Lotus Evora IPS im Fahrbericht: Überarbeiteter Mittelmotor-Sportler

Lotus Evora IPS

Bis zur großen Modelloffensive bei Lotus dauert es noch zwei Jahre - und die aktuellen Sportwagen lassen noch viel Raum für Verbesserungen. Deshalb begannen die Briten beim Evora mit der Feinarbeit. Fahrbericht der Saugmotor-Variante mit Automatikgetriebe.

Eigentlich ist es jetzt auch schon egal. Nachdem der Lotus Evora selbst in der 350 PS starken S-Version Talente beim Federungskomfort zeigte, kommt es auf ein Automatikgetriebe nicht mehr an. Tatsächlich planen die Briten die Einführung der Sechsstufenautomatik beim S, vorerst kann jedoch ausschließlich das Basismodell mit 280 PS starkem Saugmotor den Fahrer von der Schaltarbeit entbinden. Da das bislang nur wenig sportlich gelang, wurde der Antriebsstrang zum neuen Modelljahr überarbeitet - und der Rest des Mittelmotorsportwagens gleich mit.

Evora-Verarbeitung hat zugelegt

Speziell Details im Interieur des Lotus Evora zeugten bislang von einer eher lockeren Haltung gegenüber der Qualität, Sportwagenfans störten sich allerdings bei der Basisvarianten an einer ausgeprägten Rollneigung des Fahrwerks und dem öden Klang des von Toyota zugekauften 3,5-Liter-V6. Alles Tee von gestern, beteuert Lotus. Selbst an Kleinigkeiten wie stabilere, weil nun ein- statt mehrteilig ausgeführte Türdichtungen habe man gedacht. Viel offensichtlicher: Türgriffe, die erstens stabil aussehen und zweitens es auch sind. Dazu edler verarbeitetes Leder, Einstiegsleisten auf dem breiten Schweller und - bei Kunden hochpreisiger Fahrzeuge besonders beliebt - zusätzliche Individualisierungsmöglichkeiten.

Das Lotus Evora-Fahrwerk bekam S-Komponenten wie die um 15 Prozent steiferen Querlenkernbuchsen sowie die um einen halben Millimeter dickere Stabilisatoren. Zudem sortierten die Ingenieure Bites und Bytes in der Getriebe- und Motorsteuerung neu und versprechen damit schnellere Schaltzeiten sowie ein spontaneres Ansprechverhalten.

Lotus Evora bietet mehr Ohrenschmaus

Für die Ohren gibt es zweierlei: Ein neues Infotainmentsystem sowie einen klappengesteuerten Auspuff. Doch wie jede Lotus-Injektion steht vor dem täglichen Dosis-Evora das kurze Piecken des Einstichs, pardon, Einstiegs, denn der üppige Schweller verlor nicht an Fülle. Die weich gepolsterten Recaro-Schalen entschädigen sofort dafür und ermöglichen eine entspannte Sitzposition. Nur der linke Fuß baumelt mangels Parkposition planlos umher. Die Nadeln von Tacho und Drehzahlmesser huschen einmal über die Skalen, der Motor macht sich derweil sonor brummend im Leerlauf bereit. Ein Druck auf die Taste D, der Wandler stellt den Kraftfluss her und der Lotus Evora IPS rollt los.

Gekonnt rollt der 2 plus 2-Sitzer ab, verdaut selbst die äußert mäßige britischen Landstraßen ordentlich. Das Automatikgetriebe des Lotus Evora IPS hat sich unterdessen sanft, aber noch immer mit deutlichen Schaltpausen in die sechste Fahrstufe verkrümelt. Jetzt reicht’s. Sporttaste drücken, an den Schaltwippen zupfen - das aktiviert den manuellen Modus -, und Vollgas. Hörbar schorchelnd zieht sich der Sechszylinder die Luft zum Atmen, das Bypass-Ventil des Auspuffs hat längst auf Durchzug gestellt und gibt einen heißer-bassigen Soundtrack frei, der bei jedem Gangwechsel seinen Ritt über die Tonleiter von Neuem beginnt. Nur: Trotz neckischen Zwischengasstößchen beim Herunterschalten bleibt die Automatik im Lotus Evora das, wofür sie ursprünglich konzipiert wurde - ein komfortables Getriebe für schmusige Toyota-Limousinen.

Überarbeitetes Lotus Evora-Fahrwerk überzeugt

Deutlich wirksamer dagegen: die Modifikationen am Fahrwerk. Unter deutliche geringeren Karosseriebewegungen wetzt der Lotus Evora IPS über kurvige Landstraßen und begeistert dabei mit nachwievor präzisem Einlenk- und neutralem Eigenlenkverhalten. Zudem hält die gekonnte Feder-Dämpferabstimmung selbst bei fiesen Unebenheiten den Bodenkontakt aufrecht, die Hände des Fahrers bleiben also trocken.

Und ganz unter uns: Rein von der Leistung reicht das Basistriebwerk im Lotus Evora völlig aus. Es zeigt sich angemessen drehfreudig, wenngleich nicht übereifrig, und reagiert spontan auf Gaspedalbefehle. Selbst wenn das Leergewicht mit über 1,4 Tonnen nicht unbedingt sensationell niedrig ausfällt, sollte eine Zeit von 5,5 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 km/h den meisten Ansprüchen ebenso genügen, wie die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Falls nicht: Es gibt ja schließlich noch die Lotus Evora S-Variante. Deren Schaltgetriebe wurden ebenfalls modifiziert, denn nun sollen sich die Gänge tatsächlich mit einer Hand wechseln lassen. Ob der Sportwagen das Versprechen seiner Entwickler hält, lesen Sie in einer der nächsten Ausgaben von auto motor und sport.

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Jens Dralle

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