Mazda 3 im Fahrbericht: Kompaktklasse auf Diät

Mazda 3

Dank reduziertem Gewicht und kräftigen Motoren will der neue Mazda 3 die Kompaktklasse mit seiner Dynamik erobern. Würde es auch für Autos einen Weight-Watchers-Preis geben, Mazda hätte ihn sich verdient.

Nachdem schon die Modelle 2 und 6 gegenüber ihren Vorgängern lästige Pfunde abspeckten, geht jetzt auch die zweite Auflage des Mazda 3 entschlackt an den Start. Dank der Verwendung hochfester Stahlsorten, die bei gleicher Stabilität dünner ausfallen können als herkömmliche Bleche, bringt der Neue mit seinem großen Kühlermaul rund 15 Kilogramm weniger als bisher auf die Waage. Klingt nach nicht viel, aber die agilitätsfördernde Gewichtsreduktion gelang den Ingenieuren trotz verbesserter Ausstattung und leichtem Längenwachstum.

Länger als der VW Golf

Doch obwohl er einen VW Golf um mehr als 25 Zentimeter überragt, kann beim ausschließlich viertürig angebotenen Mazda von üppigem Raumangebot keine Rede sein. Vor allem auf der Rückbank müssen sich Erwachsene mit dürftiger Knie- und gerade noch akzeptabler Kopffreiheit begnügen. Auch das Kofferraumvolumen liegt mit 340 Litern nur auf Klassendurchschnitt und reduziert sich bei Bestellung des Bose-Soundsystems um weitere 40 Liter. Zudem gehen die ansteigende Seitenlinie und breite Dachsäulen auf Kosten der Übersichtlichkeit. Da kann es nicht schaden, dass Mazda Spurwechsel über einen optionalen Toter-Winkel-Assistenten auf Radar-Basis sicherer machen will.

Starke Motoren mit gutem Durchzug

Auch neue Dieselmotoren leisten ihren Beitrag zu mehr Dynamik: Vor allem der 2,2-Liter-Common-Rail mit 185 PS steht unter den kompakten Fronttrieblern zur Zeit konkurrenzlos da. Wer angesichts von 400 Nm Drehmoment auf der Vorderachse haltlos scharrende Räder befürchtet, sieht sich schon nach wenigen Metern positiv überrascht: Der Neue begeistert nicht nur durch brachialen Durchzug ab 1.500/min, sondern selbst in engen Kehren mit erstaunlicher Traktion. Querdynamisch will der Mazda, der sich nach wie vor die Plattform mit dem Ford Focus teilt, Audi A3 und BMW 1er Paroli bieten. Daher verwundert es nicht, dass sich das Fahrwerk mit seiner aufwendigen Mehrlenker-Hinterachse eher einer geringen Seitenneigung als geschmeidigem Federungskomfort verpflichtet fühlt. So lassen sich Kurven zwar spurtreu und präzise durcheilen, vor allem kurze Stöße werden jedoch unverblümt durchgestellt.

Sportlicher Anspruch wird erfüllt

Zum sportlichen Anspruch von Mazdas wichtigstem Modell, auf das 30 Prozent aller Verkäufe entfallen sollen, passen die direkte, nicht zu leichtgängige Lenkung, üppig dimensionierte Sportsitze mit ordentlichem Seitenhalt sowie eine präzise klackende Sechsgang- Schaltung. Trotz seines kleinen 4,1-Zoll-Monitors überzeugt auch das neue Navigationssystem. Der hoch untergebrachte Routenführer, der Kartenmaterial von ganz Europa auf einer Wechselspeicherkarte trägt, lässt sich problemlos über Lenkradtasten bedienen und soll durch seinen maßvollen Aufpreis von rund 700 Euro eine Alternative zu den beliebten Saugnapfvarianten sein.

Zurückhaltende Kalkulation

Angesichts schwieriger wirtschaftlicher Umstände kalkuliert Mazda insgesamt zurückhaltend: So soll der bereits munter antretende 1,6-Liter mit 105 PS unter 17.000 Euro kosten. Mangels Käuferinteresse entfällt der bisherige 1,4-Liter-Basismotor. Für Dieselfans steht neben dem Top-Triebwerk eine auf 150 PS reduzierte Variante des 2,2-Liters zur Verfügung sowie der unverändert übernommene 1,6-Liter mit 109 PS. Trotz eines Aufpreises von nur 300 Euro dürfte die zwölf Zentimeter längere Stufenheck-Version auf dem deutschen Markt nur eine Nebenrolle spielen. Schon beim Vorgänger lag ihr Anteil bei unter fünf Prozent. Mehr Erfolg verspricht man sich von dem im Juli präsentierten Zweiliter-Benziner mit Direkteinspritzung und 151 PS, dessen Start-Stopp-Einrichtung besonders schnell reagieren soll. Bei dem von Mazda patentierten System startet der Motor ohne klassischen Anlasser aus eigener Kraft durch einen bloßen Zündfunken. Dies klappt freilich nur, nachdem die Kolben beim Abschalten von der Lichtmaschine auf einer Höhe angehalten wurden. Das i-Stop genannte System soll den Verbrauch um knapp zehn Prozent senken. Mit ihrem Top-Modell Mazda 3 MPS lassen sich die Japaner sogar noch bis Ende des Jahres Zeit. Wer bereits früher den Funken überspringen lassen möchte, hat jedoch die Gelegenheit dazu: Anfang März steht der 260 PS starke Sportler auf dem Auto Salon in Genf .

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 04 / 2009

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