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McLaren MP4-12C Fahrbericht

Die neue Sportwagen-Waffe

McLaren MP4-12C, Flügeltüren Foto: McLaren 28 Bilder

Mit dem McLaren MP4-12C, einem 600 PS starken Sportwagen, stellt sich McLaren-Chef Ron Dennis der Konkurrenz von Ferrari und Co. nun auch auf der Straße. Ein starker Aufschlag, wie der Erstkontakt zeigt.

06.07.2011 Jochen Übler

Ohne Vorspiel geht zunächst gar nichts. Als Auftakt zum Tête-à-Tête fordert der McLaren MP4-12C wenigstens eine zärtliche Streicheleinheit unterhalb der Türsicke. Erst dann wird die Pforte elektrisch entsichert, schwingt lasziv nach oben. Herkömmliche Türgriffe hat der Windkanal verschluckt, in dem der 1,2 Meter flache Brite viel Entwicklungszeit verbrachte.

In der sterilen Manufaktur in Woking, Brutstätte für Formel 1-Siege, wurden dem McLaren MP4-12C die kleinsten Fältchen geglättet. Technisch perfekt ausgeführt, qualitativ über Zweifel erhaben, entstand ein aalglatter Typ, der das Zeug dazu hat, sich flügellos bei Tempo 240 mit 180 Kilogramm Abtrieb auf die Straße zu pressen.

Sittsamer Biturbo-V8 und perfekt geschneiderter Innenraum

Rechnerisch sowie bei den Simulator-Runden sei der MP4-12C schon das „Best Car in Class“, wie sie bei McLaren erzählen. Mit seinen hüfthohen Endrohren soll der 12C auch in natura Lamborghini Gallardo, Porsche Turbo S oder Ferrari 458 Italia den fahrdynamischen Marsch blasen – obwohl er akustisch zunächst tiefstapelt.

Knopfdruck, Zündung: Ein kurzer, heiserer Aufschrei, dann hüllt sich der 3,8 Liter große Biturbo-V8 des McLaren MP4-12C in ein wohlig warmes Schnurren. Um Nackenhaarflattern kümmert sich der selbstkonstruierte, 200 kg schwere und bei Zulieferer Ricardo gebaute Achtzylinder nur auf ausdrücklichen Wunsch. Grundsätzlich bleibt er sittsam.  Zunächst reizt der piekfein verarbeitete, perfekt geschneiderte Innenraum mit gut konturierten, bequemen Sitzen die Sinne.

McLaren MP4-12C  vermittelt viel Vertrauen

Mit einem Mix aus Kohlefaser und feinem Leder umspannen das futuristische Cockpit und das 75 Kilogramm leichte, extrem steife Kohlefaser-Monocoque des McLaren MP4-12C den Piloten. Der aktiviert den Automatikmodus des Doppelkupplungsgetriebes, touchiert angesichts der 600 PS zunächst ehrfürchtig das Alu-Pedal. Und dann setzt sich MP4-12C doch tatsächlich belanglos wie ein simpler VW Golf in Bewegung. Seine sieben Gänge schweben so elegant ineinander wie Kate Winslet über den roten Teppich. Sensibel tastet ProActive Chassis Control den Fahrbahnzustand ab. Zumindest im Normalmodus geht das elektronische Fahrwerk als langstreckentauglich durch.

Die Lenkung stimmt mit ein: Sie bringt Ruhe und Gelassenheit ins Fahren, gibt sich verbindlich, nie übertrieben spitz. Vom ersten Meter an vermittelt der McLaren MP4-12C viel Vertrauen. Und gerade diese vordergründig harmlose Art ist es, die danach schreit, den mit 42,5 zu 57,5 Prozent hecklastig austarierten Mittelmotorsportler endlich aus der Reserve zu locken.

Boxenampel schaltet auf Grün – ab auf die Rennstrecke

Die Boxenampel auf dem Rennkurs von Portimao springt auf Grün. Die zwei Drehregler auf der filigranen Mittelkonsole des McLaren MP4-12C rasten über Sport in den Track-Mode. Einer sorgt für die heftige Straffung des Fahrwerks. Der zweite hängt den V8 noch direkter ans Gaspedal, schärft die Schaltgeschwindigkeit und komponiert ein Klangerlebnis in den Innenraum, das mehr als nur die Nackenhaare in Wallung bringt.

Ab 4.000 Umdrehungen zürnt der mit maximal 1,2 bar aufgeladene V8 des McLaren MP4-12C nun aus tiefer Kehle. Schon 1.000 Touren vorher verdichtet sich das Drehmoment zu mächtigen 600 Newtonmetern, wirft sich mit Macht auf die flache Kurbelwelle, lässt erst jenseits der 7.000/min wieder von ihr ab.

Karbon-Stopper und Luftbremse sorgen im MP4-12C für Verzögerung

Entfesselt und entschlossen stürmt der extrem tief platzierte V8 noch über 8.000 Touren hinaus. Erst im lang übersetzten siebten Gang ebbt der ununterbrochene Schub im McLaren MP4-12C dann doch ab, wenn dem trotz seiner Gewalt harmonischen Antritt nicht schon von der brachialen Verzögerung eine Ende bereitet wurde. Die optionalen Karbon-Bremsen packen garstig zu, stauchen die 1.434 Kilogramm humorlos zusammen. Zur Unterstützung surrt am Heck die Luftbremse nach oben, drückt beruhigend auf das beim Anbremsen leicht nervöse Hinterteil.
 
Beim Einlenken sticht der traktionsstarke Hecktriebler wiederum stoisch ruhig und messerscharf in Richtung Scheitelpunkt, dribbelt leichtfüßig ums Eck wie Wayne Rooney um eine Kreisliga-Abwehr. Der McLaren MP4-12C spielt in der Champions League des Grenzbereichs, pflegt dabei das neutrale Fahrverhalten wie die Briten die Teatime. Für die überzeugende Dynamik bricht er mit Traditionen: Kein herkömmliches Sperrdifferenzial regelt die Traktion. Hauchzarte, elektronisch gesteuerte Streicheleinheiten an den hinteren Bremsen bringen die 200.000-Euro-Flunder in Handling-Stimmung.  

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Technische Daten
McLaren MP4-12C
Grundpreis208.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4509 x 1908 x 1199 mm
KofferraumvolumenVDA144 L
Hubraum / Motor3799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung460 kW / 625 PS (600 Nm)
Höchstgeschwindigkeit333 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,1 s
Verbrauch11,7 L/100 km
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