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Mercedes-Benz 230 CE

Das Mittelklasse-Coupé im Fahrbericht

Foto: Hardy Mutschler 14 Bilder

Gut zwei Jahre nach der Limousine servierte Daimler-Benz das Mittelklasse-Coupé wie ein exquisites Dessert. Chef-Designer Bruno Sacco schuf einen Wagen, der in seiner anmutigen Erscheinung auf SEC-Niveau liegt.   

28.04.2009 Alf Cremers Powered by

Es duftet intensiv nach Leder, selbst 20 Jahre nach der Auslieferung. Schon beim Einsteigen spürt man, der Wagen hatte es gut. Nur etwas mehr als 90.000 Kilometer zeigt der Tacho, sein Zeiger ist Tieforange, und nicht so verblichen Gelb wie bei fast allen gebrauchten Mercedes aus dieser Zeit. Sein Vorbesitzer war Jahrgang 1916, nie fuhr er das rauchsilberne Coupé im Winter, alle Kundendienste ließ er penibel bei einer Mercedes- Benz-Vertragswerkstatt ausführen. Ein paar Gebrauchsspuren hat es trotzdem, es ist kein Jahreswagen mehr. Es hat eine Geschichte, es lebt, es fährt. Wer genau hinsieht, entdeckt ein paar Falten im tiefschwarzen Leder des Fahrersitzes. Ein paar feine Kratzer legen sich auf das polierte Zebrano-Holz rund um den ledernen Schalthebelsack.
 
Serviert werden viele kleine aber teure Extras
 
Ende 1988, in der Zeit des Kaufs, ist es die bescheidene Alternative der eleganten Coupé-Reihe, nur ein 230 CE statt des souveränen Sechszylinders 300 CE. Ein Jahr später hätte ihm die erste Modellpflege mehr Holz im Interieur beschert und außen ein bisschen Chrom. In den Augen vieler Mercedes- Fans, die ein Auto sehr ausstattungsfixiert wahrnehmen, ist dieses Coupé ein ungewöhnlicher Wagen von leisem Understatement. Serviert wird eine seltsame Mischung vieler kleiner, aber teurer Extras, garniert von Rauchsilber, einem ebenso modischen wie konservativen Farbton der 80er-Jahre. Sein Neupreis lag immerhin bei 67.000 Mark, dafür hätte man längst einen 300 CE ordern können. Nach dem satten Schließen der imposanten Fahrertür, die ohne Scheibenrahmen auskommt, dient sich der geniale Gurtbringer mit freundlichem Surren an.

Detailperfektion sei Dank
 
Hohe Detailperfektion in scheinbar nebensächlichen Dingen war damals die große Stärke der Mercedes-Ingenieure. Denn Hardtop- Coupés ohne B-Fensterpfosten erlauben nur eine unbequeme und meist unsichere Gurtführung. Satte 9.000 Mark Aufpreis zahlte der Coupé-Liebhaber für mehr stilistische Eleganz und 9,5 Zentimeter weniger Radstand. Bis auf die Gurtbringer und die hübsch gestaltete Einzelsitzausformung im Fond gibt sich das Coupé keineswegs opulenter als die Limousine. Es herrscht der Eindruck gediegener Funktionalität, den man in einem 200 D nicht anders erlebt und den nur ein paar Extras mit einem Hauch von Luxus veredeln können. Passt der Vierzylinder zur mondänen Welt des Mercedes Coupés? Diese bange Frage stellt man sich vor dem Start.
 
Angenehm leise nimmt der modern konstruierte M102 seine Arbeit auf, beschleunigt sanft auf Drehzahl und tritt schon ab 2.000/min kraftvoll an. Anders als sein Vorgänger, der rustikale M115, arbeitet er nun endlich nach dem Querstromprinzip und verfügt über optimierte, halbkugelförmige Brennräume. Bereits im Vorgängertyp W123 glänzte der M102 als bester Benziner. Sparsam, laufruhig und für die Leistung ausgesprochen temperamentvoll machte er im Coupé sogar dem durstigen und kernigen Doppelnockenwellen- Sechszylinder M110 das Leben schwer, der objektiv betrachtet, zur reinen Prestigesache wurde. Unterstützt wird das erfreuliche Temperament des mustergültigen Vierzylinders in unserem 230 CE von einem für Mercedes-Verhältnisse inzwischen erstaunlich leicht und exakt schaltbaren Fünfganggetriebe.
 

48 PS Mehrleistung für den Mercedes-Benz 230 CE
 
Es macht Freude, die Gänge zu wechseln, den Motor auch einmal höher auszudrehen, denn Drehvergnügen gehört zu den Tugenden des M102, der erst über 5.000/min einen rauen Ton anschlägt und schließlich zugibt, kein Sechszylinder zu sein. Die Messlatte des 300 CE liegt hoch, gehorcht doch sein Motor M103 den gleichen modernen Konstruktionsprinzipien wie der Vierzylinder. Dabei springen 48 PS Mehrleistung (180 statt 132) heraus und ein sattes Drehmoment von 255 statt 198 Nm. Im direkten Vergleich läuft der M103 noch weicher, geradezu samtig, fühlt sich unter dem Gaspedal kräftiger an und verbündet sich aufs Erfreulichste mit der Viergangautomatik.

Es gelingt ihr, das wohlige Gefühl entspannten Gleitens im Coupé noch zu vertiefen. Gerade heutzutage spricht jedoch der um anderthalb bis zwei Liter geringere Verbrauch für den Vierzylinder. Die Philosophie gediegenen Reisens im Coupé wird von ihm nicht angetastet. Jenseits der kapriziösen Exzentrik italienischer Exoten zelebriert gerade der C124 jene unauffällige, ja selbstverständliche Eleganz, wie sie später nur noch wenige Mercedes-Modelle auszeichnet.
 
Die ausgeprägte Aerodynamik (Cw-Wert 0,30) ist hier offenbar kein Hindernis für die schöne Form. Vor allem die große, stark geneigte Heckscheibe leitet das Wagenheck behutsam ein und nimmt dem Coupé die formale Strenge der Limousine. Originalzustand bis in die Blinkerspitzen ist natürlich Bedingung für den in 20 Jahren eroberten Liebhaberstatus. Gerade jetzt, im tiefen Tal des Wertverlusts, vor der Preiswende, vagabundieren die Individualmobile der Tuningfraktion über die Kiesplätze der Großstadt-Ausfallstraßen.

Weniger anfällig für Tuningspielereien
 
Borbet- Alus, weiße Blinker, Holzlenkräder und Handy-Halter bedrohen vor allem den 300 CE oder den seltenen, 220 PS starken 300 CE-24. Dessen divenhafte Leistungscharakteristik kann dem Status des begehrten Spitzenmodells nicht wirklich etwas anhaben. Wurzelnussfurnier und Leder für Lenkrad und Schalthebel machen den feinen Unterschied zugunsten des Vierventilers. Ein 230 CE ist weit weniger anfällig für Tuningspielereien. Sofern noch in der ersten Generation gefahren, trägt er den unschuldigen Charme des Seniorencoupés. Gerne diente er reifen Menschen, die sich am Nachmittag ihres Lebens noch etwas Besonderes gegönnt haben.
 
Sie gaben sich mit der Pflege des repräsentativen Wagens besondere Mühe. Einen Dachgepäckträger musste er niemals schultern, eine Anhängerkupplung wurde ihm selten zugemutet. Nie nahm ihm ein tiefergelegtes Gewindefahrwerk den geschmeidigen Abrollkomfort seiner Raumlenkerachse. Wie seine Vorgänger 250 CE/8 und 230 CE (W123) beweisen, hat ein Mercedes Coupé, selbst eines von der kleineren Sorte, gute Chancen, in Würde zu reifen. Dem C124 macht dabei vor allem seine formale Zeitlosigkeit zu schaffen. Er ist weniger modisch als sein Nachfolger CLK. Wer ihn heute fährt, macht es nicht, weil er sich kein besseres Auto leisten kann. Er gibt ein klares Statement ab, eines für den guten Geschmack. 

Technische Daten
Mercedes 230 CE
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4655 x 1740 x 1390 mm
Höchstgeschwindigkeit202 km/h
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