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MG Midget Mark III als Einstiegs-Oldtimer

Mein erster Klassiker

MG Midget Mark III, Antje Fälscher, Cockpit Foto: Arturo Rivas 8 Bilder

Manchmal dauert es Jahrzehnte, bis der Zündfunke zum Oldtimer überspringt. Dann reicht nur ein Impuls, wie beim Verliebtsein, und es passiert. Wie bei Antje Fälscher und ihrem MG Midget Mark III.

22.12.2014 Powered by

Es war das Jahr, in dem Christian Anders mit dem Zug nach Nirgendwo fuhr, Deutschland die Fußball-Europameisterschaft in Belgien gewann und hierzulande die Verbandskastenpflicht in Kraft trat: das Olympia-Jahr1972. In dieser Zeit war ich das erste Mal in einen langhaarigen Jungen verknallt. Damals wusste ich natürlich noch nichts davon, dass mein MG Midget Mark III in England gebaut und in der Farbe Black Tulip in die USA ausgeliefert wurde.

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Mein erster Klassiker MG Midget Mark III
Motor Klassik 08/2014
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Hätte mir damals jemand prophezeit, dass mir dieser kleine MG Midget 41 Jahre später in Inkagelb jeden Morgen aus meiner Garage entgegenlächeln würde, ich hätte ihn wohl nicht ganz ernst genommen. Schon als Kind hatte ich meine Eltern schnell davon überzeugt, dass ich lieber mit Siku-Autos spiele, statt einer Barbiepuppe die Haare zu kämmen. Kaum war ich 18, stand dann auch die Führerscheinprüfung an, und ab sofort gehörte ein Auto zu mir wie mein Name an der Tür. Damals reichte das Budget nur für „normale“ Alltagsautos. Geliebäugelt habe ich aber mit schönen schnellen und auch mit schönen alten Wagen, aber die Zeit war noch nicht reif, oder ich war noch nicht reif.

MG Midget statt Yamaha-Motorrad

Als ich dann vor einigen Jahren meinen einzigen bis dahin verwirklichten motorisierten Traum eines Yamaha-Bikes verkauft hatte, war die Lücke auf einmal da – und diesmal größer als je zuvor. Dann, im Januar 2013, habe ich den MG Midget in Oberhausen im Veteranen-Laden entdeckt, bin kurz mit ihm um den Block gefahren, habe einmal die drei kleinen Scheibenwischer vor meiner Nase hin- und herfahren lassen, und schon war es um mich geschehen. Dieses kleine Auto war 1972 nur für mich gemacht worden, da gab es gar keinen Zweifel!

Seither bin ich also stolze Besitzerin eines Oldtimers. Der MG Midget wird verständlicherweise oft mit dem Austin- Healey Sprite MK II verwechselt. Kein Wunder, denn die beiden unterscheiden sich lediglich durch ihren Kühlergrill, leicht modifizierten Chromzierrat und die Markenembleme. Nach dem Motto „Klein, aber fein“, und das am liebsten jeden Tag, habe ich den Tachostand bereits in einem Jahr von 69.109 miles auf 70.969 miles (also um 3.000 Kilometer) raufgekurbelt. Und das war ganz leicht: einfach fahren und Spaß haben. Freunde witzelten schon über meine neue Leidenschaft, warum ich das kleine Auto über Nacht nicht im Wohnzimmer statt in der Garage parken würde.

Sympathieträger, der alle zum Lächeln bringt

Neben der Freude am Fahren bin ich nach wie vor fasziniert, wie mein Auto es schafft, in die Gesichter am Straßenrand ein liebevolles Lächeln zu zaubern. Egal ob alt, jung, weiblich oder männlich: Der MG Midget erfreut sich einer unglaublichen „Einschaltquote“ auf der Straße, und ich frage mich jedes Mal: Ist es dieses sonnige Gelb, sind es die drei winzigen Scheibenwischer oder hat der Kleine trotz seines stattlichen Alters immer noch so eine Art Welpenschutz?

Aber so „klein und putzig“ das Auto mit seinen 720 Kilogramm Eigengewicht daherkommt, so verlässlich und erwachsen zeigt es sich im Fahrverhalten auf der Straße. Am Anfang hatte ich das Gefühl, der MG Midget wollte von mir nicht gefahren werden. Die Gänge kreischten giftig, wenn ich mich ausnahmsweise mal nicht an den für „Engländer“ empfohlenen God-save-the-Queen-Schaltrhythmus gehalten habe.

Erst zusammenraufen, dann genießen

Das Auto bekam heftig Schlagseite, wenn mein Beifahrer mal ein Schnitzel zu viel gegessen hatte, oder der MG Midget rüttelte und schüttelte sich beim Starten, wenn er mal länger als drei Wochen in der dunklen Garage gestanden hatte, obwohl zur gleichen Zeit draußen schönstes Cabrio-Wetter war, das ich aber nicht nutzen konnte. Meine weibliche Intuition hat mir dann souffliert, dass ich mich einfach mehr mit dem Auto beschäftigen müsse.

Ich habe viel Zeit investiert, mit dem MG Midget zu fahren und mich hineinzufühlen, wie er behandelt werden möchte. Heute würde ich mich fast als Midget-Flüsterer bezeichnen und gebe anderen MG-Besitzern bereits kluge Ratschläge. Ich weiß, was mein MG mag, nämlich stundenlang in moderatem Tempo über sonnige Strecken cruisen, und was er nicht mag: im Stau stehen oder sich länger als eine halbe Stunde mit anderen Autos auf der Autobahn bei Vollgas messen.

MG Midget hilft Ferrari auf die Sprünge

Wenn ich ihm neben der geballten Aufmerksamkeit und meiner Empathie dann noch bei jeder zweiten Tankfüllung seinen Blei-Ersatz ins Futter mische, läuft er rund und zufrieden und klingt, dank Sportauspuff, wie ein Großer. Sehr selbstbewusst machte ihn letzten Sommer die „Rettungsaktion“ eines älteren Ferrari, der, neben meinem MG Midget vor einem Waldgasthof geparkt, nicht mehr anspringen wollte. Mit einem Überbrückungskabel hat der Kleine dann die „Mund-zu-Mund-Beatmung“ übernommen, und der Ferrari erwachte. Für so einen Zwerg ein großes Erlebnis.

So hab ich mich auch mittlerweile an ein paar launige Seiten des Oldtimers gewöhnt: daran, dass ich das Verdeck nicht alleine zubekomme. Oder daran, dass das Auto ab und zu an Inkontinenz leidet und in der Garage peinliche Flecken hinterlässt. Oder dass mir im Regen das Wasser vom Dach auf die Knie tropft. Alles kein Thema; solange es so viel Spaß macht, mit ihm zu fahren, und er selbst finsterste Mienen zum Lächeln bringt, versuche ich ihn bei jeder Rast so zu parken, dass ich ihn auch stets bewundern kann – meinen MG Midget.

Midget und Morgan – ein schönes Paar

Mein Fazit: Die Frau, die sich in einen Oldtimer verliebt, sollte nicht lange zögern und sich diesen Traum erfüllen. Sie sollte aber auch genügend Zeit aufbringen, sich mit dem Auto zu beschäftigen, und nicht gleich bei der ersten Panne den Schlüssel in den Gulli werfen. Es lohnt sich, so ein Auto bringt jede Menge Fahrspaß, und es muss ja nicht unbedingt ein Mini-Auto wie der MG Midget sein. Die Gefahr besteht allerdings, dass es dann nicht bei dem einen Oldtimer bleibt und frau sich schon nach dem nächsten „Alten“ umdreht – ich habe mich gerade in einen alten Morgan Plus 8 Roadster verliebt.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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