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Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid im Fahrbericht

Dickschiff mit Kleinwagenverbrauch

Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid, Seitenansicht Foto: Hersteller 16 Bilder

Erste Ausfahrt im Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid mit Mercedes-Entwicklungschef Thomas Weber am Steuer. Mit dieser Variante kann man künftig mindestens 30 Kilometer rein elektrisch fahren.

19.08.2013 Birgit Priemer, Alexander Bloch

Es sind die Zeichen einer neuen Zeit: Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber öffnet auf dem großen Sindelfinger Werksgelände nahe dem Bau 50.1 die Tür zur Werkstatt. Es ist Freitag abend, im Hintergrund läuft für die Mitarbeiter eine große After-Work-Party, und entgegen kommt ihm einer seiner Entwickler in Radlerkluft und entschwindet mit seinem Bike lautlos Richtung Heimat.

Weber stutzt ganz kurz. Schließlich hat er fast das Gleiche vor, allerdings auf vier Rädern: Er startet den Prototyp eines Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid, gibt Gas und rollt geräuschlos zum Ausgang des Werksgeländes Richtung Tor 16 – so geräuschlos, dass ihn seine eigenen Mitarbeiterinnen nicht hören, als er zur Ausgangskontrolle fährt.

Batterie kostet Kofferraum

Vor uns liegt eine Ausfahrt rund um Sindelfingen, die rein elektrisch über rund 30 Kilometer gehen dürfte – das ist der Wert, den Mercedes seinen Kunden zur Markteinführung des Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid Ende nächsten Jahres verspricht. Und warum nicht 50 Kilometer, wie es manch anderer Hersteller plant? "Sich jetzt mit aller Macht auf eine Reichweite von 50 Kilometer zu konzentrieren, halte ich nicht für sinnvoll, weil dann automatisch die Batterie größer werden muss, was Kofferraumvolumen kostet."

Kurzer Faktencheck: Das Gepäckabteil der S-Klasse fasst normalerweise ein Volumen von 510 Litern, beim Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid sind es noch 400 Liter. Warum diese Einschränkung? Weil die 9-kWh-Lithium-Ionen-Batterie hinter den Rücksitzen im Kofferraum sitzt. Sie wiegt rund 100 Kilogramm und würde durch eine Steigerung der Reichweite größer und noch einmal rund 75 Kilogramm schwerer. Weber: "Wir überlegen sehr genau, wie viel elektrische Reichweite unser Auto haben soll, und versprechen dem Kunden mit diesem Plug-in-Hybrid mindestens 30 Kilometer, was für emissionsfreies Fahren im städtischen Umfeld vollkommen ausreichend ist."

Tor 16 als Haupteingang zu Mercedes‘ Entwicklungs- und Ideenschmiede liegt endlich hinter uns, Weber beschleunigt den Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid – und da merkt man schon auf dem Beifahrersitz, wie die Limousine loslegt: Von null auf 100 km/h geht es in 5,5 Sekunden, der Smart vor uns könnte in Verlegenheit kommen, obwohl wir uns noch im reinen E-Modus befinden. Aber Weber nimmt sofort Rücksicht. Und die Leistungsdaten beeindrucken schon auf dem Papier: Die E-Maschine des Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid verfügt über 80 kW und 340 Newtonmeter, der Dreiliter-V6 bringt es auf 245 kW (333 PS) und 480 Newtonmeter. Zusammengefasst können hier also über 600 Newtonmeter Drehmoment anliegen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h.

Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid schafft 30 km im reinen E-Modus

"Möglichst schnell elektrisch zu fahren, ist natürlich attraktiv. Es kostet aber auch mehr Energie. Und das wird der Kunde genau im Display verfolgen können", erläutert Weber. Stimmt. Es ist faszinierend, auf dem großen Bildschirmen zu verfolgen, in welchem Modus sich das Auto gerade befindet.

Vier Voreinstellungen (darunter E-Modus und Hybrid) lassen sich per Knopfdruck abrufen. Besonders pfiffig: Wählt der Fahrer E-Safe, dann fährt das System nicht automatisch rein elektrisch, sondern schaut voraus, was sinnvoll sein könnte. Stellen wir uns also vor, in London dürfe man mittlerweile nur noch rein elektrisch fahren und der Fahrer befindet sich gerade auf der Anfahrt mit reichlich entleerter Batterie. Dann würde sich rechtzeitig vor den Toren der Stadt der Verbrenner zuschalten, die Batterie mit laden und so garantieren, dass in der City wieder rein elektrisches Fahren möglich wäre.
29 Grad Außentemperatur, wir sind mittlerweile auf der Landstraße rund um Magstadt, Malmsheim und Renningen unterwegs. Tempo 90 geht im E-Modus problemlos. "Wir werden das rein elektrische Fahren bis etwa Tempo 120 bis 130 km/h ermöglichen. Es ginge natürlich auch schneller, aber dann steigt der Energieverbrauch exponentiell an", erläutert Weber.

Und um möglichen Beschleunigungsausbrüchen des Piloten vorzubeugen, hat Mercedes zusätzlich ein haptisches Gaspedal entwickelt, "damit der Fahrer spürt, wenn sich der Verbrenner zuschalten muss. Das hilft ihm verbrauchsoptimal zu fahren", so der Entwicklungschef.

Verbrenner schaltet sich unmerklich zu

Und jetzt wollen wir den Unterschied wissen: Wie ist das, wenn sich der Verbrenner zuschaltet – tut sich dann eine ganz andere Welt in der neuen S-Klasse auf? Tut sie nicht. Der Übergang erfolgt sehr sanft, man muss sich schon darauf konzentrieren und etwas spüren wollen. Was aber besonders überrascht, ist, wie leise mittlerweile auch ein Benziner läuft, was vor allem daran liegt, dass die Neuauflage des Luxusliners extrem gut gedämmt ist. "Und ab einem gewissen Tempo dominieren in jedem Fahrzeug sowieso die Abrollgeräusche", sagt Weber. Aber von denen ist Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid ebenfalls kaum etwas zu hören.

Stellt sich die Frage, wie Verbrauch und CO2-Ausstoß von diesem Konzept profitieren. Da die Homologation noch nicht abgeschlossen ist, gibt Mercedes noch keine genauen Zahlen für den Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid an. Der Verbrauch gemäß der Reduktionsformel für Plug-in-Hybride soll bei 3,0 Liter, der CO2-Ausstoß bei 69 g/km liegen. Das sind Werte, die noch keine S-Klasse geschafft hat, wenngleich man nicht vergessen darf, dass im Alltag der reine Hybridverbrauch bei rund sieben Liter pro 100 Kilometer liegen dürfte, im reinen Verbrennungsmodus muss mit rund neun Litern gerechnet werden (bei leerer Batterie).

Doch der Anspruch ist ja auch ein anderer: über lange Strecken emissionsfrei fahren zu können, und das ist hier geglückt. Nach einer halben Stunde Fahrt mit normaler Geschwindigkeit liegt im Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid immer noch fast 50 Prozent der rein elektrischen Reichweite an – Weber ist zufrieden. Wird es noch weitere Plug-in-Modelle im Mercedes-Programm geben? "Ich schließe nicht aus, dass wir den Plug-in-Hybrid künftig auch mit anderen Motoren kombinieren. Schließlich haben wir ein flexibles und modulares Hybrid- und Plug-in-Konzept." Denkbar also, dass die nächste C-Klasse (neu ab 2014) davon profitieren könnte.

Weitere Hybride geplant

Dazu zählt auch der Mercedes S 300 Bluetec Hybrid, der als Vierzylinder-Diesel nur 115 g/km CO2 ausstoßen soll und der bereits zum Verkaufsstart der S-Klasse erhältlich sein soll. Auf der Benziner-Seite gibt es den S 400 Hybrid mit 306-PS-V6-Motor.

Der Vorteil dieser Strategie liegt eben auch darin, dass Zylinderzahlen reduziert werden können. Was früher ein Achtzylinder konnte, schafft heute mühelos ein Sechszylinder: "Der Plug-in-Hybrid kann lokal mit Null-Emissionen fahren – und das mit der Leistung und dem beeindruckenden Drehmoment des V8-Motors", erzählt Weber, während er sich geräuschlos durch die Sindelfinger Innenstadt auf den Weg zurück zum Werk macht.

Apropos geräuschlos? Bleibt das so, oder wird Mercedes ein künstliches Geräusch erzeugen? Weber: "In vielen Ländern, darunter auch die USA, ist ein Soundgenerator für den niedrigen Geschwindigkeitsbereich vorgeschrieben. Den werden wir natürlich auch anbieten."

Wir nähern uns dem Ende dieser ungewöhnlichen Dienstreise und kommen zurück zu Bau 50.1. Vor der Kantine läuft immer noch die After-Work-Party. Die Mitarbeiter zahlen ihre Getränke selbst – der Erlös wird einem wohltätigen Zweck gespendet. Auch das ist Ausdruck einer neuen Zeit.

Wieviel Benzin verbraucht der Mercedes S 500 Plug-in-Hybrid wirklich?

Für die Plug-in-Hybride gilt eine besondere Verbrauchsformel, die den Benzinkonsum der Modelle im Alltag jedoch längst nicht immer ganz praxisgerecht wiedergibt.

Wenn Mercedes für den neuen S 500 Hybrid weniger als 75 Gramm CO2-Ausstoß pro km angibt, entspricht das rund 3,2 Liter Benzinverbrauch auf 100 km. Dieser sensationell niedrige Verbrauch für einen Sechszylinder basiert vor allem auf einer Verbrauchsreduktionsformel für Plug-in-Hybride (nach ECE R 101), also Autos, deren Akku an der Steckdose nachgeladen werden kann. Schon bei 25 km elektrischer Reichweite sinkt der Verbrennungsmotor-Verbrauch dabei rechnerisch um die Hälfte. Der Reduktionsfaktor kalkuliert sich dabei aus der Formel: (25 km + elektrischer Reichweite)/25 km. Das ergibt bei den zirka 30 km E-Reichweite, die Mercedes für den S 500 angibt, den Faktor 2,2. Damit verbraucht der S 500 als normaler Hybrid (ohne reine Elektrofahrt) rund sieben Liter pro 100 km (2,2 x 3,2 Liter). Als reiner Verbrenner dürfte er sogar rund neun Liter konsumieren (bei leerer Batterie). Ärgerlich ist, dass der Verbrauch und damit die Emission im Elektromodus nach der ECE-Norm nicht mit eingeht. Für typische Autofahrer mit hohem Kurzstreckenanteil und maximal 15 000 km im Jahr ist der Verbrauch von 3,2 Liter erreichbar. Langstreckenfahrer müssen sich auf zwei bis drei Mal mehr Verbrauch einstellen.

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