Mini Cooper D im Fahrbericht

Mini mit Facelift und neuem Diesel

Mini Cooper D

Der Mini D zündet jetzt selbst: Er bekommt von BMW ein eigenes Dieselherz. Um das gebührend zu feiern, rüscht sich der kleine Brite auf.

Gestern abend war anders. Eine Autopremiere ohne Visitenkartenbasar, ohne Pressekonferenz, auf der mit großer Ernsthaftigkeit die Serienausstattung bis zur Bezeichnung von Radzierblenden oder Polsterstoffen vorgetragen wurde, und - tatsächlich - ohne Power-Point-Präsentation. 

Mini Cooper D mit kaum erkennbarem Facelift

Gestern abend gab es Gummibärchen und einen Autoschlüssel - den zum Mini Cooper D. Was sich anbot, denn abgesehen vom neuen Triebwerk ist Facelift ein großes Wort für das, was sich beim Mini getan hat. Hier schnell die Änderungen, die außer Kennern wohl keinem auffallen: neun Millimeter längere Frontschürze mit besserem Fußgängerschutz. Für den haben nun alle Modelle die etwas höher gewölbte Cooper S-Haube, wobei der Lufteinlass den Turbobenzinern vorbehalten bleibt. Dann gibt es noch adaptives Kurvenlicht (nur mit Bi-Xenon), geänderte Seitenblinker, neue Heckleuchten mit LED-Leuchtbögen und eine andere Heckschürze.

Neuer Mini-Dieselmotor von BMW

Noch alle wach? Gut, dann bringen wir den Innenraum hinter uns: geänderte Klimaregler, feinere Materialien, bessere Verarbeitung, neues Infotainmentsystem mit iPhone-Anbindung. Jetzt zum Bedeutenderen, dem Turbodiesel: Den 1,6-Liter-PSA-Diesel ersetzt ein gleich großes, BMW-eigenes Triebwerk, das auf dem vielgerühmten Zweiliter-Common-Rail-Diesel basiert und für den Quereinbau adaptiert wurde. Bohrung und Hub veränderten die Ingenieure so, dass sich das gleiche Verhältnis wie beim Zweiliter ergibt und damit eine kurzhubigere Auslegung und höhere Drehfreude als bei der PSA-Maschine. Anders als sie erfüllt der neue Motor die Abgasnorm Euro 5, hält aber dasselbe Leistungsniveau: Als One kommt er unverändert mit 90 PS, der Mini Cooper D gewinnt zwei auf nun 112 PS.

Mini Cooper D kommt schnell auf Touren

Dagegen sinkt der Normverbrauch trotz der konsumintensiveren Euro 5-Abnahme auf jeweils 3,8 L/100 km und damit unter die Marke von 100 g CO2/km. So, noch ein Gummibärchen auf den Weg, Schlüssel rein und ab. Forsch-knurrig im Ton, legt der Mini Cooper D homogen, ohne Turboloch-dann-Turbobumms-Theatralik los und stellt sich an der Ampel eilig aus, obwohl er vorher länger stand. Durch wirksamere Isolierung hält die Maschine besser ihre Wärme, schont sich so beim Start und kommt schneller auf Temperatur. Der Mini Cooper D hat sie längst erreicht, als er auf die Autobahn biegt. Trotz längerer Achsübersetzung zieht er auch in den oberen Gängen der exakt schaltbaren Sechsgangbox elastisch voran, erst oberhalb von 160 km/h ebbt das Temperament im Fahrbericht ab.

Großer Fahrspaß im Mini Cooper D

Was schon deswegen nicht schadet, weil der Wind dann um die Karosse brandet. Das mindert den Fahrkomfort wie die bekannt stramme Federungsabstimmung. Die Nacht ist dunkel, nass und neblig, es wären nur noch 30 km bis nach Hause. Wenn da nicht die Abfahrt zur Lieblingsstrecke wäre. So kurvt der Mini Cooper D durch den Wald die Alb hinauf, wie es nur ein Mini kann - mit ansatzloser, präziser Reaktion auf Lenkimpulse, fein austariertem Kurvenverhalten und einem Handling, an dem man sich schwindelig fahren kann. Dabei zieht und dreht der Selbstzünder mit Wucht und besten Manieren. War der Diesel bisher der sparsamste, aber nicht der beste Mini-Motor, so ist auch das seit gestern abend anders.

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Sebastian Renz

Autor:

auto motor und sport, Heft 18 / 2010

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