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McLaren MP4-12C Spider im Fahrbericht

V8-Lordschaft hebt die Kohlefaser-Krone

McLaren MP4-12C Spider, Frontansicht Foto: Hersteller 51 Bilder

Als Spider kann der McLaren MP4-12C sowohl als auch: offen, geschlossen – Cabrio oder Coupé. Wohl dem, der sich mit derartigen Luxusproblemen auseinandersetzen kann oder der ganz einfach die 22.950 Euro Aufpreis investiert und damit beides auf einmal hat.

06.11.2012 Jochen Übler

Das für den McLaren MP4-12C Spider bei Webasto gefertigte zweiteilige Hardtop aus Kohlefaser steht dem größtenteils aus Carbon gebackenen Zweisitzer so perfekt wie ein britisches Tweedsakko. Innerhalb von 17 Sekunden streift er es ab, sogar bei bis zu 30 km/h, und faltet es fein säuberlich in den ansonsten 52 Liter fassenden Zusatzstauraum – Klappe zu.

Zwischen den beiden markanten Finnen hinter den Sitzen schnurrt der 3,8 Liter große Achtzylinder des McLaren MP4-12C Spider entspannt vor sich hin, dem ein Update der Steuerelektronik zum neuen Modelljahr 625 anstatt der bislang 600 PS entlockt. Am ausreichenden Sitzraum sowie an der stützenden Kontur der komfortablen Sitze selbst hat sich im Spider ebenso wenig geändert wie an der tadellosen Verarbeitung insgesamt.

McLaren MP4-12C Spider spurtstark wie das Coupé

Ruhen die beiden Drehregler auf der Mittelkonsole, die Fahrwerk beziehungsweise Getriebestrategie beeinflussen, in Stellung normal, gibt der McLaren MP4-12C Spider sogar den Gentleman. Nie nervös, giftig oder scheinbar latent auf der Flucht, schnürt der Spider entspannt über Land. Seine Adaptivdämpfer schlucken auch kurze Wellen so locker wie durstige Kehlen ihr Pint. Im weiter verfeinerten Doppelkupplungsgetriebe fließen die sieben Gänge fast so schön ineinander wie Guinness vom Zapfhahn ins Glas. Der Fahrtwind stürmt energisch in den Innenraum, der MP4-12C Spider druckvoll dahin – was subjektiv sogar deutlich langsamer wirkt, als es objektiv tatsächlich ist.

Mit neun zu 8,8 Sekunden auf Tempo 200 steht er dem Spurtvermögen des McLaren MP4-12C Spider kaum nach, weil er auch nur 40 Kilogramm mehr wiegt als sein geschlossenes Pendant. Und die gehen allein auf das Konto des Daches und des dazugehörigen Mechanismus. Zusätzlich versteifende Elemente hat der Offene nicht nötig, da der MP4-12C schon im Ursprung als Cabrio gedacht war.

Überhaupt wirkt die Struktur des McLaren MP4-12C Spider so massiv wie die Burg von Nottingham. Torsion kennt der Supersportwagen nicht mal vom Hörensagen. Er windet sich höchstens um Kurven, und das in einer äußerst beeindruckenden Art. Am extremsten gelingt das, wenn man die beiden Drehregler von Normal über Sport nach Track klickt. Dann straffen die Stoßdämpfer ihr Innenleben deutlich, lockert das ESP etwas mehr die Zügel und fügt das Getriebe die emotionale Komponente beim Spiel mit den Schaltwippen hinzu.

McLaren MP4-12C Spider – ein exakter Typ

Ein Klick, ein Ruck, ein höherer Gang – alles zusammen ein fein geschlossener, blitzschneller Ablauf, ebenso wie die Verschmelzung von Klicken und Zwischengasfeuer beim Zurückschalten beispielsweise vor Kurven. Überhaupt: Kurven – das Leibgericht des McLaren MP4-12C Spider, das er mit Inbrunst verspeist. Die kleinen Langsamen verschluckt er etwas widerwillig untersteuernd, die großen Schnellen genießt er mit Heißhunger und mit einem ausgeglichenen Fahrverhalten. Die Zutaten? Neben dem guten Fahrwerks-Setup eine exakte Lenkung, die weder fad noch übertrieben spitz agiert, sondern die Direktheit und das exakte Feedback bietet, das man von einem Sportler dieses Kalibers erwartet. Und der dank einer ausgeklügelten Elektronik seine Hinterachse so im Zaum hält, dass die gewaltigen Kräfte nicht in Rauch, sondern in Vortrieb enden.

Unter 3.000 Umdrehungen gemütliche Tea-Time

Wobei – unter 3.000 Umdrehungen agiert Eure V8-Lordschaft so gemütlich, als hielten die acht Kolben ein Stelldichein zur tea time. Aber dann – dann reißt das bei Ricardo gefertigte Triebwerk des McLaren MP4-12C Spider brachial an, hängt für einen Biturbo-Motor sensibel am Gas und dreht sich über 8.000/min fast die Ventile aus dem Leib.

Nur klanglich fehlt ihm trotz künstlichem Soundcomposer immer noch die große Note. Am beeindruckendsten zupft das V8-Knurren und Abblaszwitschern des Ladedrucks am Ohr, wenn das Dach wieder drauf und die kleine Heckscheibe unten ist. Aber dieses Spiel beherrscht ausschließlich der McLaren MP4-12C Spider, der dem Coupé dann auch mit über 70 Prozent den Rang ablaufen soll.

Technische Daten
McLaren MP4-12C Spider
Grundpreis231.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4509 x 1908 x 1203 mm
Hubraum / Motor3799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung460 kW / 625 PS (600 Nm)
Höchstgeschwindigkeit330 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,3 s
Verbrauch11,7 L/100 km
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