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Fahrbericht Lamborghini Huracán Spyder (2016)

Offener Supersportwagen ohne Laderhemmung

Lamborghini Huracán Spyder - Supersportwagen - V10 - Fahrbericht Foto: Lamborghini 21 Bilder

Mit dem Spyder kommt ab Frühjahr 2016 der dritte Ableger der Huracán-Baureihe auf den Markt. Der offene Supersportwagen peitscht in 3,4 Sekunden auf 100 Sachen und rennt bis zu 324 km/h - geschlossen und offen. Wir sind den V10-Mittelmotorsportler gefahren.

31.01.2016 Andreas Haupt Powered by

Es soll ja keiner glauben, dass ein Lamborghini Huracán Spyder nicht überall auf der Welt auffällt und heraussticht. Selbst in einer Stadt wie Miami, wo die visuellen und sinnlichen Ablenkungen groß sind: durch traumhafte Strände, hübsche Frauen und viele Stars und Sternchen. Und wo sie ohnehin dick-motorisierte und leistungsstarke Sportwagen gewohnt sind, wie die weit über 300 Sonnentage im Jahr.

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Fahrbericht Lamborghini Huracán Spyder (2016)
Sport Auto 03/2016
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Lamborghini Huracán Spyder mit Zylinderabschaltung

Du bist unterwegs auf einer zweispurigen Straße mit Palmen in der Fahrbahnmitte, cruist mit 30 Meilen pro Stunde (ca. 48 km/h) entlang - ja, cruisen, das kann er auch, der Lamborghini Huracán Spyder mit V10 - und plötzlich taucht neben dir ein roter Mazda 2 auf. Auf dem Beifahrersitz dreht sich eine Frau mit gelocktem schwarzem Haar zu dir, reckt den linken Daumen hoch, in der anderen Hand das Smartphone zum Filmen. Die Corvette Z06 auf dem Parkplatz: verkommt in diesem Moment zum Statisten.

Kantig, schräg, extrem sexy: Da muss man zwangsläufig hinschauen. Obwohl der Lamborghini Huracán Spyder gerade eine seiner beiden Zylinderreihen pausieren lässt, er also nicht auf krawall-gebürstet, sondern verhältnismäßig kleinlaut daher tuckert. Die Zylinderabschaltung im Teillastbereich ist ab Modelljahr 2016 serienmäßig für das Huracán Coupé und den Spyder. Das soll den CO2-Ausstoß reduzieren und den Spritverbrauch drücken. 12,3 Liter auf 100 Kilometer kippt sich der Huracán Spyder laut Lamborghini in die Brennräume.

Aber wehe, du reizt den Supersportwagen mit seinen 610 PS und 560 Nm mit einem Tritt aufs Gaspedal. Dann reagiert er blitzschnell - brüllt, donnert, kreischt, und zoomt sich das Drehzahlband hoch. Wobei reagieren eigentlich das falsche Wort ist. Es kommt einem so vor, als ob der Huracán permanent deine Gedanken ausliest, sobald du in die seitenhaltstarken Sportsitze geplumpst bist, und weiß, wann der Gasfuß schwerer wird. Der Huracán hat einfach keine Laderhemmung. "Die 1:1-Reaktion zwischen Gaspedal und Motor ist unsere DNA. Solange ein Turbo das nicht kann, wird es ihn bei uns nicht geben", sagt Lamborghini-Entwicklungschef Maurizio Reggiani.

In 17 Sekunden ist das Mützchen unten

Obwohl sie bei Lamborghini viel Wert auf die Komfort-Akustik bei geschlossenem Dach gelegt haben, dämmt das Softtop nicht alle Geräusche. Das Radio muss schon ein bisschen lauter gedreht werden, wenn man alles verstehen will. Aber viel besser: einfach das kleine Heckfenster runterfahren. Dann gibt's V10-Beats at its best.

Die Stoffmütze zieht der Lamborghini Huracán Spyder in nur 17 Sekunden ab und wieder auf - bei einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h. Verpackt wird das Mützchen in einem kompakten Fach hinter dem Cockpit. Einmal abgelegt, kann das Open-Air-Konzert beginnen. Der V10 arbeitet noch nach alter Schule. Vorverdichtet wird hier nicht. Er saugt die Luft frei an und presst sich den Sauerstoff in die zehn Brennkammern. Vor allem in den Fahrmodi Sport und Corsa (Rennen) artikuliert sich der Mittelmotor rotzig frech und ab 4.000/min bestialisch mit einem metallischen Unterton. Dagegen kann kein Turbo anstinken. Beim Zurückschalten spielt der Huracán im Fahrbericht in den genannten Modi herrliche Zwischengastöne und knallfröschelt.

Der Wind streift nur durch die Haare. Ansosten wird er von zwei abnehmbaren Schotts abgehalten. Und von den zwei Finnen, die sich bei öffnen des Dachs empor heben, und einen kleinen Luftschlitz aufweisen. Hierdurch kann die Luft sauber abflließen. Zwei Vorteile: Der Druck auf den Kopf wird reduziert und die Kühlung für den Mittelmotor optimiert.

Huracán Spyder in 3,4 Sekunden auf 100 km/h

In 3,4 Sekunden soll der Lamborghini Huracán Spyder auf 100 km/h peitschen und damit zwei Zehntel langsamer als sein Coupé-Bruder. Die 200 Sachen sprengt der offene Supersportler nach 10,2 Sekunden (Coupé: 9,9 Sek.). Zum Gallardo Spyder mit 560 PS sind das Welten. Zum Vergleich die Werte des Vorgängers: 4,0 und 13,1 Sekunden.

Die Kraft des V10 wird analog zum Coupé von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aufgenommen. Eine elektro-hydraulische Lamellenkupplung portioniert die Power an den beiden Achsen. Maximal 50 Prozent können an die Vorderachse fließen, bis zu 100 Prozent an die Hinterachse. Ein mechanisches Sperrdifferential erhöht hinten die Traktionsstärke.

Der offene Einstiegs-Lambo ist so ausgelegt, dass er sich von jedem beherrschen lässt. Im Strada-Modus schiebt er leicht über die Vorderräder. In Sport soll er das neutralste Fahrverhalten aufweisen - und die beste Rundenzeit fabrizieren können. In Corsa neigt der Spyder laut Reggiani zum Übersteuern. Leider gab die Strecke in und um Miami nicht genug für eigene Rückschlüsse her.

50 Prozent mehr Abtrieb als im Gallardo Spyder

Manuelle Schaltbefehle an den ideal-platzierten Lenkradwippen setzt das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ruckzuck um. Den besonderen Schub gibt es im Corsa-Modus: Du trittst das Gaspedal voll durch, der Lamborghini Huracán Spyder schaltet bei rund 50 km/h in den zweiten Gang zurück, dann ein kurzer Kick in den Rücken. Als ob der 610-PS-Sportwagen dir zuraunt: "Bist du da? Bist du aufmerksam."

Mit dem Wechsel vom Gallardo auf den Huracán Spyder will Lamborghini den Abtrieb des Sportwagens um 50 Prozent erhöht haben. "Der größte Schritt kommt vom flachen Unterboden", erklärt Reggiani. "Wir können dort mehr Anpressdruck erzeugen, ohne beim Luftwiderstand zu verlieren. Das Design an der Front hilft zudem, den Auftrieb zu reduzieren. Von den Diffusor-Werten sind wir mehr oder weniger gleich wie beim Gallardo."

Die Verwindungssteifigkeit konnte um 40 Prozent erhöht werden dank des Hybrid-Chassis aus Aluminium und Carbon. "Beim Gallardo Spyder hat der Innenspiegel viel stärker gewackelt. Allein daran sieht man die bessere Torsionssteifigkeit des Huracán." Der Spyder wiegt mit 1.542 Kilogramm 120 Kilo mehr als das Coupé. Grund: die Elektrik und Hydraulik für die Dachmechanik, sowie verstärkter Materialeinsatz für die Steifigkeit am Rahmen der Windschutzscheibe und am hinteren Feuerschutz. Nicht zu vergessen das Gewicht des automatisch ausfahrbaren Überrollschutzes.

Bis zu 324 km/h im Lamborghini Huracán Spyder

Die Ergonomie im Cockpit ist top. Alle Schalter und Regler sind ohne große Verrenkungen erreichbar. Kritikpunkt: Das Plastik an der Mittelkonsole und den Lüftungsdüsen hätte auch gerne mit Leder überzogen werden dürfen. Bodenwellen und Unebenheiten dringen bis zum Fahrer durch. Selbst im Strada-Modus. Aber klar: Ein Supersportwagen hat eben nun mal eine härtere Grundabstimmung. In den zwei aggressiveren Fahreinstellungen spannt der Lamborghini Huracán Spyder im Fahrbericht seine Muskeln noch stärker an. Schläge dringen beinahe ungefiltert durch. Die optionale elektromagnetische Dämpferregelung steift sich je nach Fahrmodus und Situation.

Leider ist auf den Highways rund um Miami bei 70 Meilen die Stunde - also rund 112 km/h - Schluss. Eigentlich könnte der Huracán Spyder ja bis 324 km/h auslaufen. Sowohl geschlossen als auch offen. Dafür bräuchte es aber eine Rennstrecke mit langer Gerade. Die negative Verzögerung verantworten Keramik-Carbon-Bremsscheiben mit 380x38 mm Durchmesser vorn und 356x32 mm hinten, in die sich Sechs- bzw. Vierkolben-Sättel verbeißen.

Im Stadtzentrum von Miami sind die Keramik-Carbon-Bremsen unterfordert. Weil sie keine Temperatur aufbauen können. Und sie machen ihrem Unmut Luft. Anfahren, stoppen, anfahren, stoppen: Die Bremsen quietschen. Wie die Kreide an der Tafel. Echt nervig.

Wofür der Lamborghini Huracán nichts kann: Die rote Rübe, weil du dir das Gesicht nicht gleich mit Sonnencreme eingeschmiert hast.

Technische Daten
Lamborghini Huracán LP 610-4 Spyder
Grundpreis221.995 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4459 x 1924 x 1165 mm
KofferraumvolumenVDA100 L
Hubraum / Motor5204 cm³ / 10-Zylinder
Leistung449 kW / 610 PS (560 Nm)
Höchstgeschwindigkeit325 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,2 s
Verbrauch12,5 L/100 km
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