Lamborghini Gallardo LP 560/4: Schall Italia

Wenn der Lamborghini LP 560/4 seine Auspuffklappen öffnet, erschallt eine zehnzylindrige Hymne auf den Verbrennungsmotor. Auch nach dem Facelift tritt der italienische Mittelmotor-Zweisitzer lautstark auf.

Sein trotziger Unterbiss deckt den Bluff auf. Fast hätte man dem Lamborghini Gallardo die neue Rolle als politisch korrekter Sendbote der Supersportler abgenommen: Er nennt sich technokratisch LP 560/4, und seine Macher streichen die Kraftstoff-Genügsamkeit heraus - minus 18 Prozent verglichen mit dem Vorgänger, dem krachledernen V10-Fanatiker. Doch dann diese Raubein-Front.

Nach dem Facelift ist der Gallardo dem rüdesten aller Lamborghini, dem Reventón, wie aus dem Gesicht geschnitten. Sein kantiger Frontspoiler macht ihn zum Unterjocher der Straße: Der Aufmerksamkeits-Absolutist akzeptiert keinen neben sich, fordert unbedingte Hingabe. Im Heckbereich dominiert die neue Eleganz der reduzierten Form. Dennoch schürt der Gallardo nach wie vor die Lust am Spektakel. Selbst geparkt lässt er die Fantasie sprudeln - in Gedanken sieht sich jeder Sportwagen-Fan ein hitziges Gefecht auf der Rennstrecke liefern.

Entwicklung unter der Haube

Der neue V10-Pulsbeschleuniger hat jetzt 5,2 statt fünf Liter Hubraum und Benzin-Direkteinspritzung, iniezione diretta stratificata genannt; damit ist er mit dem Motor des Audi S6 verwandt. Doch wenn dieser fast schon in den Begrenzer stottert, drückt der Drehzahl-Junkie Gallardo gerade sein höchstes Drehmoment von 540 Nm ab und feuert bis über 8.000/min oder 560 PS weiter - dank leichterem Ventiltrieb, Kolben, Pleueln und Schwungmasse mit weniger Gewicht, größeren Einlässen, geänderten Steuerzeiten sowie durchlassfreudigeren Fächerkrümmern und Katalysatoren.

Sein Drängen nach Drehzahl, sein Verlangen nach Vollgas - jetzt steckt noch mehr Trieb im Triebwerk. Das Drehmoment scheint verdichtet und beeindruckend gleichmäßig, bis der Vierventiler jenseits von 6.000 Touren alle Hemmungen verliert. Glücklicherweise kühlt die Trockensumpfschmierung den Pulverkopf, hörbar durch permanentes Sirren der Ölpumpe. Ein Rennwagen-Geräusch, genauso wie das Anlassen. Kurz brüllt der schwungmassenarme V10 auf, dann verharrt er im tiefen, unruhigen Leerlauf, ähnlich einem Rallyeauto der Gruppe A. 

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Marcus Peters

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