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Mazda RX-7 im Fahrbericht

Wankel-Sportler aus Japan

Mazda RX-7, Seitenansicht Foto: Rossen Gargolov 15 Bilder

Im Sommer 2012 endete die Produktion des Mazda RX-8 mit Wankelmotor. Damit ging die Kreiskolben-Ära der Japaner zu Ende. Wir fuhren den Vorgänger RX-7 von 1979 und fragten uns: Kann man dem trauen?

19.04.2013 Franz-Peter Hudek Powered by

Mazda sagt mit dem RX-7 ein klares Ja zum Wankelmotor

Der Mazda RX-7 war ein glasklares Ja zum Wankelmotor. Das 1978 von Mazda präsentierte Sportcoupé gab es nämlich nur mit Wankel-Technik, während fast alle RX-7-Vorgänger luxuriös ausgestattete Sondermodelle von Standard-Baureihen waren, die auch mit Vierzylinder-Kolbenmotoren in den Handel kamen.

Eine große Ausnahme bildete der Urvater aller Mazda-Wankelautos, der Cosmo Sport von 1967. Der flache, nur in Japan angebotene Cosmo Sport wurde wie der Mazda RX-7 ausschließlich von einem Kreiskolbenmotor angetrieben und war in der Anschaffung sehr teuer. Entsprechend niedrig fielen die Stückzahlen aus; es entstanden nur 1519 Cosmo Sport, die heute weltweit als teure Sammlerobjekte gelten.

Mazda baut Pick-Ups, Busse und Lkw mit Wankelmotoren

Bis zum Erscheinen des Mazda RX-7 installierte Mazda seine Rotationskolben-Maschinen in fast alle Arten von Automobilen - auch in Pick-Ups und in kompakte, 20-sitzige Reisebusse. Den Höhepunkt bildete wohl der Mazda Roadpacer, eine 4,85 Meter lange Luxuslimousine, welche die Japaner von der australischen GM-Tochter Holden bezogen. Der von 1975 bis 1979 angebotene Roadpacer kam ohne Motor nach Japan und erhielt bei Mazda in Hiroshima einen 135 PS starken Zweischeiben-Wankelmotor, der sich mit den knapp 1,6 Tonnen Lebendgewicht des australischen Mastbullen ziemlich abmühte und dabei selten weniger als 25 Liter Sprit durch den Vierfachvergaser schlürfte.

So gesehen ist unser grasgrüner Mazda RX-7, der in Japan, Australien und den USA als Savanna RX-7 bei den Händlern stand, das gelungene Resultat eines langen Experimentierens mit verschiedenen Transportaufgaben für Wankelautos. Und es wurde ein – Sportwagen! Ein sehr hübscher, sehr schneller und sogar sehr europäischer Sportwagen, der sich von dem bisherigen chrombetonten, altbackenen US-Stil des Mazda-Designs wohltuend abhob. Die 35 Jahre seiner Existenz sieht man dem völlig chromlosen Flachschnauzer mit seinen Schlafaugen nun wirklich nicht an.

Ist der Mazda RX-7 ein Porsche 924-Klon?

Kritische Stimmen meinen, das Design des Mazda RX-7 sei dem bereits 1976 international eingeführten Porsche 924 nachempfunden, was für die Gestaltung der Frontpartie wohl stimmen mag. Aber auch der Triumph TR 7 oder Fiat X 1/9 besaßen nun mal das typische Klappscheinwerfergesicht der späten Siebziger, während das knuffige Glaskuppelheck des Mazda mehr einem Vorbild aus England nacheifert, dem TVR Vixen von 1967. Wie dem auch sei, für Mazda-Verhältnisse war das Design des Mazda RX-7 so modern und außergewöhnlich wie die exklusive Motorisierung mit einem Wankelmotor, dessen Qualitäten wir bei einer längeren Probefahrt jetzt erkunden wollen.

Zunächst beeindruckt noch heute der optisch leichtfüßigluftige Auftritt der schnörkelfrei gezeichneten Karosserie - ohne das derzeit angesagte Wellenbad mit seitlichen Sicken und Lichtkanten. Eine schwarze Gummischutzleiste genügt dem Mazda RX-7 als Flankenschmuck.

Gefühl von galaktischer Weite

Einmal hinter dem Lenkrad des Mazda RX-7 Platz genommen, setzt sich der draußen gewonnene Eindruck von Transparenz, Frische und Dynamik nahtlos fort. Dünne A-Säulen und die flach gehaltene Frontpartie erlauben einen perfekten Blick auf die Straße und einen Teil der Motorhaube. Weder das Schokoladenbraun des Plastik-Interieurs noch die bescheidene Karosseriebreite von 1,65 Meter - weniger als beim aktuellen BMW Mini - stören das Gefühl von galaktischer Weite. Und das in einem nur 1,26 Meter hohen Sportwagen. Einen wichtigen Beitrag zum überragenden Raumgefühl liefert auch die große Heck-Glaskuppel, die eine C-Säule ersetzt und das Licht von hinten wie in einen Wintergarten fluten lässt.

Zum Anfahren benötigen wir ordentlich Drehzahl; 3.000/min sollten es schon sein. Dann rollt der RX-7 dank seiner fein dosierbaren Kupplung geschmeidig an und giert sofort nach höheren Drehzahlen. Über 4.000/min arbeitet der Zweikolben-Wankel geradezu lustvoll und jagt die Drehzahlmessernadel bis auf 7.000/min.

Auspufftrompeten erinnert an einen Alfa Romeo

Ein akustisches Warnsignal, das in etwa einem Türöffnungs-Summen gleicht, erinnert den Fahrer des Mazda RX-7 daran, es mit dem Hochdrehen nicht zu übertreiben. Mechanische Geräusche sind dabei kaum zu nur ein markantes Auspuff-Trompeten, das an einen Alfa Romeo erinnert.

Das weit gestufte Fünfganggetriebe braucht für angemessenes Beschleunigen hohe Motordrehzahlen, ermöglicht aber viel Topspeed: 192 km/h. Es lässt sich außerdem flink und zielgenau schalten. Dank des griffigen Lederlenkrads und des straff abgestimmten Fahrwerks freut man sich über jede herannahende Landstraßenkurve.

Unbändige Leichtigkeit und Direktheitbeim Fahren

Mangels Servounterstützung erfordern Lenkmanöver im Stand auch bei dem 1.050 Kilo leichten Japaner einen gewissen Kraftaufwand. Ansonsten ist das Fahren im Mazda RX-7 von einer unbändigen Leichtigkeit und Direktheit geprägt, die in modernen Sportcoupés vom Schlage eine VW Scirocco oder BMW Einser Coupés (beide 1,4 Tonnen) nur mit großem technischen Aufwand erreicht wird. Dem Mazda RX-7 genügen hingegen die zielgenaue Lenkung, eine grandiose Rundumsicht und eine schraubengefederte Starrachse, die man mit dem Fahrerhintern als ESP ganz gut unter Kontrolle hält.

Das gelingt weniger gut mit dem Benzinverbrauch. Im Testbetrieb von auto motor und sport genehmigte sich der Mazda RX-7 zeitgemäße 14,6 Liter auf 100 Kilometer, was den Autor des Beitrags im Jahr 1979 nicht beunruhigte. Vielmehr lobte er den RX-7 wegen des "ziemlich zurückhaltenden" Umgangs mit dem Tankinhalt.

Auch die amerikanischen Mazda RX-7-Kunden schien der Benzinverbrauch nicht zu schocken. Sie kauften den flinken Wankel-Mazda wie besessen. Von der ersten Mazda RX-7-Generation wurden 474.565 Stück gebaut. Ein bisher unerreichter Wankel-Weltrekord. Doch der enorme Leistungs- und Preisanstieg der nachfolgenden RX-7-Generationen machten aus dem beliebten Volks-Sportler einen teuren, ständig vom Aussterben bedrohten Exoten.

Die Mazda RX-Ahnengalerie

Zeitgleich mit dem NSU Ro 80 erfolgte 1967 die Wankel-Verkaufs-Premiere bei Mazda.
Der Cosmo Sport 110 S leistete 110 PS und lief 200 km/h Spitze.

Mazda hatte in den Siebzigern mehrere Modelle mit Wankelmotor im Programm, deren Karosserien jedoch aus einer Standard-Baureihe mit Hubkolbenmotor stammten. Der erste RX tauchte 1970 als "2" auf (der Cosmo Sport war die "1"). Als Basis diente der Mazda 616, der in Japan als Capella vermarktet wurde. Ähnlich kompliziert verhielt es sich mit den RX-Nachfolgern bis zum Mazda RX-7, der eine eigene Karosserie erhielt und so an die Tradition des ersten Mazda-Wankelautos anknüpfte.

Fazit

Der RX-7 ist das erfolgreichste Wankelauto aller Zeiten. Nach einer längeren Tour kann man den Hype von damals sehr gut verstehen. Es ist nicht nur der turbinenartig hochdrehende Motor, sondern das überzeugende Gesamtpaket, das den noch heute frisch und knackig wirkenden Mazda auszeichnet: die exzellente Übersicht, das präzise Handling, der leichtfüßige Auftritt und der relativ große Innenraum, der wie ein zweisitziger Kombi wirkt. Spezialisten und eine riesige Fan-Gemeinde setzen sich dafür ein, dass die Motoren wohl ewig rotieren.

Technische Daten
Mazda RX-7
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4285 x 1675 x 1260 mm
Höchstgeschwindigkeit193 km/h
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