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Mercedes SLK 200 (R170) Fahrbericht

Den Klappdach-Pionier gibt's ab 3.500 Euro

Mercedes SLK 200, Heckansicht Foto: Achim Hartmann 28 Bilder

Mit dem SLK schuf Mercedes 1996 eine zweite, kompakte Roadster-Baureihe mit hochwertiger Technik. Dass auch das Einstiegsmodell mit 136 PS-Motor richtig Spaß macht, zeigt eine Ausfahrt.

 

27.04.2015 Franz-Peter Hudek Powered by

Wir wollten es unserem Fotografen und unserer jungen Testfahrerin besonders leicht machen, damit sie sich beide gleich von Anfang an in den Mercedes SLK verlieben: Rot sollte er sein und nicht silbern wie die meisten SLK, die stets etwas unterkühlt und reserviert wirken. Wie eben Mercedes aus den 90er-Jahren so sind.

Die Suche nach einem Auto war nicht einfach, doch wir wurden bei Ralf Turowski Automobile in Backnang fündig. Dort erwartet uns jetzt ein Mercedes SLK 200 in Magnarot aus erster Hand mit nur 81.250 Kilometern auf dem Tacho. Auch die inzwischen selten gewordenen, serienmäßigen Hochglanz-Alu-Schmiederäder der ersten SLK-Generation stehen dem roten Coupé - noch ist das Blechdach drauf - ausgesprochen gut. Iris, unser Fotomodell und Testfahrerin, meint dazu: "Eigentlich mag ich keine roten Autos, aber mal einen SLK fahren zu können, ist ganz okay." Also keine Liebe auf den ersten Blick?

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Fahrbericht mit Kaufberatung Mercedes SLK 200
Motor Klassik 05/2014
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SLK löst Klappdach-Epidemie aus

Erste Sitzprobe. Iris in Augenhöhe mit dem Lenkrad. Dank Sitzhöhenverstellung ändert sich die Situation. Iris blickt jetzt problemlos über die lange Motorhaube und deren beiden Ausbuchtungen - sogenannte Power-Bulges - hinweg auf die Straße und auf das hochwertig verarbeitete Cockpit des Mercedes SLK.

Es zeigt einen kuriosen Mix aus Jung und Alt: Während die Mittelkonsole mit ihren praktischen Heizungsdrehreglern in schwarzer Karbon-Optik schillert, erinnern die elfenbeinfarbenen, fast schon patiniert wirkenden Ziffernblätter der chromumrandeten Instrumente an die große Roadster-Tradition von Mercedes. Der Mercedes SLK ist nämlich, und das macht ihn für Sammler und Liebhaber so interessant, der legitime Nachfolger des Mercedes-Klassikers 190 SL, der von 1955 bis 1963 produziert wurde.

Doch noch mehr als das fast schon luxuriös gestaltete Cockpit gefällt Opel-Corsa-Fahrerin Iris das damals neuartige, nach hinten zusammenfaltbare Vario-Dach des Mercedes SLK. Es löste eine regelrechte Blechklappdach-Epidemie aus. Sogar Kleinwagen wie der Peugeot 206, Mitsubishi Colt und Nissan Micra waren davon befallen und wurden durch ihre zusammenfaltbren, platzraubenden Stahldächer zum Teil schwer entstellt.

Aus dem Coupé wird auf Knopfdruck ein schnörkelloser Roadster

Der Mercedes SLK sieht dagegen sowohl geschlossen als auch offen "ganz passabel" aus, wie Iris meint. Auf jeden Fall verrät die Karosserie nichts von der raffinierten Klapp-Konstruktion ihres Blechdachs. Der SLK wirkt wie aus einem Guss, tritt fast schon etwas zu brav auf und verzichtet ganz auf beliebige und modische Design-Gimmicks. Ein Mercedes eben - auf dem Weg zum Klassiker. Daher geht ein großes Lob an die damals federführenden Designer Michael Mauer und Murat Günak, der die SLK-Idee mit zu Peugeot nahm und den 206 CC daraus machte.

Nachdem sich das Dach des Mercedes SLK oberhalb der Heckscheibe zusammengefaltet und nach hinten in den Kofferraum versenkt hat - der Kofferraumdeckel öffnet sich hierzu automatisch von vorne nach hinten -, ist aus dem adretten Coupé ein hübscher, schnörkelloser Roadster mit nicht zu flacher Windschutzscheibe und sanft ansteigender Schulterlinie geworden.

Der Mini-SL überzeugt mit Ausstattung und Verarbeitung

Gleißendes Sonnenlicht erhellt jetzt den hellgrauen Innenraum des Mercedes SLK, wo wir vor dem Losfahren noch einige liebenswerte, fast verspielte Ausstattungsdetails entdecken: an der Rückwand hinter den Sitzen zwei Haken für Handtaschen sowie zwei kleine Utensilien-Netze, eines auch im Beifahrer-Fußraum.

An den Türen verbreiten wie Girlanden geschwungene "Pompadour-Taschen" ebenfalls eine gewisse 190 SL-Behaglichkeit, die gut zu den Instrumenten passt, bei unserer jungen Fahrerin jedoch keine Begeisterungsstürme auslöst. Hier kopiert der Mercedes SLK seinen mehr als doppelt so teuren großen Bruder SL, der innen ebenfalls jede Roadster-Kargheit oder Verarbeitungsnachlässigkeit vermissen lässt - Mercedes eben.

SLK sammelt beim Fahren Punkte

Iris fährt. Und sie fährt gut und sicher. Von Backnang aus geht es in südwestlicher Richtung nach Erbstetten und Burgstetten. Wir durchqueren kleine, verwinkelte Dörfer, stechen dort auf der Hauptstraße direkt an den Häuserecken vorbei. Wieder draußen, bilden Maisfelder mit über zwei Meter hohen Pflanzen regelrechte Dschungelkorridore. Abgemähte Getreidefelder wirken mit den großen, gleichmäßig darauf verteilten Strohtrommeln wie künstlerische Installationen – Land Art. Ein Wendemanöver mit dem Mercedes SLK wäre uns jedoch beinahe zum Verhängnis geworden: Unter dem Stroh lauerte lehmiger Morast.

Iris' Fahrspaß steigert sich mit jedem gefahrenen Kilometer. Der Mercedes SLK sammelt Punkte wie Conchita Wurst beim European Song Contest, wenn Iris mit leuchtenden Augen beim Zwischenstopp rapportiert: "Cabriofahren ist grundsätzlich eine schöne Sache, weil man von draußen alles viel intensiver mitbekommt." Im SLK mache es aber besonders viel Spaß: "Das Auto kommt einfach überzeugend rüber, obwohl es immerhin schon 15 Jahre alt ist." Es liege "stabil und sicher" auf der Straße und lasse sich mit seiner direkten Lenkung sehr exakt manövrieren. Sogar die gerne als hakelig kritisierte Fünfgang- Schaltung sei "super".

Mercedes SLK als Langzeit-Tresor

Doch was ist mit dem Motor? Reichen die 136 PS des Zweiliter-Vierzylinders aus? Fehlt der Kompressor? Iris wundert sich und sagt dann: "Der hängt immer gut am Gas. Man muss zum Beschleunigen nur runterschalten, wenn man es wirklich eilig hat." Und dann würde der Vierzylinder bis zu den erlaubten 6.000/min richtig gierig hochdrehen.

Stimmt. Immerhin liegt die Werksangabe für den Sprint von 0 auf 100 km/h bei respektablen 9,3 Sekunden. Einziges Manko: "Einen richtig schönen Sound hat der Vierzylinder-Motor eigentlich nicht." Dafür wirkt der auch wegen seines Falt-Stahldachs respektable 1,27 Tonnen schwere Mercedes SLK sehr solide gebaut. Nur die dünn gepolsterten und ziemlich klein geratenen Sitze schmälern etwas den Eindruck, in einem Langzeit-Tresor unterwegs zu sein.

Mini-Kofferraum ist das größte Manko des SLK

Der Rest des Mercedes SLK überzeugt mit echter Mercedes- Qualität, die sich auch in der langlebigen Klappdach-Konstruktion zeigt. Sie hat jedoch einen gravierenden Nachteil: Bei geöffnetem Dach reduziert sich das Volumen des Kofferraums von ordentlichen 348 auf mickerige 145 Liter. Das bedeutet, dass jede Reise mit viel Gepäck bis zum Hotel nur im geschlossenen Zustand stattfinden kann.

Iris, die sich nun doch in den Mercedes SLK verliebt hat, sieht darin kein Problem, eher im Preis: "Die aufgerufenen 5.900 Euro könnte ich derzeit nicht aufbringen. Und dann ist da ja auch dieses Rot", sagt sie nach der Ankunft auf dem Parkplatz.

Ralf Turowski, der stets einige Mercedes-Youngtimer im Angebot hat, bleibt gelassen: "Der rote Mercedes SLK ist bereits verkauft. Und falls Bedarf wäre - ich habe noch einen blauen und einen silbernen."

So viel kostet ein Mercedes SLK (R170)

classic-analytics notiert einen Mercedes SLK 200 in Zustand 2 mit 7.900 Euro, im mäßigen Erhaltungszustand mit 2.600 Euro. Die stärkeren 230 Kompressor liegen rund 1.000 Euro darüber. Das Topmodell Mercedes SLK 32 AMG ist in gepflegtem Zustand für rund 15.000 Euro zu haben, der zwischen 2000 und 2004 gebaute SLK 320 mit 218 PS-Reihensechszylinder kostet um 10.000 Euro.

Fazit

Auch mich hat der Mercedes SLK überrascht. Bereits die Basisversion glänzt mit einem gelungenen, frischen Interieur. Die Leistung des Zweiliter-Motors ist mehr als ausreichend. Und dann das typische Mercedes-Gefühl: solide, freundlich (!), unumstößlich

Technische Daten
Mercedes SLK 200
Grundpreis27.047 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3995 x 1715 x 1284 mm
KofferraumvolumenVDA348 L
Hubraum / Motor1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung100 kW / 136 PS (190 Nm)
Höchstgeschwindigkeit208 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 s
Verbrauch9,1 L/100 km
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