Lexus LF-A im Fahrbericht: Fahrdynamische Kostprobe vom Feinsten

Lexus LFA

Die Entwicklungsgeschichte des Lexus LF-A begann bereits im Jahr 2000. Jetzt ist sie abgeschlossen und endet mit einem aus Kohlefaser gebackenen, 560 PS starken High-Tech-Supersportwagen. Ein Fahrbericht mit Power.

Nun scheint der optimale Reifegrad erreicht. Tanahashi-san gewährt der Öffentlichkeit endlich eine fahrdynamische Kostprobe vom Feinsten. Nahezu zehn Jahre wuchs das gute Stück bisher heran, wurde behutsam hochgepäppelt, aufwendig verfeinert und nachhaltig perfektioniert. Und jetzt scheint Tanahashisan mit sich, seiner Mannschaft und dem Endergebnis im Reinen. Es ist ein Vorzeige-Sprössling, den der Chefentwickler da großgezogen hat.

Fahrbericht: Der Lexus LF-A ist ein Meister des Materialmix

"Getrieben von der Leidenschaft, einen Weltklasse-Supersportwagen zu bauen", so der stolze Vater. Und tatsächlich hat Tanahashisan dem Lexus LF-A nur die feinsten Gene mit auf seinen Lebensweg gegeben. Kohlefaser-Verbundwerkstoff, Aluminium, Titan, Magnesium - der makellos trainierte Zweisitzer ist ein Meister des Materialmix. Hier ist mehr weniger: Mehr technologischer Aufwand als Grundlage für weniger Gewicht. Und wenn schon Masse, dann zumindest gezielt positioniert - getreu der Maßgabe 48:52. Mit diesem Prozentsatz werden die insgesamt 1.480 Kilogramm auf die beiden Achsen verteilt. Allein das Technikpaket im futuristischen Heck des Lexus LF-A spricht Bände über den findigen Ingenieursgeist. Schließlich agiert nicht nur das elektrohydraulische Sechsganggetriebe von Achtern aus.

Die Kraft des Lexus LF-A entfaltet sich aus 4,8 Litern Hubraum

In den breiten Backen vor den schwarzen Kiemen hausen die Kühler für Öl und Wasser, und sogar die Batterie sowie der Wischwasserbehälter finden noch Unterschlupf. Verständlich, dass der Kofferraum dafür zurücksteckt. Im Lexus LF-A geht es ums Essenzielle. Form follows function, und die Funktion lautet Fahrdynamik. Was die Vermutung nährt, dass auch das Herz am rechten Fleck schlägt. Mittig zwischen den Achsen des Lexus LF-A natürlich, gleich hinter der Vorderachse pocht es. Ein Riesen-Ding, nicht nur aufgrund des groß gewachsenen Hubraums von fast fünf Litern. Die wahre Größe ist das faszinierende Ganze. Dieses harmonische Miteinander von 40 Titan-Ventilen und zehn Titan-Pleueln. Auch oder gerade weil man vom wilden Treiben des hoch verdichteten (12:1) V10-Motors zunächst während unserer Fahrt für diesen Fahrbericht wenig wahrnimmt. Mit einem Zylinderbankwinkel von 72 Grad meistert das knapp 200 Kilogramm leichte Triebwerk den Ausgleich der Massenkräfte exzellent.

Lexus LF-A im Fahrbericht: Der Lexus-V10 imitiert Formel 1-Klänge

Im Stand säuselt der in Verbindung mit Yamaha entwickelte Motor gespenstisch leise und schüchtern vor sich hin. Kein Dezibel zu viel schlüpft aus dem Endrohr-Trio. Erst ab 3.000 Touren lässt sich auf die Existenz eines Verbrennungsmotors schließen, während ab 6.000/min die Hölle hereinbricht. Greller, komprimierter und durchdringender können die vier Takte zwischen den oberen und unteren Totpunkten kaum moduliert werden. Der Lexus-V10 im Lexus LF-A imitiert Formel 1-Klänge (Formel 1 Quiz) mit einer impertinenten Dreistigkeit und dreht hoch, als wäre er von jeglicher Schwungmasse befreit. Schlagartig und schrill. 8700/min: 560 PS.

Atemberaubende Drehzahl-Hype im Lexus LFA

Im Zentraldisplay des Lexus LF-A läuft gerade großes Kino. Die Nadel des analog aufbereiteten, aber digitalen Drehzahlmessers hat noch Luft. 9.000: Das Display blinkt rot. Die Kolben schießen mit einer Geschwindigkeit von 25 m/s durch die Buchsen. 9.500: Maximum. Ein kurzer Zug am filigranen Schaltpaddel. Ein digital animierter Schleppzeiger dokumentiert für einen Wimpernschlag die rotierende Meisterleistung der Kurbelwelle Im Getriebemodus Sport feuert die Hydraulik innerhalb von 0,2 Sekunden den nächsten Gang nach. Ein Schlag durchfährt den Lexus LF-A. Und der atemberaubende Drehzahl-Hype beginnt aufs Neue. 80 km/h sind längst passé. Der elektrisch ausfahrende Heckflügel müht sich bereits um Abtrieb. Bei Tempo 200 soll der Lexus LF-A davon sogar gut 60 kg generieren, unterstützt vom flachen Unterboden inklusive Diffusor.

Der Lexus LF-A taugt auch im Alltag

Wie auch immer sich das fahrdynamische Resultat bei diesem Fahrbericht zusammensetzt, es fällt brillant aus. Direkt, was die Umsetzung der fein ansprechenden Lenkung des Lexus LF-A betrifft. Neutral, was das Verhalten am Grenzbereich anbelangt. Bissig und verlässlich bezüglich der Leistungsfähigkeit der riesigen Bremsanlage mit Karbon-Keramik- Scheiben. Oder in Zahlen ausgedrückt: 7,29 Minuten. So lautet zumindest die interne Rundenzeit auf der Nordschleife des Nürburgrings. Womit der Lexus aus sportlicher Sicht auf dem Niveau des ehrwürdigen Porsche Carrera GT rangiert. In puncto Alltagstauglichkeit ist der Lexus LF-A allerdings deutlich weiterentwickelt, weil er auch als Gran Turismo überzeugt.

Lexus LF-A: Hoher Preis, geringe Stückzahl

Im Automatikmodus des Getriebes werden die Gänge sanftmütig sortiert, und die belederten Sitze bieten trotz bestem Seitenhalt guten Komfort, konstatieren wir bei unserem Fahrbericht.  Ganz zu schweigen von der opulenten Serienausstattung und der feinen Verarbeitung im futuristisch anmutenden, aber ergonomisch überzeugenden Cockpit. Was spricht denn überhaupt gegen einen Lexus LF-A? Zunächst die geringe Stückzahl von weltweit 500 und die späte Auslieferung ab Januar 2011. Das größte Hindernis dürfte aber wohl der hohe Reifegrad des Preises sein.

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Jochen Übler

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2009

Kann es der Lexus LF-A mit der etablierten Sportwagenkonkurrenz aufnehmen?
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