Respekt. Respekt spielt in mehrfacher Hinsicht eine Rolle bei dieser Begegnung. Respekt vor zwei Superlativen zum Beispiel: Der Black Series ist der stärkste SL, den es jemals gab. Und er ist der stärkste AMG, der bisher gebaut wurde. Dann ist da noch ein dritter Grund für Respekt: Mas du Clos, die Rennstrecke in der Auvergne, ist nass vom Regen in der Nacht.
Also bleibt Zeit, noch mal einen Blick in die Rubrik "Was bisher geschah" zu werfen. AMG hatte sich nach den Black Series-Versionen von SLK und CLK vorgenommen, die ohnehin üppige Performance eines SL 65 AMG zu steigern und auch davon eine Black Series-Version anzubieten: 670 statt 612 PS, 3,8 statt 4,2 Sekunden von null auf 100 km/h, 320 km/h Spitze statt der abgeregelten 250, außerdem 250 Kilogramm leichter und mit 327 250 Euro noch mal 105 732 Euro teurer.
Die 160 Ingenieure und 20 Designer von AMG hatten also ordentlich zu tun mit dieser auf nur 350 Stück limitierten Sonderserie, die schon jetzt ausverkauft ist. Die meisten Autos gehen in die USA, 40 bis 60 Exemplare bleiben in Deutschland. Bis auf die Türen wurde jedes Teil angefasst, optisch verändert oder - wie Kotflügel, Motorhaube und Heckdeckel - durch kohlefaserverstärkten Kunststoff (CFK) leichter gemacht.
Vorder- und Hinterachse sind neu entwickelt, ihre Kinematik hat nichts mehr mit der Serie zu tun. Und das Gewindefahrwerk ist komplett einstellbar, ideal für den Einsatz auf der Rennstrecke. Eine wichtige Änderung zeigt sich sofort nach dem Einsteigen.
Ideal für den Einsatz auf der Rennstrecke
Wer das tun will, was man in jedem SL zuerst macht - rechte Hand an den soliden Klapphebel auf der Mittelkonsole und ziehen, bis das Dach komplett geöffnet ist - der findet dort nur den Startknopf vor. Der Black Series-SL hat ein festes, extrem leichtes CFK-Dach. Allein das spart, zusammen mit den Sitzschalen, fast 90 Kilogramm Gewicht. Gut fürs Fahren. Und genau das machen wir jetzt endlich, die Piste ist halbwegs trocken. Erste Runde, zweite, dritte, vierte ...
Was als Erstes ins Bewusstsein rückt: Auch der Black Series ist ein SL, leichter zwar und durch die geänderte Lenkübersetzung und Hydraulik agiler. Aber ein radikales Handlingwunder ist aus dem Gentleman-Sportler SL nun mal nicht zu machen. Selbst nach dem Weight-Watcher- Intensivkurs wuchtet der AMG noch 1.870 Kilogramm durch die Senken und in die leicht überhöhten Kurven von Mas du Clos hinauf.
Er schiebt in den sehr schnellen Wechselkurven über alle vier Räder und pfeift mit den Dunlop Sport Maxx GT (hinten im Format 325/30 auf20-Zöllern) gut gelaunt vor sich hin. Das Spiel im Bremspedalweg nimmt im Lauf der absolvierten Runden zu, was leicht irritiert. Und die Schaltgeschwindigkeit der Fünfgangautomatik kommt auch in der schnellsten Einstellung M2 (255 Millisekunden) spürbar nicht an das Tempo heran, das der kleine V8-Bruder SL 63 mit seiner Siebengang-S-Tronic (100 Millisekunden) bietet.
Aber, und das ist das Entscheidende, es ist faszinierend, wie schnell dieser Supersportwagen das Grundvertrauen bei seinen Piloten auf die100-Prozent- Marke schraubt. Man muss sich nicht lange auf ihn einstellen, sondern ist sofort schnell. Er mag in den Kurven schieben,aber er tut das auf leicht einschätzbare Weise. Wer das ESP im Sport-Modus belässt, erlebt viel Spaß, aber keine Überraschungen.
Ein Auto, drei Charaktere
Wer es ausschaltet und spürt, wie das elektronisch auf 1.000 Newtonmeter begrenzte Drehmoment beim Kickdown über die Hinterachse herfällt, der hat noch mehr Spaß – das Heck kommt schneller als die nächste Sekunde.Die Hände am Lenkrad müssen noch fixer sein. Ein Auto, drei Charaktere:Brutal, wenn man ihn nicht durch ESP einbremst. Beeindruckend im Normalmodus. Und hinterher, auf der Landstraße, mimt er den harmlos Entspannten.






