er dahin gekommen ist.

Das Emirat Dubai
Das Land liegt am Persischen Golf auf der saudi-arabischen Halbinsel und gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Außerhalb von Dubai-Stadt beginnt sehr schnell die Wüste, in der auto motor und sport mit dem Lamborghini unterwegs war. Bekannt ist die Stadt Dubai auch für ihre langen Strände.

Technische Daten
Lamborghini Aventador LP 700-4
Grundpreis321.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4780 x 2030 x 1136 mm
KofferraumvolumenVDA150 L
Hubraum / Motor6498 cm³ / 12-Zylinder
Leistung515 kW / 700 PS (690 Nm)
Höchstgeschwindigkeit350 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h2,9 s
Verbrauch16,0 L/100 km
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