Mercedes E 350 CGI Coupé mit 292 PS

Der Mercedes CLK-Nachfolger im Fahrbericht

Mercedes Benz E 350 CGI Coupé

Nach zwölf Jahren tritt er ab, der Mercedes CLK. Aus dem Coupé mit C-Klasse-Genen, aber E-Klasse-Auftritt zum E-Klasse-Preis wird, logisch, das E-Klasse Coupé. Der Neue soll die Eleganz des CLK mit der technischen Kompetenz der Limousine paaren. Ob das gelingt, zeigt der Fahrbericht des 350 CGI.

Schluss, aus, vorbei. Nach zwei Generationen schickt Mercedes den CLK in Rente. Zwölf Jahre lang durfte das Coupé alles zwischen 1,8-Liter-Vierzylinder und 5,5-Liter-V8 spazierenfahren, unter dem AMG-Label sogar als 63er mit 481 PS. Selbst in der DTM brüllten die Mercedes CLK, um danach als strenge, karbonbewehrte Renn-Repliken in limitierter Auflage mit 582 PS klimatisierte Sammlergaragen zu bevölkern und als Cabrio-Variante mit Aufsatz-Heckspoiler Geschmacksnerven zu provozieren.

Mercedes E-Klasse bietet mehr Raum

Die zivilen Geschwister enthielten sich solcher Sperenzchen, gingen konsequent auf in der Rolle des gediegenen, zickenfreien Coupés. Und verdienten dem Daimler ordentlich Geld, schließlich gelang es, einen Zweitürer auf Mercedes C-Klasse-Basis in Mercedes E-Klasse-Sphären zu positionieren, ohne dass sich jemand ernsthaft beklagt hätte. Kein schlechter Plan also, der - obwohl er aufging - ab Mai mit dem Mercedes E-Klasse Coupé zu Ende geht.

Wie früher (zuletzt beim W124) darf der stets zeitlos-elegante Zweitürer, Favorit graumelierter Best-Ager, auf der oberen Mittelklasse aufbauen. Entsprechender Raumgewinn inklusive, obwohl kaum jemand ernsthaft klaustrophobische Probleme im CLK aussitzen musste. Sei’s drum, das neue E-Klasse Coupé bietet mehr Platz für Beine und Schultern, nur bei der Kopffreiheit hinten haben sie ein wenig geknausert. Zugunsten des bei Mercedes typischen Bogens zwischen A- und C-Säule, der auf schwere Blechkost verzichtet und sich luftig gläsern gibt.

Mussten die Designer beim Vorgänger während der Entwicklung zugunsten der Kopffreiheit im Fond die Dachlinie noch nachbessern - was zum etwas fülligen Heck führte -, wirkt das neue E-Klasse Coupé muskulöser. Unwissende könnten ob des kleinen Dreiecksfensters vor der C-Säule und des Überhangs trotzdem nach einer etwaigen Fondtür suchen. Erfolglos natürlich. Steigen wir also ein in das neue E-Klasse Coupé, lassen uns von körpergerechten Sitzen und dem wohligen Mercedes-Coupé-Gefühl empfangen. Keine eleganzhemmenden Fensterrahmen, keine B-Säule, dafür ein heransummender Gurtbringer - inzwischen sogar mit Extra-Bedienknopf -, so mag es der Fanclub.

Starker Kontrast bei Ex- und Interieur

Nur der Kontrast zwischen gespanntem Bogen außen und kantigem Klein-Klein drinnen überrascht im neuen E-Klasse Coupé im ersten Moment. Statt fließender Coupé-Cockpit-Couture haben die Designer mit Klötzchen gespielt. Abseits des Geschmäcklerischen ist im E-Klasse Coupé aber alles logisch aufgebaut und selbst für Markennovizen ohne Training zu beherrschen. Reinsetzen, losfahren, genießen. Das E-Klasse Coupé kultiviert Mercedes-Stärken, lässt den Dynamik-Schnellzug bewusst vorbeifahren. Stattdessen streichelt das E-Klasse Coupé mit seiner Drei-Zonen-Klimaanlage die Insassen, während diese satt, sämig und stressarm dahingleiten.

Keine Luftfederung für das neue E-Klasse Coupé

Vom Start weg demonstriert der 1,7-Tonner, dass die gegenüber der Limousine gestraffte Fahrwerksabstimmung genug Komfort zulässt. Eine Luftfederung ist für das neue E-Klasse Coupé weder erhältlich noch nötig, schon die Serie filtert kompetent. Stahlfedern und mechanisch adaptive Dämpfer verarbeiten so ziemlich alles, was Doppelquerlenker-Vorderache und Raumlenker-Hinterachse anliefern. Das Mercedes Coupé rollt satt ab, kassiert Querfugen und Flickstellen sanft und ohne Nachschwingen, verkneift sich störende Karosseriebewegungen.

Dabei hilft dem E-Klasse Coupé seine clevere Dämpferkonstruktion, die an der Art der Kolbenbewegung Straßen- und Fahrzustand erkennt und über einen Bypass den Öldurchfluss und damit die Dämpferhärte beeinflusst. Das klappt so sauber, dass das optionale Fahrdynamik-Paket mit elektronisch geregelten Dämpfern entbehrlich scheint. Es sei denn, man möchte das darin enthaltene bissigere Ansprechen auf Pedalbefehle mitnehmen.

Mercedes 350 CGI wirkt zäh

Dem Mercedes 350 CGI würde es nicht schaden. Zwar zieht der kultivierte Direkteinspritzer (Schichtlader) mit der serienmäßigen 7-G-Tronic stämmig durch, beim Tritt auf das schwergängige Gaspedal wirkt er aber zäher, als man es von einem 292 PS starken 3,5-Liter-V6 erwartet. Alles andere als zäh: die Parameterlenkung. Sie arbeitet so, wie man es sich von einem Mercedes wünscht. Beruhigend verreißsicher um die Mittellage, dabei proportional ansprechend und mit passend dosierter Servounterstützung (bei der Sportvariante mit knackigerer Note).

Und das sogar ohne die mechanisch variable Lenkübersetzung (Direktlenkung) der Limousine. Dafür darf das neue E-Klasse Coupé die Sicherheits-Armada vom Aufmerksamkeits-Assistenten über Pre-Safe bis hin zum Radar-Tempomaten sowie die Schildererkennung übernehmen. Hinzu kommt das Licht-Paket, das Nachtfahrten den Schrecken nimmt. Vor allem wegen der Fernlicht-Automatik, die den Kegel an den Gegenverkehr anpasst, was mehr bringt als manche Elektronik-Assistenz. Ach ja, LED-Tagfahrlicht-Bumerangs gibt es obendrein. Angesichts des ausgewogenen Ganzen dürfte sich der Wechsel zur Mercedes E-Klasse-Basis beim Coupé am Ende keinesfalls als Bumerang erweisen.

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Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 10 / 2009

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