Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Lancia Delta, BMW M3 und Mercedes 190 E 2.5-16

Junge Wilde

Foto: Uli Jooß 3 Bilder

Die Achtziger sind besser als ihr Ruf. Immerhin brachte das Kunststoffzeitalter des Automobilbaus eine Hand voll Helden hervor:BMW M3,Lancia Delta HF Integrale und Mercedes 190E 2.5-16 schufen die neue Klasse der kompakten Kraftsportler.

06.06.2008 Alf Cremers Powered by

Ihr Dresscode ist nicht ganz stilsicher, ihre Herkunft aus noblem Elternhaus wissen die drei optisch geschickt zu verbergen. Sie heißen BMW M3, Lancia Delta HF Integrale 16V und Mercedes-Benz 190 E 2.5-16. Ihre Namen klingen wie die Adelstitel von Working Class Heroes – auch das Proletariat feiert seine Helden.

Die Leute drehen sich um, schütteln den Kopf und glauben, die Achtziger Jahre seien wieder da. Passanten hören an der Ampel aus dem Becker Grand Prix Electronic des Mercedes sogar Modern Talking dröhnen: „Hieronimus Cadillac“ – fetzige Hymne aller unbeschwerten Cruiser in den Achtzigern, die aus den Lautsprechern ihrer Opel Calibra oder VW Corrado mehr herausholten als aus ihren braven Vierzylindern unter der Airbrush-verzierten Motorhaube.

Drehzahl hat gegen Drehmoment keine Chance

BMW M3, Lancia Integrale und Mercedes 2.5-16 spielten damals in einer anderen Liga, Preise von 47.200 (Lancia) bis 67.500 Mark (Mercedes) stempelten sie zu Spielzeugen von Fabrikantensöhnen. Die jungen Wilden wirken wie übermütige Internatsschüler aus gutem Hause, die nach bestandenem Abitur mal so richtig Gas geben wollen. Rund 200 PS garantieren einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Für den korrekten Heavy-Metal-Sound sorgen scharfe Doppelnockenwellen-Vierventiler mit Fächerkrümmern, schweren Duplexketten und Nenndrehzahlen nicht unter 6.500 Touren.

Nur der Lancia benimmt sich scheinbar ziviler mit soften Zahnriemen und bürgerlichem Drehzahlband. Dafür bläst ihm untenherum ein Garrett T3-Turbolader mit 1,2 bar Druck den Marsch. Dessen Trompetensolo verleiht dem leichten und kompakten Delta Integrale von 2.500 bis 5.000/min Flügel. Zwischen 60 und 120 km/h im Vierten haben die beiden anderen das Nachsehen. Das Turbo-Doping wird gnadenlos in Schub umgesetzt.

An der Tankstelle holen die anderen den Lancia wieder ein. Turbobenziner trinken eben gern. Der auf Drehzahl ausgelegte, füllungsoptimierte Saugmotor, wie wir ihn lehrbuchhaft im M3 und im 2.5-16 finden, ist dagegen ein Asket. Ihr riskanter Lebenswandel auf der Überholspur ließ die jungen Wilden schnell altern, manche lebten nach der Devise: Nur die Besten sterben jung.

Wer das Rasen am Limit überlebte, dem drohte ein hartes Schicksal als Dauerparker auf Kiesplätzen bei Wind und Wetter. Viele gingen häufig wechselnde Bekanntschaften mit jugendlichen Heizern ein. Aber Ölwechsel gab es keine, dafür Öl aus dem Baumarkt und runderneuerte Reifen. Heute sind die jungen Wilden in den Garagen der Liebhaber angekommen.

Mercedes machte den Anfang mit den Sport-Limousinen

Autokenner wissen um ihr Potenzial: Sie sind selten, technisch brillant, haben ein gutes Markenimage und ausgeprägte Motorsportgene. Das war schon immer eine brisante Mischung, die langfristig die Preise zum Explodieren bringt. Auch wenn sie das Publikum noch nicht so tief ins Herz geschlossen hat wie eine Heckflosse oder ein Schlitzaugen-Coupé, so holen sie doch auf. Verwandeln nach dem Vorbild des Audi Quattro ihr Muskelprotzgehabe in eine technische kompetente Vorreiterrolle – und jeder vergisst prompt ihre ungehobelten Manieren und ihre biedere Herkunft.

Denn alle drei sind mehrfach veredelte Ableger eines profanen Großserienzweiges. Ausgerechnet Daimler-Benz, früher weder als sportlich noch mutig bekannt, legte 1983 den Grundstein zu dieser neuen Kategorie waschechter High-Tech-Sportwagen im Limousinenkleid. Als wollten die Daimler- Ingenieure um Professor Werner Breitschwerdt und Wolfgang Peter dem Erzrivalen BMW einmal zeigen, welche Dynamik in ihrer damaligen Neuschöpfung Mercedes 190 steckt.

Dessen agiles Fahrwerk mit neukonzipierter Dämpferbein-Vorderachse und Raumlenker-Hinterachse fühlte sich von den maximal 122 PS des Baby-Benz W 201 nicht genügend gefordert. So entstand der 190 E 2.3-16. Mit 50.000 Mark war er exakt doppelt so teuer und stark wie ein Basis-190, ja sogar teurer als ein 280 S – und blieb dadurch exklusiv. Vor allem in der gediegenen Farbe Rauchsilbermetallic (als einzige Alternative gab es nur Blauschwarzmetallic) wirkte er trotz dick aufgetragenem Spoiler-Make up beinahe vornehm.

Dank der üppigen Serienausstattung, die unter anderem schwarze Teilleder-Sportsitze, ein Lederlenkrad, ein Ölthermometer, eine digitale Stoppuhr, Leichtmetallräder und eine hydropneumatische Niveauregulierung für die Hinterachse und ein Sperrdifferenzial vorsah, ging nicht alles Geld für Leistung drauf. Der britische Motorenspezialist Cosworth toupierte das schlichte Haupt des werksintern M 102 genannten Vierzylinders zur aufregenden Vierventil-Frisur.

Aus dem Langläufer, den wir noch vom behäbigen W123 kennen, wurde plötzlich ein Sprinter, der atemlose 185 PS bei 6.200/min abgab. Beim Nachfolger 2.5-16 sind es sogar 195 PS bei 6.750/min – und das bei längerem Hub. Füllung und Gaswechsel wurden beim 16-Ventiler optimiert, die Verdichtung erhöht. Der Motorraum eines Mercedes geriet nach dem Sechszylinder-Doppelnocker erneut zum Blickfang. Technische Vollkommenheit und Ästhetik sind offenbar ein verliebtes Paar.

Die Klangwertung gewinnt der Lancia

Das zeigt vor allem der schrumpflackierte und fein zum M-Power-Schriftzug zurechtgefräste Zylinderkopf des BMW M3. Der werksfrisierte Dreier ist ein Pfeil, den die Motorsport GmbH schon 1983 im Köcher hatte, aber erst drei Jahre später auf den 2.3-16 und vielleicht auch auf den Alpina C2 2.7 abschoss.

Nach dem Vorbild des großen M-Sechszylinders, der 1978 im M1 Premiere feierte und der mit konventioneller Nasssumpfschmierung 1984 im M 635 CSi einzog, entstand ein brillanter Vierventil-Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Er krönt im M3 die populäre und enorm breit gefächerte Baureihe E30, die als phlegmatisches Extrem andererseits auch einen 316 Automatik mit 90 PS offeriert.

Beide, M3 und 316, verwenden den gleichen Motorblock und die gleiche Kurbelwelle. Das zeigt, wie enorm entwicklungsfähig der seinerzeit im BMW 1500 von 1961 zur Welt gekommene M10-Motor ist. Später brachte er es aufgeladen sogar zu Formel 1-Ehren.

Die vier Einzeldrosselklappen der Bosch-Motronic- Einspritzung werten das appetitliche Vierzylinder-Ensemble noch weiter auf. Wenn dieser Bilderbuchmotor doch nur so schön klingen würde, wie er aussieht – die Gänsehaut bleibt aus.

Dürrer Sound ist auch das Manko des Mercedes. Offenbar sind Vierzylinder sogar bei bester Atemtechnik nur bedingt musikalisch, anders als Fünf- oder Sechszylinder haben sie nur ein eingeschränktes Klangspektrum. Unten herum sorgt zwar der Auspuff von M3 und 2.5-16 für einen angenehm dumpfen tiefen Klang, oben heraus fehlt es jedoch mächtig an Stimme, da schnarren beide nur noch heiser. Der humorlose Katalysator tut sein Übriges.

Technische Daten
Mercedes 190 E 2.5-16BMW M3Lancia Delta HF integrale 16v
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4430 x 1706 x 1361 mm4360 x 1675 x 1424 mm3898 x 1686 x 1365 mm
Hubraum / Motor2498 cm³ / 4-Zylinder2302 cm³ / 4-Zylinder1995 cm³ / 4-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit232 km/h240 km/h226 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    BMW 3er Limousine 2011 BMW 3er-Reihe ab 285 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    BMW 3er BMW Bei Kauf bis zu 22,17% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Neues Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Gebrauchtwagen Angebote