Land Rover Defender Cabrio: Auf geht's

Der Wunsch hartgesottener Defender-Fans geht in Erfüllung: Die Offroad-Ikone von Land Rover gibt es nun auch als echtes Cabrio, basierend auf der Softtop-Karosserie.

Ein Defender polarisiert, das liegt in der Natur der Sache. „Wenn es ein Pferd wäre, müsste man es erschießen“, sagen die einen, „Gott sei Dank, dass es so was noch gibt“, so die anderen – es kommt eben immer auf den Standpunkt an. Tatsache ist, dass sich kein Geländewagen weniger Kompromisse leistet und seiner ursprünglichen Aufgabe, dem Fahren in unwegsamen Topographien, besser gerecht wird als der Klassiker von Land Rover. Menschen, die ein Arbeitstier suchen oder einfach nur Spaß am Urwüchsigen haben, sind hier also an der richtigen Adresse. Wenige sind es offenbar nicht, denn die Lieferzeiten erreichen zurzeit bis zu zwölf Monate, wobei die Kunden nicht zuletzt den Variantenreichtum des kultigen Offroaders schätzen.

Der Defender kommt in vielerlei Gestalt, mit einer bisweilen heftig bedauerten Ausnahme freilich: Ein echtes Cabrio fehlte im Programm. Zwar gab es den Defender Softtop, aber das rustikale Gefährt mit Plane und Spriegel begeistert vorwiegend passionierte Zeltbauer – kein Problem für Pfadfinder oder die Infanterie, ungeeignet aber zum gelegentlichen Erhaschen von Sonnenstrahlen. Man kann es Verweichlichung nennen, aber nicht jeder, der Musik liebt, möchte auch seine eigenen Instrumente bauen. Wie schön deshalb, dass nun der Traum vom Openair-Vergnügen in Erfüllung geht. Die neue Defender-Spielart „Cabriolet Two“ (Two für zwei Sitze) bietet genau das, was auf der Packung steht: echten Cabrio-Komfort. Mit zwei Handgriffen kann man das Stoffdach von der Frontscheibe lösen, dann das Ganze nach hinten klappen, fertig.

Gut, die Konstruktion ist hoch und sperrig, man muss sich also etwas strecken. Und der Ordnung halber sollte der Verdeckhaufen anschließend mit einer Persenning abgedeckt werden. Aber schließlich reden wir hier immer noch von einem Defender Cabrio, nicht von einem Astra Twin Top.

Der Mühe Lohn ist eine neue Dimension des Defender-Vergnügens. An der frischen Luft auf einer Aussichtsplattform durchs Gelände zu staksen, das ist wie bergsteigen statt Bergbahn fahren. Das Erlebnis wird direkter, die Natur rückt noch näher, der Hauch von Abenteuer umweht einen noch intensiver. Da trifft es sich gut, dass man sich im Ernstfall auf einen massiven Überrollbügel verlassen kann. Das Cabrio basiert auf der Softtop- Karosserie, so dass man es mit dem Defender 90, der kürzesten Ausführung, zu tun hat. Weil das Ersatzrad hier nicht außen hängt, sondern hinter den Sitzen steht, ist das Auto gerade mal 3,7 Meter lang.

Der kompakte, aber nützliche Laderaum wird allerdings beim Offenfahren vom Faltverdeck dezimiert. Ansonsten muss zum Beladen das PVCHeckfenster nach oben gerollt und mit Laschen festgezurrt werden, aber das ist beim Softtop nicht anders. Unverändert auch die Fahrqualitäten: Der kernige Fünfzylinder-Diesel fühlt sich in der für Defender-Verhältnisse leichten Karosserie nach reichlich Drehmoment an, und wer es beim Fahren gern leise und bequem hätte, braucht gar nicht erst einzusteigen. Für eine weitere Verschärfung sorgt hier der lautstark rauschende Fahrtwind.

Am spartanischen Basiskomfort ändert auch die geradezu verschwenderische Ausstattung nichts: Im Cabrio gibt es serienmäßig sogar eine Klimaanlage, von Verwöhnrequisiten wie beheizbaren Sitzen, elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung ganz zu schweigen. Da braucht man sich über die Rechnung nicht zu wundern. 12 700 Euro Aufpreis gegenüber dem einfacheren Softtop sind fällig, insgesamt 35 100 Euro. Zuviel? Offenbar nicht für in der Wolle gefärbte Defender-Freunde – die auf 100 Exemplare limitierte Cabrio- Variante ist praktisch ausverkauft. Aber es muss nicht aller Tage Abend sein: Ein neuer Cabrio-Anlauf auf Basis des nächsten Defender-Jahrgangs (dann mit Ford-Dieselmotor) ist keineswegs ausgeschlossen.

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Wolfgang König

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