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Mercedes GLA 220 CDI 4Matic

Erster Test mit dem neuen Daimler-SUV

Mercedes GLA 220 CDI 4Matic mit Offroad-Paket im Fahrbericht Foto: Mercedes 15 Bilder

Mit der GLA-Klasse erweitert Mercedes das SUV-Angebot nach unten. Wir waren mit ihm auf Testfahrt. Was kann der neue Offroad-Benz?

13.02.2014 Torsten Seibt Powered by

Kleines Auto, große Aufgabe: mit dem 4,4 Meter kurzen Mercedes GLA wollen die Stuttgarter einen gewaltigen Verkaufserfolg landen, der deutlich über das Volumen der bisherigen vier SUV-Modelle des Hauses hinausgeht. Die Zeichen dafür stehen gut, kompakte SUV sind gefragt wie nie, und auch in dieser Kategorie sind die Kunden bereit, für Premium-Fahrzeuge viel Geld auszugeben.

Der Mercedes GLA ist kein günstiges SUV

Im Falle des neuen Mercedes GLA ist das schon einmal eine gute Voraussetzung, denn wirklich günstig ist noch nicht einmal das Basismodell mit Benzinmotor, welches lediglich mit Frontantrieb angeboten wird. Wer einen der beiden Diesel-GLA mit Allradantrieb und ein paar der zahlreichen Aufpreisoptionen wählt, sollte mindestens 40.000 Euro bereit halten.

Für die beachtlichen Eintrittsgebühren liefert Mercedes reichlich Technik mit. Allen voran diverse Assistenzsysteme bis hin zum automatischen Einparken. Bereits serienmäßig kommt ein radarbasierter Kollisions-Assistent zum Einsatz, der bei drohenden Auffahrunfällen beim Bremsen hilft.

Viel Feintuning wurde bei der Innenraumgestatung betrieben. Es gibt verschiedene Styling-Linien, die sich mit unterschiedlichen Material- und Designoptionen kombinieren lassen. Selbst Details wie die Umrandungsfarbe der Lüfterdüsen spielen da eine Rolle, den Kunden winken lange Stunden am Konfigurator.

Neuer 4Matic-Allrad

Der auf der A-Klasse-Plattform basierende Mercedes GLA bringt einige Technik-Neuerungen in die Mercedes-SUV-Welt. Dazu gehört vor allem das Antriebssystem. Der Mercedes GLA ist das erste SUV des Hauses mit einer an der Hinterachse angeflanschten Lamellenkupplung, über die der Antrieb nach hinten realisiert wird. Diese im Kompakt-SUV-Lager inzwischen weit verbreitete Lösung bringt gegenüber einem nachgeschalteten Verteilergetriebe wie etwa in der M-Klasse Vorteile beim Gewicht und damit beim Verbrauch.

Der Antrieb lässt sich dabei in Sekundenbruchtreilen variieren, im normalen Geradeausbetrieb auf der Straße fährt der Mercedes GLA als reiner Fronttriebler.
Das 4Matic-System bedingt auch den Einsatz der siebenstufigen DSG-Automatik. Nur bei diesem Doppelkupplungsgetriebe ist ein Abtrieb für die Hinterachse verfügbar, das in den Basisvarianten erhältliche Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich nicht mit Allradantrieb kombinieren.

ModellMercedes GLA 250 4MaticMercedes GLA 200 CDI 4MaticMercedes GLA 220 CDI 4Matic
Länge/Breite/Höhe4.417/1.804/1.494 mm4.417/1.804/1.494 mm4.417/1.804/1.494 mm
Leergewicht1.505 kg1.595 kg1.595 kg
MotorR4-Turbo-BenzinerR4-Turbo-DieselR4-Turbo-Diesel
Hubraum1.991 ccm2.143 ccm2.143 ccm
Leistung211 PS136 PS170 PS
Drehmoment350 Nm300 Nm350 Nm
Getriebe7-Gang-DSG7-Gang-DSG7-Gang-DSG
Normverbrauch6,5l S4,9l D4,9l D
0-100 km/h7,1 s9,9 s8,3 s
vmax230 km/h200 km/h215 km/h
Preis ab (EUR)37.496,9036.509,2039.252,15

Ausschließlich Vierzylinder im neuen Mercedes GLA

Die Zeiten, als sich aus dem Typenschild Rückschlüsse auf den Hubraum ziehen ließen, sind bei Mercedes längst passé. Die mit Allrad erhältlichen Modelle GLA 250 4Matic (Zweiliter-Turbo-Benziner), GLA 200 CDI 4Matic und GLA 220 CDI 4Matic (beide mit einem 2,2-Liter Turbo-Diesel-Vierzylinder ausgestattet) bilden derzeit das obere Motorenspektrum ab, der Fronttriebler GLA 200 hat einen 1,6-Liter-Benziner unter der Haube. Als Power-Variante wird ab Mai der 360 PS starke GLA 45 AMG (Zweiliter-Vierzylinder-Turbo) nachgeschoben.

Eine interessante Vielfalt bietet Mercedes beim GLA in Sachen Fahrwerk. Für alle Versionen lässt sich neben dem Standard-Fahrwerk eine straffere, 15 Millimeter niedrigere Sport-Ausführung wählen. Viel spannender: die 4Matic-Modelle können mit einem Offroad-Fahrwerk geordert werden, das dem Mercedes GLA eine Höherlegung um 30 Millimeter beschert. Das kommt nicht nur der Bodenfreiheit (Bestwert in dieser Klasse) und damit der Geländetauglichkeit des neuen Kompakt.SUV zugute. Es sieht auch gut aus, die Höherlegung ist gegenüber dem Standardfahrwerk optisch deutlich wahrnehmbar.

Für unsere erste Testfahrt entschieden wir uns mit dem GLA 220 CDI für den stärkeren der beiden Diesel in Verbindung mit dem 4Matic-Antrieb und Offroad-Fahrwerk. Bei allen 4Matic-Modellen ist serienmäßig ein Offroad-Paket an Bord, das aus Bergan- und regulierbarer Bergabfahrkontrolle besteht und über einen zusätzlichen Menüpunkt ein Geländeprogramm mit angepassten Kennlinien für die Gaspedal und Getriebesteuerung ermöglicht. Zusätzlich gibt es auf dem Bordmonitor die Möglichkeit, verschiedene Geländedaten wie Neigungswinkel, Lenkwinkel und Kompass anzuzeigen. Ebenfalls den 4Matic-GLA vorbehalten ist eine spezielle Lagerung der Raumlenker-Hinterachse, die sich positiv auf den Fahr- und Geräuschkomfort auswirkt.

Ausreichend Platz für vier

Der GLA bietet für ein Kompakt-SUV einen relativ großen Laderaum, der sich auf bis zu 1.235 Liter erweitern lässt. Die Rücksitzlehne lässt sich in der Neigung verstellen, um den Gepäckraum entsprechend zu vergrößern, ohne die Sitze komplett umlegen zu müssen.

Auf den Vordersitzen bietet der Mercedes GLA recht kuschelige Platzverhältnisse. Fahrer und Beifahrer sitzen eingerahmt von der Mittelkonsole und der hohen Türverkleidung, die Seitenscheiben beginnen erst weit oben, bei kleineren Fahrern in Schulterhöhe. Auf den Rücksitzen ist dank der stark herausgeformten Rücklehnen der Vordersitze ausreichend Knieraum vorhanden, wirklich üppig ist die Beinfreiheit allerdings nicht – der Mercedes GLA ist eben ein Kompakt-SUV. Das merkt man auch am Kofferraum, der angesichts des kurzen Überhangs zwar überraschend geräumig ist, aber natürlich die Basis A-Klasse erkennen lässt. Der mittlere Platz auf den Rücksitzen ist nur für Kinder geeignet, Erwachsene haben hier weder von der Sitzausformung noch mit dem aus dem Boden ragenden Mitteltunnel viel Spielraum zum wohlfühlen.

Die Abstimmung des Offroad-Fahrwerks erreicht einen guten Mix aus straffer Straßenlage und Langstreckenkomfort, kurze Unebenheiten etwa von Schlaglöchern oder Querfugen kommen allerdings ziemlich trocken durch. Das straffere Sportfahrwerk mit Tieferlegung ist deshalb wirklich nur sehr aktiven Piloten zu empfehlen.

Deutliche Abrollgeräusche

Der neue Mercedes GLA ist kein ausgesprochen leises Auto. Das liegt nicht am Dieselmotor, der gut gedämmt und mit zufriedenem Grummeln seiner Arbeit nachgeht. Bei höherem Tempo sind es vor allem Windgeräusche aus dem Bereich der A-Säule und die deutlichen Abrollgeräusche, welche die Soundkulisse im Auto bestimmen. Wirklich laut wird es nicht, der Klassenunterschied zu Fahrzeugen wie dem GLK und erst Recht der ML-Klasse wird aber deutlich.

Die Lenkungsabstimmung des neuen GLA lässt vergessen, dass man in einem SUV unterwegs ist. Ausgesprochen präzise und mit feiner Rückmeldung macht es einfach Laune, den Mercedes GLA auch einmal im etwas flotteren Betrieb durch enge Kurven zu treiben. Das ESP hält sich dabei vornehm im Hintergrund, ein Verdienst des bedarfsgerecht angesteuerten Allradantriebs. Der wirkt mit der variablen Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse eventuellem über- oder untersteuern entgegen, bevor die Stabilitätskontrolle eingreifen muss. So lässt sich der Mercedes GLA sehr neutral und sicher um die Ecken werfen.

Im Offroad-Betrieb darf man angesichts der Pkw-Basis zwar keine Wunder erwarten, doch der Mercedes GLA funktioniert abseits der Straße besser, als sein Äußeres vermuten lässt. Tief ausgewaschene Wege, große Schlaglöcher und kleinere Felsen durch- und überklettert er unaufgeregt und gemütlich, bei unserem ersten Geländetest schlug sich das Doppelkupplungsgetriebe nicht schlechter als ein normaler Wandler-Automat. Ob es für heftigen Offroad-Einsatz die richtige Wahl ist, steht dahin, doch damit wird der Mercedes GLA ohnehin eher selten komfrontiert werden. Wichtig ist vielmehr, dass der GLA speziell mit dem höheren Offroad-Fahrwerk genügend Reserven hat, um beispielsweise auch einmal einen tief verschneiten oder stark ausgefahrenen Bergpfad zu bewältigen, Stichwort Ski-Hütte. Und das kann er dank der ordentlichen Bodenfreiheit tatsächlich unbeschwerter als so mancher Konkurrent aus dem Kompakt-SUV-Lager.

Fazit:

Der Mercedes GLA erfüllt die hohen Erwartungen. Feine Materialauswahl, hilfreiche Assistenzsysteme und ein sehr sicheres, dabei dynamisches Fahrverhalten stehen auf der Habenseite. Im Gelände schlägt er sich besser als die meisten Konkurrenten, auf der Straße ist er ein angenehmes Reisefahrzeug, das dank der knappen Abmessungen auch in der Stadt gut zurecht kommt. Die Preise sind allerdings ausgesprochen Mercedes, mit einigen Nettigkeiten steht die Fünf an erster Stelle. Das ist für ein 4,4-Meter-SUV durchaus eine Ansage.

Fazit

Der Mercedes GLA erfüllt die Erwartungen. Feine Materialauswahl, hilfreiche Assistenzsysteme und ein sehr sicheres, dabei dynamisches Fahrverhalten stehen auf der Habenseite. Im Gelände schlägt er sich besser als die meisten Konkurrenten, auf der Straße ist er ein angenehmes Reisefahrzeug, das dank der knappen Abmessungen auch in der Stadt gut zurecht kommt.

Technische Daten
Mercedes GLA 220 CDI 4Matic
Grundpreis39.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4417 x 1804 x 1494 mm
KofferraumvolumenVDA421 bis 1235 L
Hubraum / Motor2143 cm³ / 4-Zylinder
Leistung125 kW / 170 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,3 s
Verbrauch4,8 L/100 km
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