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Mercedes G 280 CDI Edition 30.Pur im Test

Mit dem Mercedes G 280 zurück zu den Wurzeln

21 Bilder

Ohne irgendwelchen schnick-schnack kehrt die G-Baureihe 461 endlich als G Edition 30.Pur in die Zivilisation zurück – Danke, Mercedes!

30.05.2009 Powered by

Da kann sich Mercedes auf den Kopf stellen, feinste Materialien verbauen, modernste Elektronik von ESP bis Digitalfernsehen installieren, den G als Luxus-Cabrio oder Reisewagen anbieten, sogar mehr als 500 PS in den Motorraum quetschen – doch das, was sich die Fangemeinde insgeheim wünscht, ist ein G-Modell wie vor 30 Jahren: mit wenig Technik, aber viel Charakter – unkompliziert und beständig.

Jetzt haben die Schwaben ein Einsehen und schenken ihren treuen Anhängern zum 30. Geburtstag des Geländewagens ein Sondermodell Edition 30.Pur. Das erste davon durften wir schon exklusiv auf einem Ausritt begleiten. Als wäre das nicht vorher klar gewesen: Dies ist ein Traumwagen für Weltenbummler. Der Unterschied mag für Laien auf den ersten Blick gar nicht gleich zu erkennen sein. Breite Räder und Radhäuser, Hochglanzlackierung, grüne Umweltplakette an der Frontscheibe – das könnte eine ganz normale G-Klasse sein. Ist es aber nicht. Denn was sich hier komplett schwarz gestrichen vor uns präsentiert, hat mit Luxusgefährten vom Schlage eines G500 nur die kantige Hülle gemeinsam. Alles andere ist der Mercedes G in seiner ursprünglichsten Form – ohne Leder, Navi oder gar dämmende Materialien – eben absolut pur. Grau gefleckter Dachhimmel, blankes Blech ringsherum, harte, kantige Kunststoffarmaturen – im Innenraum herrscht Nostalgie. Statt der filigranen Tastschalter aus dem aktuellen Daimler-Sortiment dürfen massive Drehregler und die altbekannten Kippschalter umgelegt werden. Die Klimaanlage wird über einen dicken Gummizapfen dosiert, drei Schieber regeln Luftverteilung und Heizung. Als Mittelkonsole dient ein Blechkasten und das Handschuhfach versteckt sich hinter der original 79er-Plastikklappe mit Drehknauf. Und, liebe G-Fans: Es gibt sie noch, die plüschigen Sitze mit grauem Karomuster.

Unser Testwagen ist mit vier einzelnen davon bestückt. Man fühlt sich gleich in die Achtziger zurückversetzt. Herrlich! Unser Testwagen schmückt sich zusätzlich mit Spurverbreiterung, Dachgepäckträger, Kofferraumboden aus Holzpaneelen und einem kleinen Solarmodul am Heck – Extras, die es nicht alle direkt bei Mercedes gibt. Ansonsten kann man das Auto jetzt in dieser Form beim Händler bestellen. Wer dabei auf Kreuzchen in der Ausstattungsliste verzichtet, bekommt für 59.381 Euro ein G-Modell, das dem ersten von 1979 zum Verwechseln ähnlich sieht: mit schwarzer Front, schmalen 16-Zoll-Rädern und ohne Kotflügelverbreiterungen. Nur die optionalen Nebelscheinwerfer und die Außenspiegel (elektrisch verstellbar!) haben ihre Form etwas geändert. Und das Auspuffendrohr ragt wie bei allen aktuellen G-Klassen unter der hinteren linken Tür hervor, versteckt sich also nicht mehr wie früher hinter der Heckstoßstange. Übrigens besitzt der Puristen-G gleich drei Batterien. Eine fürs Bordnetz – geschützt in der Mittelkonsole – und zwei weitere für den Starter an der üblichen Position nahe der Spritzwand unter der Motorhaube. Soundpaket, Sitzlüftung oder Rückfahrkamera sucht man unter den Extras vergebens. Stattdessen stehen andere Punkte auf der Liste: trittfeste Motorhaube mit kratzfestem Hammerschlaglack, separate Arbeitsdrehzahlregulierung, Sitz- und Standheizung, Leselampe auf dem Armaturenbrett, zweiteilige Hecktür, Feuerlöscher sowie ein separater Reserveradträger. Eben alles, was des Reisenden Herz begehrt.

Viel Aufwand musste Mercedes für die Modelleinführung nicht betreiben. Schließlich liefen in den vergangenen Jahren permanent puristische G-Modelle mit der internen Bezeichnung 461 vom Band im Grazer Puch-Werk – nur konnte man sie als Privatperson bislang nicht kaufen. Meist in mattem Oliv lackiert (Greenline-Version), belieferte Mercedes damit die Bundeswehr und viele andere Armeen dieser Welt. Auch Behörden durften den spartanischen Geländewagen als „Worker“ bestellen. Mit dem Edition 30.Pur ist nun die 461er-Baureihe erstmals seit acht Jahren wieder für den zivilen Gebrauch zu haben. Zur Erinnerung: Die letzten zivilen Modelle wurden bis 2001 als 290 GD mit 120 PS starkem Turbodiesel an eine Handvoll privater Kunden verkauft – damals noch mit Viergangautomatik, starrem Zuschaltallrad und zwei mechanisch betätigten Differenzialsperren. Der Pur treibt heute permanent alle vier Räder über eine Fünfgangautomatik an, seine drei Sperren werden elektrisch gesteuert und unter der Motorhaube arbeitet jetzt ein Dreiliter-Turbodiesel mit Rußpartikelfilter, 184 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment. Mit dem gewinnt man zwar keinen Ampelstart, die Leistung reicht aber für Tempo 160 auf der Autobahn. Dies ist ohnehin nicht das bevorzugte Revier des Puristen – zumal die Windgeräusche im Vergleich zu den Luxus-G-Klassen deutlich lauter sind, und schreckhafte Insassen jedesmal zusammenzucken, wenn kleine Steinchen aus dem Reifenprofil mit einem Knall an das nackte Blech des Radkastens schlagen. Wer beim 280 CDI jetzt einen kernig nagelnden Diesel erwartet, wird etwas enttäuscht. Selbst von außen hält sich der gedrosselte Dreiliter-Turbo – im 320 CDI leistet er 224 PS – sehr zurück. Dafür drängen sich bei Vollgas das röchelnde Ansauggeräusch aus dem Lufteinlass im rechten Kotflügel und das föhnähnliche Auspuffblasen in den Vordergrund. Trotzdem: Kraft hat das Common-Rail-Aggregat reichlich. Mit dem Gewicht unseres voll ausgestatteten Kohlekastens – samt Dachgepäckträger 2660 Kilogramm schwer – kommt er jedenfalls gut zurecht. Da bleibt viel Reserve für schwere Lasten. Laut Mercedes sind 900 Kilogramm zusätzlich kein Problem. Bei mehr als 3,5 Tonnen Gesamtgewicht benötigen einige dann sowieso schon eine andere Führerscheinklasse. Kleiner Tribut an die Armeeauslegung: Der 461er trägt an der Hinterachse riesige Trommelbremsen und keine Scheiben. Dadurch kann der Koloss zwar auch an steilsten Hängen mit der Handbremse parken, ob die Bremswerte aber auf dem Niveau anderer G-Klassen liegen, ist fraglich. Ein Test wird demnächst Klarheit schaffen – den entsprechenden Testwagen haben wir ja schon zu uns in die Redaktion bestellt. Bei dieser Gelegenheit könnte man ja über eine Langzeiterprobung nachdenken – einfach Durchbrennen und mit dem G um die Welt reisen. Falls Sie also in Zukunft nichts mehr von uns hören sollten, nehmen Sie es uns nicht allzu übel – wir sind schließlich auch nur G-Nießer.

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