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Maybach vs Rolls

Trägheit der Massen

BMW gegen Mercedes einmal anders: Mit dem Rolls-Royce Phantom und dem Maybach 57 treffen die beiden ultimativen Super-Luxusliner aufeinander. Ein gewichtiger Vergleich der kleinen Unterschiede.

07.03.2003

Der Eintritt ins Rolls-Royce-Gemach geschieht durch den türöffnenden Zug an der vermutlich längsten Chrom-Praline der Welt, mit dem eleganten Schwung auf die erhabene Polsterfläche des Ledersitzes und über den Einschub der Transpondertafel.

Das Antippen des Startknopfes genügt: Der V12 räuspert sich kurz und gedämpft, dann summt er kaum wahrnehmbar vor sich hin. Fast glaubt man dem Drehzahlmesser nicht, dass unter der Motorhaube nun Leben herrscht. Dezent läuft der Befehl zum Losfahren über einen schlanken Aluminium-Hebel rechts hinter dem Lenkrad. Die Sechsgang-Automatik von ZF meldet sich zur Stelle, und beim Lösen der Bremse rollt der Phantom so weich an, als würde er vorangepustet von der stolzesten Miss im Vereinigten Königreich. Schon bei 1.000/min stehen 75 Prozent des maximalen Drehmoments von 720 Newtonmetern zur Verfügung, und bei 5.350 Umdrehungen pro Minute liegen dann 460 PS an.
In nur 5,9 Sekunden (Werksangabe) sind 100 km/h erreicht, was für eine Limousine mit 2.495 Kilogramm Leergewicht ein wirklich respektabler Wert ist – die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h. Wer an dieser Stelle nach den Vergleichswerten für den Maybach sucht, findet ein Leergewicht von 2.735 Kilogramm, 550 PS bei 5.250/min und einen Drehmoment-Gipfel von 900 Nm bei 2300/min. Das Werk nennt 5,2 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

Wer beide Luxusgeschöpfe mit fest niedergehaltenem Gasfuß durchlädt, wird dezent die Unterschiede zwischen Saugmotor (Rolls-Royce) und Turbo (Maybach) verspüren. Während der Phantom sozusagen aus der Tiefe des Raums eine Spur spontaner antritt als der Maybach, braucht der einen Tick länger, um Ladedruck aufzubauen, geht dann aber noch etwas nachdrücklicher zur Sache.

Die Trägheit der großen Massen verlangt ein vorausschauendes Fahren – ein allmähliches Bremsen auf die Biegung zu, und in den Kurven zerren riesige Fliehkräfte am Maybach wie am Rolls-Royce. Der Maybach scheint ein wenig straffer ausgelegt, zeigt die etwas geringere Seitenneigung, eine vollkommenere Abstützung des Fahrers im Sitz – aber der Rolls-Royce besitzt die sportlichere Lenkung.
Was beide Automobile gravierend unterscheidet, ist das Mitfahr-Ambiente im Fond. Maybach setzt im 57 auf die klassischen Rücksitze, die beim Erreichen der Seitenwand ihr rechtwinkeliges Ende finden. Rolls-Royce hat im Gegensatz dazu um die Ecke gedacht und stattet die hinteren Eckplätze mit einer 90 Grad umlaufenden Rückenlehne aus. Dadurch entsteht ein Clubsofa-Effekt. Die hinten reisenden Rolls-Royce-Passagiere wenden sich einander in entspannter Körperhaltung zu.
Den Phantom rückte BMW mit einer Überlassungsgebühr von 371.200 Euro dicht über den Maybach 57 für 359.600 Euro. Etwa zehn Jahre lang soll der Phantom ohne wesentliche Karosserie-Änderungen gebaut werden, aber in mittelferner Zukunft ist eine Motoren-Alternative geplant. Die Leichtmetall-Limousine fährt dann wahlweise auch mit einem Diesel vor.

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Clubsofa im Rolls-Royce

Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem deutsch-deutschen und dem englischen Luxus aber liegen in der Weltanschauung. Der Maybach ist ein automobiler Pragmatiker, sachbezogen und konsequent logisch bis hinauf zum Lamellenzierstab. Er bietet seinen Luxus auf leise, aber sehr selbstbewusste Weise dar, bis zur möglichen hohen Querbeschleunigung und zum niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von 0,30.

Der Rolls-Royce Phantom kommt dem Maybach in der Fahrdynamik nahe, verkündet aber schon mit seinem Luftwiderstandsbeiwert von 0,38, dass ihm Bestwerte in solchen Messdisziplinen nicht als höchstes Gut erscheinen. Er ist der lautlose Romantiker.

Während der Maybach heimlich dazu reizt, auch mal seine Grenzen auszuloten, gemahnt das gesellschaftliche Ambiente im Rolls-Royce an die Wissenschaft vom Wohlfühlen: Die meisten Menschen empfinden Querbeschleunigungen von mehr als 0,2 g bereits als störend. Wozu also 0,8 provozieren, selbst wenn man es kann? Die Zeiten, in denen Rolls-Royce tatsächlich Rennen fuhr, sind ja lange vorbei.


Technische Daten:
Maybach 57
Rolls-Royce Phantom

Motor
V

V

Zylinder
12

12

Hubraum (cm³)
5513

6749

Leistung (kW / PS)
405 / 550

338 / 460

Drehmoment (Nm)
bei (U/min)

900
2300


720
3500


Leergewicht (kg)
2735

2495

0-100 km/h (s)
5,2

5,9

Vmax (km/h)
250

240

Verbrauch (L/100 km)
15,9

15,9

Kraftstoff
Super

Super

Grundpreis
359.600,- €

371.200,- €


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Technische Daten
Rolls-Royce PhantomMaybach 57
Grundpreis411.383 €390.201 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5834 x 1990 x 1632 mm5728 x 1980 x 1572 mm
KofferraumvolumenVDA460 L605 L
Hubraum / Motor6749 cm³ / 12-Zylinder5513 cm³ / 12-Zylinder
Leistung338 kW / 460 PS (720 Nm)405 kW / 550 PS (900 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s5,2 s
Verbrauch16,0 L/100 km15,9 L/100 km
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