Jetzt kostenlos herunterladen

In unserer neuen auto motor und sport BOXX stellen wir die besten Tests, Reportagen und Hintergründe zu Sammlungen vor.

Völlig neu aufbereitet mit großen Bilder, tollen Videos, ausführlichen Daten. Ohne Werbung.

Probieren Sie es gleich aus!

Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Maserati 3500 mit Ford-V8

Ist das Steve McQueens Bergrenner?

Maserati 3500 GT Foto: Hardy Mutschler 10 Bilder

Dieser Maserati 3500 GT wird von einem V8 von Ford angetrieben und war somit für Fans der Marke relativ uninteressant. Nun heißt es, es könnte Steve McQueen gewesen sein, der den Sportwagen modifiziert hat, um damit Bergrennen zu fahren.

26.12.2009 Michael Schröder Powered by

Dicke Offroad-Reifen quellen aus den hinteren Radkästen: Bridgestone Dueller A/T im Format 215/80 R 15, die an dem eleganten Maserati 3500 GT so ungewöhnlich wirken wie grobschlächtige Timberland-Boots zur Abendgarderobe.

Hubraum statt Hochleistung: 5,8-Liter-V8 von Ford statt Maserati-Reihensechser

Originalitätsfans fallen bei so einem radikalen Auftritt schon mal vom Glauben ab und fragen sich, wie so etwas denn überhaupt passieren konnte. Wer vor deren Augen jetzt noch die Motorhaube öffnet, handelt mit Sicherheit grob fahrlässig.

Denn dort arbeitet anstelle des grandiosen Maserati-Reihensechszylinders mit zwei obenliegende Nockenwellen, drei Weber-Doppelvergasern und fortschrittlicher Doppelzündung ein vergleichsweise simpel gestrickter 5,8-Liter-V8 aus dem Ford-Regal. Ein Luftfilter im XXL-Format krönt dieses imposante Aggregat im Bug des Autos, das nun über etwa 270 PS verfügt. Der Leistungszuwachs von rund 50 PS dürfte Traditionalisten jedoch kaum darüber hinwegtrösten, dass irgendjemand diesem unwiderstehlich attraktiven Gran-Turismo mit dem Austausch des Triebwerks quasi gleichzeitig auch noch die Seele geraubt hat.

Dabei kann amerikanische Großserientechnik in italienischen Sportwagen durchaus harmonieren und gleichermaßen faszinieren, wie Hersteller a là Iso Grifo, De Tomaso oder Intermeccanica im Lauf der Zeit recht eindrucksvoll bewiesen haben. Sie servierten ihren Kunden in den sechziger und siebziger Jahren feine und exklusive Sportwagen mit jeder Menge US-Power von Ford oder Chevrolet. Deren Triebwerke galten im Gegensatz zu vielen hochgezüchteten italienischen Motoren zwar als altmodisch, dafür jedoch als nahezu unverwüstlich. Und wenn doch mal etwas in die Brüche ging, genügte in den meisten Fällen ein x-beliebiger Werkstattmeister anstelle eines teuren Spezialisten.

Tauschte Steve McQueen den Motor, um Bergrennen zu fahren?

Maserati war auf solch einen transatlantischen Deal bekanntermaßen nicht angewiesen. Das Unternehmen verfügte mit Gioacchino Colombo über einen begnadeten Motorenkonstrukteur im Haus, der mit dem Alu-Reihensechszylinder des 3500 GT ein eindrucksvolles Hochleistungstriebwerk entwickelt hatte: 66 PS pro Liter Hubraum - es gab nicht viele Autos, die bei der Präsentation im Jahr 1957 damit konkurrieren konnten. Sportfahrer und High Society standen Schlange, um eines der insgesamt 1975 gebauten Exemplare des aufregend schönen GTs zu erstehen.

Es erscheint daher vollkommen unverständlich, dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, einen legendären wie raren Maserati-Sechszylinder gegen einen zigtausendfach gebauten 351er- Ford mit V8-Maschine zu tauschen. Wer macht so etwas? Und warum?

Es könnte in diesem Fall der Schauspieler und Autonarr Steve McQueen gewesen sein. "Um mit dem Auto an Beschleunigungs- und Bergrennen teilzunehmen", erzählt Mechaniker-Meister Florian Mößner aus dem schwäbischen Winnenden, in dessen piekfeiner Oldtimer-Werkstatt der Wagen regelmäßig gewartet und nun für Motor Klassik abgelichtet wird (www.moessner-fahrzeugbau.de). Auf einmal betrachtet das Auge diesen Sportwagen aus einem völlig anderen Blickwinkel. Rückblick.

Keiner wollte den veränderten Maserati haben

Im Jahr 1997 ersteht Gotthold Müller, ebenfalls aus Winnenden, einen Maserati 3500 GT Superleggera, der 1961 gebaut und zwei Jahre später in den USA erstmals zugelassen wurde. Er bezahlt 25.000 Mark, weniger als die Hälfte des Betrags, der damals für ein gut erhaltenes Exemplar im Originalzustand fällig gewesen wäre. Niemand sonst interessierte sich für den roten Sportwagen mit nicht durchgängig belegter Historie, einem nachträglich eingebauten Ford-Motor unter der Haube und der ungewöhnlichen Bereifung. Karosserie und Interieur entsprechen jedoch weitestgehend dem Originalzustand. Einzig das serienmäßige Holzlenkrad ist einem kleineren Exemplar aus Aluminium gewichen.

Gotthold Müller und Sohn Uwe freunden sich rasch mit dem spurtstarken Auto an, nutzen es im Alltag auch schon mal zum Einkaufen und an den Wochenenden für Ausflüge durch den Schwäbischen Wald. "Das Vierganggetriebe war von Anfang an so übersetzt, dass der Wagen statt 235 km/h maximal nur noch Tempo 160 läuft."

Die Beschleunigungswerte seien allerdings jenseits von Gut und Böse, schwärmt Uwe Müller über den drehmomentstarken V8. Gut neun Sekunden benötigt ein serienmäßiger Maserati 3500 GT für den Standardsprint. "Unser Auto dürfte diesen in weniger als sechs Sekunden erledigen." Dass Maserati- Fans gelegentlich über ihren Wagen die Nase rümpfen, stört die beiden Schwaben nicht. Für sie steht fest: Das Auto bleibt, wie es ist.

Ein Retro Classics-Besuch 2003 ändert alles

2003 besuchen die Gottholds und Uwe Müller die Stuttgarter Oldtimer-Messe Retro Classics und parken ihren Schatz direkt vor den Messehallen. Kurz darauf werden sie von einem Besucher angesprochen, der behauptet, genau jener Ford-V8-Maserati habe einst zum Fuhrpark von Steve McQueen gehört. Auf dessen Wunsch sollen Anfang der siebziger Jahre der Ford-Motor mit 351 Cui (Cubic-Inches) sowie das kürzer übersetzte Getriebe eingebaut worden sein. Ob der Schauspieler jedoch damit jemals ein Rennen bestritten habe, sei unklar, ebenso der Verbleib des Autos. Auf einmal steht der Maserati der Müllers im Mittelpunkt des Interesses.

Ein TV-Sender dreht eine Reportage über den Sportwagen aus Winnenden mit dem vermeintlich prominenten Vorbesitzer - es melden sich Händler und Fans, die bis heute viel Geld für den Maserati bieten. Doch der Rummel lässt die Besitzer relativ kalt. "Ich bin tatsächlich kein allzu großer Steve McQueen-Fan", erklärt Gotthold Müller - und meint damit, dass der in seinen Augen unstete Lebenswandel des Filmstars irgendwie nicht ganz in sein Weltbild passt. Bullit habe er natürlich gesehen, 1970, als er bei AMG gearbeitet und die Firma einen Kinobesuch unternommen habe.

Inzwischen hat Gotthold Müller den Maserati seinem Sohn vermacht. Der denkt wie sein Vater, sieht das Auto trotz der vermutlich wertvollen Historie bis heute nicht als Spekulationsobjekt. Der Wagen gehöre längst zur Familie und sei somit absolut unverkäuflich. "Wir haben auch nie ernsthaft herauszufinden versucht, ob der GT einst wirklich ein Auto von Steve McQueen gewesen ist." Eigentlich sei ihnen dieser Umstand egal. Wer die Müllers kennt, glaubt es ihnen.

Zurück in die Werkstatt. Mechaniker Florian Mößner zündet das Triebwerk, einem Urknall gleich erwacht der V8 zum Leben. Und man wundert sich, dass die meterhohen Scheiben der Werkstatt dieser Druckwelle widerstehen. Im nächsten Moment verfällt die Maschine im Standgas in jenes unnachahmliche Grummeln, wie es nur hubraumstarke Achtzylinder hinbekommen. Originalitätsfans würde auf der Stelle der Schlag treffen.



Umfrage
Stark statt original - ist der Ford-V8 im Maserati ein Frevel?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie uns Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Gebrauchtwagen Angebote