Land Rover Discovery 4: Der Geländewagen im Fahrbericht

Land Rover Discovery 4

Mit seinem neuen Dreiliter-Diesel und dem verfeinerten Allradantrieb trumpft der Land Rover Discovery 4 sowohl on- wie offroad groß auf.

Das kann doch nur ein Schottenwitz sein. Gerade noch haben uns die Land Rover-Jungs erzählt, dass Land Rover Discovery-Käufer total auf Luxus, Komfort und Stil abfahren, und jetzt schicken sie uns ins Unterholz von Roxburghe Estate - einem urwüchsigen, riesigen Herrensitz im Südosten von Edinburgh. Grobe Schlammfurchen und Erdwälle sind bereits bezwungen, Geröllhalden und 70 Zentimeter tiefe Flussbetten mit fiesen Steinen desgleichen.

Die solide Allradtechnik des Land Rover Discovery 4 weckt Vertrauen

Jetzt soll uns der noble 2,6-Tonner auch noch einen rutschigen Steilhang hinunterbringen, den wir nicht mal auf allen Vieren wagen würden. Doch 60 Jahre Erfahrung in den unwirtlichsten Regionen dieser Erde sind ein robustes Fundament für jeden Land Rover, und die solide Allradtechnik weckt auch bei Unbedarften Vertrauen. Also Geländereduktion und Fahrprogramm "Matsch" rein, Wagenniveau per Luftfederung rauf und im Getriebemodus S1 runter. Vorsichtig tastet sich der Wagen hinab in die Schlucht, während das neue, optionale Surround- Kamerasystem (1.310 Euro) dem Fahrer auf dem Navi-Bildschirm fünf bewegte Bilder vom direkten Umfeld zur Orientierung einspielt. Da selbst der Einschlag der Vorderräder im Cockpit gezeigt wird, gelingt die Abfahrt ohne Probleme oder Blessuren. Schließlich wurde der Allradantrieb namens Terrain Response für die vierte Land Rover Discovery-Generation nochmals verfeinert.

Der Land Rover Discovery 4 - TDV6 Motor leistet 600 Newtonmeter

Schon bisher ließen sich Fahrwerk und Antriebsstrang per Drehgriff auf fünf verschiedene Untergründe konditionieren, jetzt erleichtert das System zusätzlich das Anfahren auf Sand sowie die Fahrt durch felsiges Gelände. Außerdem kamen eine Berganfahrhilfe und eine Anhängerstabilisierung hinzu, die bei drohendem Schlingern die Drehmomentabgabe des Motors und so das Tempo des Zugwagens reduziert. Für standesgemäßen Vortrieb des bis zu 3,2 Tonnen schweren Land Rover Discovery sorgt nun alternativ zum bekannten 2,7-Liter- TDV6 ein bärenstarker Dreiliter-Diesel. Statt 440 wuchtet der doppelt aufgeladene Alu-Sechszylinder stramme 600 Nm bei 2.000/min auf die Kurbelwelle, die Leistung stieg von 190 auf 245 PS. Wo der kleine Motor noch etwas unschlüssig im Turboloch verweilt, baut der große in nur 500 Millisekunden 80 Prozent seines Drehmomentmaximums auf und nimmt mit Hilfe der geschmeidig schaltenden ZF-Sechsgangautomatik nachdrücklich Fahrt auf.

9,3 Liter auf 100 Kilometern verbraucht der Land Rover Discovery

Neben dem besseren Durchzug aus dem Drehzahlkeller trägt auch ein neues Common-Rail-System der dritten Generation mit Piezo-Einspritzventilen dazu bei, dass die Weltenergiereserven nicht schon beim ersten Wochenendausflug platt gemacht werden. Im EU Gesamtzyklus liegt der Verbrauch sogar fast einen Liter unter dem des 2.7 TDV6 - angesichts von Größe, Gewicht und Transportkapazität sind 9,3 L/100 km oder 243 g/km CO2 (hier geht es zum CO2-Rechner) eine reife Leistung. Zudem schafft der ebenfalls auf 180 km/h limitierte Dreiliter-Disco bereits ohne Abgas-Nachbehandlung die Euro 5-Norm.

Der Land Rover Discovery ist ein angenehmes Reiseauto

Vor allem macht er Trips mit reichlich Gepäck oder der ganzen Familie zu einer sehr entspannten Angelegenheit. Vibrationsarm und mit samtig-schmeichelndem Timbre mobilisiert er seine Reserven, während die Luftfederung die Insassen sanftmütig über Holperpisten trägt. Nur kurze Wellen oder Querfugen kommen etwas trocken durch, weil das Fahrwerk auf mehr Agilität getrimmt wurde. Tatsächlich reduzieren geänderte Achsschenkel, Stabilisatoren und Stoßdämpfer die Wankneigung in Kurven, erleichtern aber mit der neu abgestimmten Lenkung besonders das präzise Kurshalten auf schmalen, windigen Landstraßen. Gleiches gilt für die übersichtliche Karosserie in nur leicht entschärfter Kastenform und die Sitzposition ein Stockwerk über dem übrigen Verkehr, die eine Erhabenheit wie beim großen Range Rover vermittelt.

Viele teure Extras lassen den Grundpreis für den Land Rover Discovery schnell klettern

Unterstrichen wird dieser Eindruck durch das völlig neu gestaltete Interieur mit weicheren Linien und Oberflächen sowie hochwertigem Chrom-, Alu- und Holzdekor (je nach Ausstattung). Die bis zu sieben Sitze sind nun stärker konturiert, steigen jedoch wie bisher nach hinten leicht an und lassen sich umlegen oder teils ganz versenken. An Bewegungsfreiheit herrscht hier ebensowenig Mangel wie an Ablagen oder einem riesigen, glattflächigen Kofferraum (maximal 2.558 Liter). Ähnlich opulent präsentiert sich die Ausstattung des 3.0 TDV6, der aber wegen seines obligatorischen SE-Pakets 10.700 Euro mehr kostet als die 2,7- Liter-Basis. Selbst beim ledergepolsterten Topmodell HSE (59 200 Euro) kann man für Standheizung, Navigations- oder Multimediasystem schnell weitere Tausender versenken. Doch damit lässt sich dann nicht nur durchs Unterholz fahren, sondern auch zum Tee beim Duke of Roxburghe.

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Bernd Stegemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 19 / 2009

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