Wasserstoff-Antrieb im Fahrbericht: Mazda RX-8 Hydrogen und Premacy Hybrid

Mazda RX-8 Hydrogen und Premacy Hydrogen Hybrid

Mazda fährt mit dem Kreiskolben-Wankel-Motor in die Zukunft und nutzt den Kreiskolbenmotor als Einstieg in das Wasserstoff-Zeitalter. Wie fahren sich die beiden Prototypen Mazda RX-8 Hydrogen und Premacy Hydrogen Hybrid? Fahrbericht.

Wasserstoff (H2) und Kreiskolbenmotor scheinen bestens zusammenzupassen. Besser jedenfalls als H2 und Hubkolbenmotor, glauben die Mazda-Techniker und haben eine Prototypenflotte auf die Räder gestellt, die ihre These beweisen soll.

Der Mazda RX-8 Hydrogen unterscheidet sich kaum von den Serienmodellen

In Norwegen spulen derzeit zehn Mazda RX-8-Versuchsträger Kilometer zwischen Oslo und Stavanger ab, um die Alltagstauglichkeit der exotisch anmutenden Technik unter Beweis zu stellen. Äußerlich deutet nur die auffällige Beklebung auf ihren Sonderstatus hin, und auch im Interieur sind die Unterschiede marginal. Eine zweite Tankuhr für den Wasserstoff-Füllstand und ein Schalter zum Wechsel zwischen Benzin- und H2-Betrieb fallen ins Auge - das war’s dann auch schon.

100 Kilometer soll der Mazda RX-8 Hydrogen am Stück fahren

Im Motorraum sind die notwendigen Umbauten durch die Motorabdeckung kaschiert. Erst wenn diese entfernt wird, fallen die Ansaugbrücke aus Aluminium- Guss - Standard ist Kunststoff - und ein Gewirr aus zusätzlichen Leitungen ins Auge. Der größte Unterschied zur Serie ist jedoch der Tank, der den Kofferraum komplett füllt. Er fasst 105 Liter Wasserstoff bei 350 bar Druck und soll eine Reichweite von 100 Kilometern ermöglichen. Mazda hat sich gegen die Speicherung mit 700 bar entschieden, die zwar eine größere Menge Gas an Bord erlaubt, aber die Kosten für die Technik erheblich nach oben treiben würde.

61 kW Unterschied zwischen Gas- und Benzinbetrieb

Einen Benzintank gibt es zusätzlich, aber er ist lediglich fünf Liter klein, die für etwa 45 Kilometer Fahrt ausreichen sollen. Während der Fahrt lässt sich per Knopfdruck von Hydrogen- auf Benzin- Betrieb umschalten. Wer dies tut, erlebt, wie sich der Charakter der Antriebseinheit verändert. Mit Wasserstoff läuft der Wankel - nur noch 80 kW stark, Serie sind 141 kW - mit hartem, hellen Verbrennungs- Geräusch und spürbarem Ruckeln im Schiebebetrieb, aber gleichmäßiger Leistungsentfaltung und, typisch Wankel, ohne Vibrationen. Nach dem Umschalten auf Benzin verschwinden die metallische Kopfnote und das Ruckeln aus der Geräuschkulisse. Der verhaltene Leistungseindruck bleibt jedoch gleich, weil den Technikern daran gelegen ist, dass der Fahrer den Mazda RX-8 Hydrogen nicht zunächst als Mr. Hyde und nach dem mschalten auf Benzin als Dr. Jekyll erlebt. Denn mit Benzin ließe sich eine deutlich höhere Leistung erzielen.

Wenig Tankmöglichkeiten für den Mazda RX-8 Hydrogen

Auch an der Zapfsäule gibt es erwartungsgemäß Unterschiede. Das gasförmige H2 fließt durch eine Pistole, die an das Pendant der CNG-Zapfsäulen erinnert. Wasserstoff-Novizen kommen damit ohne Probleme klar, wobei Zapfsäulen auch in Norwegen dünn gesät sind. Fünf Stück gibt es momentan, und zwei bis drei weitere sollen in naher Zukunft eröffnet werden. An denen werden auch eine Handvoll Prototypen auf Basis des Kompaktvans Mazda Premacy - in Deutschland als Mazda 5 im Programm - betankt, deren Antrieb jenen der Mazda RX-8 Hydrogen-Modelle bei Weitem in den Schatten stellt. Denn im Mazda Premacy Hydrogen RE Hybrid haben die Mazda-Techniker den Wasserstoff- Wankelmotor mit einem Elektromotor und einer Lithium-Ionen-Batterie zum Hybriden kombiniert.

Im Mazda-Van mussten zwei Sitze weichen

Mit der Kraft der zwei Herzen sprintet der nun fünfsitzige Mazda-Van - zwei Sitzplätze wurden dem 105-Liter-Hydrogentank geopfert - zügig aus den Startblöcken, wenn das Fahrpedal kräftig durchgetreten wird. Bei verhaltenem Gasgeben fährt der Hybridvan dagegen elektrisch an. Eine Taste, mit der sich der elektrische Betrieb vorwählen lässt, ist jedoch nicht an Bord: Die Mazda-Techniker sehen derzeit keinen Sinn darin, diesen Hybrid auf Wunsch als reines E-Auto betreiben zu können. Dabei wird die Vernunft von diesem Prototypen ohnehin auf eine harte Probe gestellt, denn sein Gesamtwirkungsgrad ist extrem niedrig - vor allem angesichts des komplexen Verfahrens: Mit hohem Energieaufwand wird Wasserstoff hergestellt, der dann in einem Motor verbrennt, um mittels Bewegungsenergie elektrischen Strom zu erzeugen, der wiederum in Bewegungsenergie zum Vortrieb umgewandelt wird.

Reines E-Auto oder Wasserstoff-Hybrid?

Das zeigt, dass ein Wasserstoff-Hybrid eher eine ingeniöse Fingerübung darstellt als eine zukunftsträchtige Möglichkeit für individuelle Mobilität. Dabei wäre es viel sinnvoller, gleich ein reines E-Auto auf die Räder zu stellen und auf den Umweg über den Wasserstoff- Hybriden zu verzichten. 

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Christian Bangemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 16 / 2009

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