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Mercedes S 63 AMG 4matic im Fahrbericht

Extrem scharfes S

Mercedes S 63 AMG 4matic, Frontansicht Foto: Dieter Rebmann 21 Bilder

585 PS und 900 Nm, das klingt ziemlich verschärft. Der Mercedes S 63 AMG 4matic ist dennoch kein wilder Dampfhammer, verteilt Power und Drehmoment sehr gezielt.

14.10.2013 Heinrich Lingner

Zahlenspiele helfen hier nicht weiter. Um diese Mercedes S-Klasse zu verstehen, muss man etwas mehr tun, als Leistungsdaten zu memorieren. Rund 2,6 Millionen Mercedes S-Klassen wurden seit dem ersten W116 von 1972 gebaut. Stoßstange an Stoßstange und Türgriff an Türgriff geparkt, bedeckten sie alle zusammen etwa ein Hundertstel des Saarlands oder fast komplett die Insel Borkum. Warum Sie das hier lesen? Von all diesen S-Klasse-Modellen ist der neue Mercedes S 63 AMG 4matic das begehrenswerteste. Punkt.

Es dauert nicht besonders lange, das festzustellen. Nach den ersten Kehren der Gaisbergstrecke bei Salzburg, den ersten saftigen Beschleunigungsübungen von 430 auf 1.260 Meter über Normalnull sitzt du nur sprachlos im fein gesteppten Sessel und denkst: Boah!

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Fahrbericht Mercedes S 63 AMG Scharfes S
auto motor und sport 20/2013
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Mercedes S 63 AMG
Mercedes S 63 AMG im Promo-Video enttarnt 7:33 Min.

Viel Fahrdynamik und viel Gelassenheit

Und zwar nicht nur, weil der Mercedes S 63 AMG sehr, sehr gut vorwärts marschiert (in vier Sekunden auf 100 km/h, das glauben wir sofort), sondern wegen der überaus gelassenen Art und Weise, in der die über zwei Tonnen schwere Limousine diese Fahrleistungen realisiert. Klar, krawalliges Gehabe passt nicht zu einer Limousine dieser Preisklasse, doch so fein ausbalanciert und komfortabel überrascht sie den Fahrer doch.

Genau darauf hätten sie bei der Entwicklung des Mercedes S 63 AMG besonders großen Wert gelegt, betont Tobias Moers, Leiter der Gesamtfahrzeugentwicklung und designierter AMG-Chef, nach der Ausfahrt: "Ich bin sehr stolz darauf, dass wir diese Agilität in die S-Klasse bekommen haben, dass wir eine Balance zwischen Dynamik und Komfort gefunden haben." Dem ist kaum etwas hinzuzufügen, Operation offensichtlich gelungen.

Mercedes S 63 AMG ist beeindruckend leichtfüßig

Großen Anteil am beeindruckenden Auftritt des Mercedes S 63 AMG hat der Allradantrieb, in ähnlicher Form bereits beim E 63 AMG im Einsatz. Er sorgt mit seiner heckbetonten Auslegung (33 zu 67 Prozent Momentverteilung) für packende Traktion und ausgewogenes Handling. Auf trockenem Asphalt jedenfalls muss man schon recht rücksichtlos mit dem Fahrpedal umgehen, damit die diversen Elektronikhilfen in Wallung geraten. Dabei ist es relativ gleichgültig, welche der sieben Fahrstufen der MCT Speedshift-Box gerade eingelegt ist. Das Automatikgetriebe reagiert blitzschnell und ruckfrei. Als spielte das bei 900 Newtonmeter Drehmomentmaximum eine große Rolle. Unaufgeregt, zielsicher und mit unerwarteter Leichtfüßigkeit folgt der schwere Wagen dabei Lenkbefehlen, die adaptive Lenkung ist leichtgängig und vermittelt dennoch viel Gefühl für die mit angetriebenen Vorderräder. Beeindruckend ebenso, mit welcher Gelassenheit der große Mercedes dabei Unebenheiten wegdrückt. Als 4matic verfügt er zwar nicht über das Magic Body Control-System, doch auch das luftgefederte und adaptiv gedämpfte Fahrwerk lässt wenig Komfortwünsche offen und verschont die Insassen selbst im Sportmodus vor ungebührlichen Härten.

Auf Wunsch darf bis zu 300 km/h schnell gefahren werden

Der doppelt aufgeladene Achtzylinder zeigt sich in der Mercedes S-Klasse ebenfalls von seiner zurückhaltenden Seite, akustisch jedenfalls. Im Sportmodus trompetet er zwar sehr präsent aus vier Endrohren, wird dabei jedoch nie lästig. Die hinterradgetriebene Version benötigt übrigens 0,4 Sekunden länger für den 100-km/h-Spurt, was für die meisten Interessenten von eher akademischer Bedeutung sein dürfte. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h, für 3.213 Euro Aufpreis inklusive Fahrtraining gibt es Vmax 300.

Das alles hat freilich seinen Preis. 152.617 Euro und 50 Cent kostet der Mercedes S 63 AMG 4matic, einschließlich des langen Radstands. Der Mercedes S 63 AMG ist sogar etwas billiger zu haben: mit kurzem Radstand und ohne Allradantrieb für 149.880,50 Euro. Und bevor Sie anfangen zu rechnen: Ja, das ist deutlich weniger als die addierten Aufpreise für die Langversion und den 4matic-Antrieb in der Mercedes S-Klasse-Preisliste (ca. 5.800 Euro). Im Grundpreis des heckgetriebenen Mercedes S 63 AMG sind jedoch Fahrerassistenzpaket Plus und Magic Body Control enthalten. Nicht rechnen sollten Interessenten indes mit besonders niedrigem Treibstoffkonsum. 10,3 Liter Super je 100 km sind es nach NEFZ, kein Geheimnis, im wahren Leben dürften es ein paar mehr werden.

Am Gewicht liegt‘s nicht so sehr, gegenüber dem Vorgänger konnten die AMG-Entwickler durch intelligenten Leichtbau rund 100 kg einsparen, etwa durch eine Lithium-Ionen-Batterie oder die Reserveradmulde aus Karbon. Was freilich nichts daran ändert, dass der Mercedes S 63 AMG knapp über zwei Tonnen wiegt und rund zehn Quadratmeter Land überdeckt. Falls Sie Borkum zuparken wollen. Oder das Saarland.

Fazit

Gerade mit dem Allradantrieb ist der S 63 AMG ein großer Wurf. Die Kombination von hoher Fahrdynamik bei sehr gediegenem Komfort und üppigem Platzangebot, das muss erst mal einer nachmachen. Wird vermutlich etwas dauern.

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