Mini Cooper Cabrio: Fahrspaß oben ohne

Mini Cooper Cabrio

Mit mehr Stoff noch verführerischer. Das neue Mini Cabrio zelebriert die Spaßkomponente am Autofahren und setzt damit einen bunten Kontrapunkt zur allgegenwärtigen Vernunfts-Diskussion. Fahrbericht der Mini Cooper S-Version.

Was für ein quietschgelbes Spielmobil. Auch in seiner zweiten Generation ist das Mini Cabrio immer noch mitten drin in der Auto-Pubertät. Und wird da wohl auch nie rauskommen - wenn es vernünftig ist. Denn der größte Teil seines Verkaufserfolges (160.000 Stück) geht nun mal auf das Konto der ach-ist-dersüß- und-offen-noch-viel-süßer-Aura.

Hippes Cabrio

Frech und emotional entzieht sich der Luxus-Kleinwagen cool der grassierenden automobilen Sinnkrise. Dabei gibt es einen ganz pragmatischen Grund, den anglophilen Wusler zu kaufen - nein, nicht die kleineren Parkplatzprobleme: Der Werterhalt ist exzellent und lindert damit die 22.500 Euro teuren Basispreis-Schmerzen. Und das, obwohl Mini-Käufer ihren kleinen Liebling mit Ausstattungs-Extras im Durchschnittswert von rund 6.000 Euro überhäufen. Hier Dekorringe, da etwas Pepper oder Chili (Ausstattungslinien), fertig ist ein scharfer Cabrio-Zwerg.

Um die Kunden bei Laune zu halten, gibt’s in der neuen Version noch ein paar Lifestyle- Gimmicks obendrauf. An vorderster Front steht der neue Always- open-Timer - ein Rundinstrument-Zeitmesser direkt neben dem Drehzahlmesser. Er zeigt, wie lange der Fahrer schon offen flaniert. Braucht kein Mensch, aber weh tut er auch nicht. Für die Mini-Marketing-Strategen bedeutet es jedenfalls den Beginn von leidenschaftlichen Internet-Community-Diskussionen, wer denn jetzt länger bei Regen und Minusgraden das Stoffmützchen hinter den klaustrophobischen Fond gefaltet lässt. Fehlt zur Komplettierung noch ein Fach für Erkältungsarznei.

Nur 15 Sekunden dauert der elektrohydraulische Offenbarungseid (bis 30 km/h), und in Zeiten der immer mehr um sich greifenden Windabweiser-Cabrios ist es eine Wohltat, dass die steil stehende Frontscheibe besonders viel Frischluftraum vor dem Näschen zulässt. So sammelt der Fahrer vergnügt Open-Air-Zeitpunkte. Die gibt es freilich nur bei voll heruntergelassenem Verdeck. Nur die Dachluke des neuen Sonnenrollos zu öffnen, adelt einen noch lange nicht zum Cabrio-Helden, ein nettes Gimmick bleibt es trotzdem. Wie auch das ganze Barbie- und-Ken-Armaturenbrett-Ensemble: Schön, dass bei Mini eine derartige Kunststoff-Kompetenz und Sinn fürs Große (Mittel-Tachometer) sitzt, obwohl das Design ruhig ein wenig klassischer und stilechter sein dürfte. Aber bitte nicht ohne die kultigen Kippschalter - was auch immer die Ergonomen sagen mögen.

Doch selbst das hippste Cabrio erreicht irgendwann den Punkt, an dem es recht spaßfreie Dinge machen muss. Rückwärts einparken zum Beispiel. Für Überblick nach hinten sorgen größere Seitenfenster, serienmäßige Parkpiepser und jetzt unterhalb der hinteren Kopfstützen kauernde ausfahrbare Überrollbügel. Einteilig ausgeführt, erlauben sie als Nebeneffekt inzwischen eine größere Durchladeöffnung mit geteilt umklappbaren Lehnen. Macht bei geschlossenem Verdeck bis zu 660 Liter Shopping-Raum. Womit man, zumindest bei einem großen Teil der Käufer, wieder beim Vergnügen wäre. Ernüchternd bleibt die Standard-Gepäckraumgröße: 125 Liter.

Dass die Pressemappe stolz auf fünf Liter mehr als beim Vorgänger hinweist, zeigt plakativ die Größe der Platznot. Mit rudimentärem Talent zum Basteln kann bei geschlossenem Verdeck die Gepäckraumabdeckung etwas nach oben geschwenkt werden. Macht 170 Liter - immerhin.

Spaßmobil zum Haken-Schlagen

Wenden wir uns wieder dem zu, was der Mini eindeutig am besten kann: Mit immensem Fahrspaß die Grinsmuskeln massieren. Auch wenn das steifstabile Cabrio mehr wiegt als der Festdach-Bruder, bleibt es ein Renn-Kaninchen auf etwas zu viel Red Bull. Auf der Flucht vor der fahrdynamischen Langeweile schlägt es Haken um jede Kurve. Nichts neues, aber immer wieder herrlich. Die üblichen Mini-Nebenwirkungen wie die agil-hypernervöse Lenkung, die leidlich präzise Schaltung und Traktionsmangel-Scharren bei Nässe bleiben wie gehabt.

Gerade in der straffen Cooper S-Version plaudert das Fahrwerk zudem mehr als notwendig über den Straßenbelag. Wer Mini kauft, muss Mini vertragen können. Nur die alten, zähen und schluckfreudigen 1,6-Liter-Chrysler-Motoren schrien nach Ruhestand. Im neuen Cabrio brummt, röhrt und pfeift jetzt endlich wie im Blechdach-Mini ein hubraumgleiches Direkteinspritzer-Herz aus der BMW-Peugeot-Kooperation. Wobei die Bayern den Löwenanteil der Entwicklung für sich beanspruchen.

Zusammen mit dem serienmäßigen Start-Stopp-System verspricht Mini für die munter und elastisch antretenden Aggregate einen Verbrauch zwischen 5,7 (120-PS-Cooper) und 6,4 Liter (175- PS-Cooper S) pro 100 km - vernünftig. Ab März steht die zweite Generation des offenen Oxforders bei den Händlern: Play it again. Mini.

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