Mercedes SLK 55 AMG im Fahrbericht: Soundgarantie bei offenem Verdeck

Mercedes SLK 55 AMG

Der neue Mercedes SLK 55 AMG saugt noch aus dem Vollen - ohne Aufladung, aber aus einem Motor mit 5,5 Liter Hubraum, der vier von acht Zylindern abschalten kann.

Früher Morgen in San Francisco, der Jetlag noch spürbar in den Knochen. Der Mercedes SLK 55 AMG rollt mitten in der City an, schraubt sich die berühmten Hills hoch und bewegt sich Richtung Golden Gate Bridge – alles vorschriftsmäßig im Stadttempo, denn die Cops lauern bekanntlich überall.

Mercedes SLK 55 AMG über Land entspannter

Dabei vertreibt der Mercedes SLK 55 AMG die Restmüdigkeit seiner Passagiere mit kleinen Stößen: Die US-Straßen, für ihren desolaten Zustand bekannt, bekommen dem leistungsstärksten SLK aller Zeiten bei niedriger Geschwindigkeit nicht gut. Seinem Sportfahrwerk mit Direktlenkung und Torque Vectoring über Bremseingriff am kurveninneren Rad stoßen die vielen Schlaglöcher mächtig auf. Doch was sich zunächst nach ungebührlicher Härte anfühlt, weicht hinter den Stadtgrenzen der US-Metropole einem weit entspannteren Umgang mit Belagsfehlern.

Zylinderabschaltung nur bei geschlossenem Dach

Der Mercedes SLK 55 AMG nimmt sie hier mit souveräner Gelassenheit, die dafür sorgt, dass die Freude am Fahren nicht versiegt. Das wäre auch schade, denn schon nach wenigen Metern ist spürbar, welch hohes Potenzial hier lauert. Spielerisch lässt sich der Roadster mit wenig Aufwand dirigieren und überzeugt mit einer extrem direkten Lenkung. Warum kann das BMW im Z4 eigentlich nicht mehr, sinniert da der Pilot schon nach kurzer Fahrdistanz.

California Dreamin, Sonnenstrahlen im November, runter mit dem Dach. Das hat nur einen Nachteil: Die zur Kraftstoffeinsparung eingeführte Zylinderabschaltung tut dann kaum noch Dienst, besser gesagt nur im Schubbetrieb des Mercedes SLK 55 AMG. Warum? Damit man bei offener Fahrt jederzeit das herzhafte Trompeten des Achtzylinders genießen kann.

Mercedes SLK 55 AMG mit beeindruckendem Sound

Der Sound klingt in der Tat beeindruckend, wobei die Arbeitsgeräusche dieses hochmodernen Triebwerks nicht ganz so respekteinflößend sind wie das Fauchen und Blubbern alter Big-Block-Motoren. Wenn sich das Blechdach des Mercedes SLK 55 AMG schließt, schalten sich im Teillastbereich die Zylinder zwei, drei, fünf und acht ab – und zwar unmerklich innerhalb von 30 Millisekunden, vorausgesetzt, man hat den Eco-Modus "C" vorgewählt. Das hilft in Kombination mit der hervorragend funktionierenden Start-Stopp-Automatik, den Benzinverbrauch laut Werksangabe im Schnitt auf 8,4 Liter pro 100 Kilometer zu begrenzen. Ob dieser Wert realistisch ist, muss ein Test klären.

Unabhängig davon kann man AMG aber guten Gewissens attestieren, sich schon seit Jahren mit dem Thema CO2-Reduzierung aktiv auseinandergesetzt zu haben. Und so macht es einen Riesenspaß, mit dem agilen Mercedes SLK 55 AMG über die Highways zu cruisen. Gasstöße setzt er spontan um, verheimlicht dem Fahrer aber nicht, dass da ein dicker Achtzylinder unter der Motorhaube Platz genommen hat – auch wenn dieser es dank Leichtbau auf ein Gewicht von "nur" 187 Kilogramm bringt.

Laut Werk beschleunigt die Hochleistungsversion Mercedes SLK 55 AMG (422 PS) mit 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h exakt eine Sekunde schneller als der Serien-SLK 350 (306 PS). Das ist in der Praxis weniger zu spüren als die Unterschiede im Preis: Die AMG-Version ist mit 72.590 Euro je nach Ausstattung mindestens 20.000 Euro teurer.

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Birgit Priemer

Autor:

auto motor und sport, Heft 26 / 2011

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