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Mazda 626 Coupé 2.0 GLX im Fahrbericht

Nicht schön, aber selten - Mazda 626-Coupé

Mazda 626 Coupé 2.0 GLX bei Nacht - Frontansicht Foto: Hardy Mutschler 16 Bilder

Der Erfolg des Mazda 626 Coupé liegt in der Klarheit seiner Linie. Der Abschied vom Japan-Barock bescherte uns einen blassen Mittelklässler im kantigen Audi-80-Stil. Nur das Mazda 626 Coupé spielt mit dem Zeitgeist der Achtziger. Fahrbericht.

16.07.2010 Alf Cremers Powered by

Es ist bunt, eckig und anders. Ein Auto, das Kinder mögen, weil sie seine Linie schnell und einfach nachzeichnen können. Der mit Wörtern treffsichere Engländer hat dafür mal wieder den passenden Ausdruck. Er nennt das Design "boxy".

Mazda 626 Coupé - das Playmobil aus dem Fernen Osten

Die bunte Schachtel in unserem Fahrbericht heißt Mazda 626 2.0 GLX Coupé, sie ist nicht schön, aber selten. Sie könnte auch als Bausatz von Lego stammen oder von Playmobil sein - ein Auto, in dem nur noch die kantig gezeichneten Figuren als Passagiere fehlen. Das strahlende Hellblau hat etwas Spielzeughaftes, auch die bündigen orangefarbenen Blinker samt Rückleuchten könnten kleine Legosteine sein, genauso wie die Hella-Nebelscheinwerfer aus dem Autozubehör-Laden. Als hätte sie jemand unter der Stoßstange eingeclipst.

Sogar der Mazda-Schriftzug im Kühlergrill wirkt modular wie aus dem Baukasten. Die Radzierblenden in ihrer minimalistischen Art ähneln übergroßen silbernen Hosenknöpfen. Dieses Auto erinnert ein wenig an naive Malerei, scheinbar ganz ohne Glamour, Gags und große Gesten. Ein nettes Coupé mit dem reinlichen Schmutzfänger-Charme biederer Unschuld, daran ändern auch die neckischen, elektrisch betätigten Ausstellfenster nichts. Erst bei näherer Bekanntschaft wird es zum Playmobil, der unterkühlte Japaner geizt nicht mit versteckten Reizen.

Viele verspielte Details finden sich im Mazda 626 Coupé

Ein Glockenspiel warnt im Mazda 626 Coupé mit allerlei Melodien vor Fehlbedienungen und Unregelmäßigkeiten. Ein Schuhsymbol im Cockpit leuchtet als warnendes Ökonometer auf, wenn der Gasfuß zu schwer wird. Und die Leiste bunter Kontrolllampen unter den Instrumenten erinnert an das glückselige Flackern eines Rotamint-Spielautomaten kurz vor dem Hauptgewinn. Fehlt nur noch das Scheppern der Münzen.

Blau ist nicht nur die stimmungsvolle Stunde der Mazda-Fotografie, abends zwischen sechs und sieben. Blau, ein sattes, buntes Blau ist auch die Farbe von Instrumentenbrett, Lenkrad und der Ton von Lack und Polstern. Das Mazda 626 Coupé ist ganz und gar in die heitere Monochromie der achtziger Jahre getaucht. Die sogenannten Pilot-Sitze machen Laune und mächtig was her, keine Spur von Omas Wohnzimmergarnitur, sondern echt stylish, ja irgendwie schrill. Der Biedermann von einst verwandelt sich ein Vierteljahrhundert später aus Versehen in eine Ikone der Popkultur.

Heute würden wir das Playmobil vor der Disco Mazda Blue Motion nennen, so sehr liegt Schräges im Trend. Doch ein Schrägheck trug bei diesem intern GC getauften  Mazda 626 Coupé absurderweise nur die Limousine mit großer Heckklappe. Unser Coupé muss auf einen erotischen Hintern verzichten, auch auf das transparente Dekolleté des Hardtop-Vorgängers - seine beiden letzten Chancen, bei der Misswahl dabei zu sein. So bleibt es eher eine verkappte zweitürige Limousine, deren Schönheit sich der Betrachter erarbeiten muss.

Mit Scheibenbremsen hinten toppt der Mazda 626 locker einen BMW 520i

Sie kommt wieder einmal von innen, wie sich im Test zeigt. Dort wohnt ein bei einem Japaner dieser Ära nie vermuteter technischer Liebreiz. Okay, er hat soeben auf Frontantrieb und Quermotor umgestellt, der  Mazda 626 schlägt sich mit keiner trampelnden Starrachse herum und muss keinen zähen Langhuber mehr unter der Haube ertragen. Seine unabhängig federnde Hinterachse, jedes Rad von zwei Querlenkern und einem Längslenker exakt geführt, pflegt die hohe Schule, eine simple Verbundlenkerachse hätte es doch auch getan.

Scheibenbremsen hinten würde man dem Mazda 626 niemals zutrauen, damit toppt er locker einen BMW 520i. Der quertreibende Zweiliter-Motor mit obenliegender Nockenwelle, Leichtmetall-Querstromkopf und Hemi-Brennraum kann im Test begeistern. Er liegt weit über dem Niveau eines damaligen Audi 80. Sein Klang ist hell und heiser, beim Fahren summt er stets aus dem Off, erst über 4.500 Touren wird er brummig. Kein Wunder für einen hubraumstarken Vierzylinder ohne Ausgleichswellen.

Der Platz hinter dem seltsam geformten blauen Zweispeichen-Lenkrad ist gemütlich, nach japanischer Manier gibt es viele kleine Spielereien, die das Leben im Mazda 626 angenehm, aber nicht aufregend machen. Die Klaviatur der Drucktasten für Licht- und Scheibenwischer - wieder nach Audi 80-Vorbild um den Instrumententräger gruppiert -, will geübt sein.

Der Choke passt so gar nicht zu dem Mazda 626 Coupé

Ein Element jedoch passt gar nicht in die schöne neue Welt sorglosen Fahrens, die das Mazda 626 Coupé sehr glaubwürdig verkörpert. Der Choke für den Kaltstart ist ein zäher Anachronismus, den die Toyo Kogyo-Ingenieure, so heißt Mazda offiziell, bei der radikalen Frontantriebs-Schleuderwende vergessen haben. Dabei ist das Zahnriemen-Triebwerk doch sonst so fortschrittlich. Immerhin ist ein Doppel-Registervergaser für satte Füllung der vier halbkugelförmigen Brennräume zuständig.

Für politisch korrektes Abgas sorgt ein Nachbrenner im Krümmer und später dann ein nachgerüsteter ungeregelter Katalysator. Ein putziger Aufkleber unter der Heckschürze weist darauf hin.

Mazda 626 Coupé fährt sich angenehm und mühelos

Willig lässt sich das Mazda 626 Coupé im Test von leichter Hand dirigieren. Die Fünfgangschaltung fühlt sich so knackig und exakt an wie beim konventionell angetriebenen Vorgänger. Häufiges Schalten ist gar nicht mal erforderlich, obwohl es Spaß macht, denn der durchzugsstarke Motor schiebt kräftig aus dem Drehzahlkeller. Die gefühlvolle Servolenkung kostete selbst bei diesem großzügigen Japaner anfangs Aufpreis. Sonst gab es nur noch Metalliclack, Alu-Räder und ein Dreigang-Automatikgetriebe als Extras. Der Wendekreis gerät prinzipbedingt etwas ausladend, und in schnell gefahrene Kurven will das gutmütige Auto mit sanftem Druck gezwungen werden. Es untersteuert nach typischer Fronttriebler-Manier.

Wer angesichts des aufwendigen Fahrwerks eine Sänfte erwartet, wird enttäuscht. Das Mazda 626 Coupé ist kein Peugeot - es ist straff gefedert und benimmt sich im Test auf Querrillen etwas stuckerig. Trotz seiner kleinen Detailschwächen galt der 626 seinerzeit als japanischer Musterknabe, der Autotests vor Mitsubishi Galant, Toyota Carina oder Nissan Bluebird souverän bestand. Nur der Honda Accord konnte ihm Paroli bieten, doch Mazda konterte mit einer 120 PS-Einspritzvariante.

Fast alle Mazda 626 Typ GC sind verschwunden

Heute spielt das alles keine Rolle mehr, denn die Mazda 626 vom Interims-Typ GC sind trotz guter Rostvorsorge fast alle verschwunden. Überlebende wie dieses rührende Coupé gab es nur in Rentnerhand, das skurrile Flair bestimmt in Youngtimer- Kreisen den Reiz, nicht etwa Katalogwerte oder Testergebnisse. Der himmelblaue Japaner erobert die Herzen mit seiner verbrieften Unschuld.

Erst 90.000 Kilometer in 27 Jahren, verbracht mit nur zwei Vorbesitzern, ließen ihn in völlig unverbrauchtem Zustand zum Liebhaberstück reifen. Kein Mensch, auch nicht Besitzer Ulf Schlotterbeck, obwohl durchaus bekannt für seinen eigenwilligen Autogeschmack, sucht gezielt nach einem solchen Wagen.

"So ein Mazda 626 Coupé läuft einem zufällig über den Weg, ist gut, erstaunlich gut sogar, obendrein auch noch günstig und in Reichweite des H-Kennzeichens. Wenn es sich dann auch noch so angenehm fährt wie der hier, dann ist es schnell passiert. Aus einer Laune heraus, ja es stimmt, und ein bisschen Mitleid ist auch dabei." So erklärt Schlotterbeck seine Gemütslage bei einem alkoholfreien Bier an seiner Nachttanke. Das gelbe Shell-Leuchtband reflektiert im stahlblauen Lack. Er ist fast ein bisschen stolz auf seinen Mazda, dem Playmobil für verspielte Erwachsene.

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Technische Daten
Mazda 626 GLX 2.0 Coupé
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder
Höchstgeschwindigkeit179 km/h
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