Mercedes CL im Fahrbericht: Downsizing für das große Oberklasse-Coupé

Mercedes CL

Das Mercedes-Coupé CL meldet sich aus der Verjüngungskur zurück. Höhepunkt der Modellpflege ist ein Biturbo-Achtzylindermotor, der den Benzinverbrauch erheblich reduzieren soll. Wie sich das Downsizing beim CL 500 auswirkt, klärt der erste Fahrbericht.

Auch der Mercedes CL bleibt nicht verschont. Das neue Lieblingswort der Auto-Techniker haben einst die Amerikaner erfunden, als ihnen die Opec den Ölhahn zudrehte: Downsizing. Das machte aus enorm überdimensionierten, übermotorisierten und überflüssigen Riesenautos einigermaßen überschaubare Mobile.

Seit die Erdöl-Story nicht mehr von künstlicher Verknappung, sondern von der Klimaschädlichkeit der Verbrennungsrückstände bestimmt ist, wird weltweit downgesizt. Wobei es nur logisch erscheint, dass auch jene Automobilklassen betroffen sind, deren Kundschaft sich bisher nie Sorgen um den Verbrauch machen musste. Ganz aktuell: die großen, der S-Klasse entstammenden Coupés von Mercedes, die nach Werksangabe die Spitze der deutschen Automobiltechnologie darstellen.

Mercedes CL 500 mit Turbo-4,7-Liter-V8 im Fahrbericht

Noch fährt so ein Mercedes CL im Fahrbericht nicht mit einem dramatisch aufgeladenen Vierzylinderchen, keine Sorge. Auf den ersten Blick bringt Downsizing nicht einmal eine neue Nomenklatur mit sich. Mercedes CL 500 bleibt Mercedes CL 500, auf Wunsch vor allem der US-Kundschaft jetzt optional auch als CL 500 4matic. Dass die Mercedes-Typenschilder nicht mehr die traditionelle Auskunft über den Hubraum geben - daran haben wir uns gewöhnt. Auch deshalb, weil im Zeichen der Aufladung das Hubvolumen ohnehin nur einen vagen Rückschluss auf die Leistungsfähigkeit zulässt. Mercedes CL 500 war bisher ein 5,5 Liter großer, aus eigener Kraft atmender Achtzylinder. Jetzt steht zum Fahrbericht ein 4,7 Liter messender Achtzylinder bereit, dem ein Turbolader pro Zylinderreihe Beine macht.

Viel Detailarbeit am neuen V8-Motor

Mercedes spricht beim neuen Mercedes CL 500 im Fahrbericht, wie das in solchen Fällen zum guten Ton gehört, von einem neuen Motor, obwohl die Basiskonstruktion nicht neu ist. In der Mercedes S-Limousine und im Mercedes GL-Allradler war ein 4,7-Liter schon bisher zu haben - unter der Kennziffer 450 und ohne Aufladung. Doch die Detailarbeit, die der V8 erfuhr, präsentiert sich im Fahrbericht so umfangreich, dass das Prädikat neu nicht ungerechtfertigt erscheint. Dazu gehört nicht nur die Direkteinspritzung, sondern auch eine Multi-Spark-Zündung, die pro Arbeitstakt bis zu vier Zündfunken absetzen kann. Zu den Kennzeichen des Motors im Mercedes CL 500 im Fahrbericht gehören außerdem eine Start-Stopp-Funktion, eine Ölpumpe, die bei niedrigen Drehzahlen mit verringertem Druck arbeitet, sowie eine modifizierte Kühlung. In der Aufwärmphase steht das Wasser im Motor, danach zirkuliert es ohne den Fahrzeugkühler. Bei Erreichen der Betriebstemperatur wird der Wasserkühler mit einbezogen.

Normverbrauch sinkt um 23 Prozent

Was im Mercedes CL im Fahrbericht dabei letztendlich herauskommt, hat mit down nun wirklich nichts zu tun. Die Turbomaschine ist mit 435 PS erheblich leistungsstärker als der saugende Vorgänger (388 PS). Dazu gibt es Drehmoment satt: 700 statt 530 Newtonmeter. Hauptsächlich aber: ein bemerkenswerter Effizienz-Sprung, der auch der Tatsache geschuldet ist, dass trotz Aufladung die hohe Verdichtung von 10,5:1 beibehalten wurde. Der Normverbrauch gegenüber dem gewiss nicht durstigen 5,5-Liter wurde um 23 Prozent gesenkt. 9,5 Liter - da wird tatsächlich eine Duftmarke gesetzt für ein Luxuscoupé, das auf Wunsch in weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h beschleunigen kann.

Mercedes CL 600 mit zwölf Zylindern gibt es weiterhin

Wie das in der Praxis aussieht, wird ein Test des Mercedes CL 500 klären. Aber schon die erste Bekanntschaft im Fahrbericht mit dem neuen Motor lässt keinen Zweifel daran, dass der Kunde allererste Sahne serviert bekommt. Das Laufgeräusch im CL erscheint durch die dämpfende Wirkung der Lader und des zwischen den Zylinderreihen sitzenden Ladeluftkühlers nochmals reduziert, die siebenstufige Automatik tut sich angesichts des gewaltigen Drehmoments leicht, die Gänge unauffällig und treffsicher zu sortieren. Die Kraft, die den Mercedes CL anschiebt, kommt mit dem Nachdruck und der Mühelosigkeit eines Hubraumriesen. Weil in der Upper Class mehr immer besser und zu viel gerade recht ist, stellt der Mercedes CL 500 nur die Basis der Modellreihe dar. Einen Mercedes CL 600 mit zwölf Zylindern, zwei Ladern und 517 PS gibt es weiterhin. Daneben empfiehlt sich ein Blick auf die AMG-Varianten.

Mercedes CL 63 AMG mit aufgeladener Version des 5,5-Liter-Motors

Der Mercedes CL 63 AMG verfügt nicht, wie es die Bezeichnung vermuten lässt, über den hoch drehenden 6,2-Liter-V8, sondern bietet eine aufgeladene Version des 5,5-Liter-Motors. Und der Mercedes CL 65 AMG? V12, sechs Liter Hubraum, 630 PS. Er kostet über 100.000 Euro mehr als der Einsteiger-CL 500, die sich zum Beispiel in einer um eine halbe Sekunde reduzierten Normbeschleunigung auszahlen. Downsizing eben - für jene, die noch andere Lieblingswörter haben.

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 19 / 2010

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