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Fahrbericht Mini Cooper S Cabrio

Größerer Offen-Mini oder kleinstes BMW Cabrio?

Mini Cooper S Cabrio Foto: Fabian Kirchbauer 34 Bilder

Nach dem geschlossenen kommt der der offene Mini der dritten Generation. Größer und moderner als sein Vorgänger, noch dazu auf BMW-Plattform. Reicht es immer noch für den wuseligen Fahrspaß der Ahnen? Wir finden das raus.

17.02.2016 Jörn Thomas

Zunächst mal Vielen Dank an BMW. Danke dafür, dass ihr wieder ein Cabrio gemacht habt. Coupé und Roadster waren ja beim Vorgänger verkaufsseitig nicht sooo der Brüller, da könnte man die Zahl der spaßigen Derivate ja auch eindampfen. Zudem wird es in der Abteilung klein, knuffig, offen langsam ganz schön einsam. Denn streng genommen spielen VW Golf und Beetle eine Liga höher, Mazda MX-5 und Fiat 124 Spider sind zweisitzige minimalistische Roadster. Sei’s drum, mit seinen 3,82 Meter Länge ist der Mini immer noch nicht zu groß um noch als Lausbub durchzugehen. Wobei der Konzern allerhand unternimmt, um ihn erwachsen werden zu lassen - nicht nur marketingmäßig mit veränderter Werbestrategie.

Technisch teilt sich Mini jedenfalls die Plattform mit den vorderradgetriebenen BMW-Geschwistern, etwa dem kommenden Einser und den Zweiern. Schlimm? Auf keinen Fall, wie wir schon direkt nach dem Losfahren konstatieren. Es ist noch ein Mini. Die LED-Kirmes funzelt, der riesige runde Zentraldingsda glotzt einen an, die verchromten Kippschalter (Toggles) haben überlebt. Der 27.950 Euro teure Cooper S packt uns serienmäßig in ausreichend große Sportsitze mit ordentlich Seitenhalt und ausziehbarer Sitzfläche, das Lenkrad kommt einem dank großem Verstellbereich buchstäblich entgegen. Toll!

Mini Cooper S Cabrio: Exakte und sportive Lenkung

Und auch wenn die elektromechanische Lenkung nicht mehr ganz so hibbelig anspricht, sie arbeitet exakt und sportiv. Fein aus der Mittellage, kalkulierbar in der Kurve, mit passender Servounterstützung. Agil, aber nie nervös saust der Mini mit längerem Radstand und breiterer Spur durch die Kurven. Dabei nimmt er sogar provozierte Lastwechsel eher gelassen zur Kenntnis als zum Anlass, den Wagen zornig herumzudrehen.

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Fahrbericht Mini Cooper S Cabrio und Ur-Mini
auto motor und sport 05/2016
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Mini Cooper S CabrioFoto: Fabian Kirchbauer
Agil, aber nie nervös saust der Mini mit längerem Radstand und breiterer Spur durch die Kurven.

Cooper S: da hat man schließlich einen Ruf zu verlieren. So hält das Fahrwerk mit Multilenker-Hinterachse dank gesunder Straffheit ohne nervige Härte stets sauber Bodenkontakt, die in zwei Stufen verstellbaren Dämpfer (nicht adaptiv) passen sich dem persönlichen Geschmack an. Ab und zu teilt es einen kleinen Knuff aus, sonst passt alles. Normalstellung reicht, Sport wirkt sowohl bei der Dämpferkennung als auch den Fahrprogrammen, die unter anderem das Motoransprechverhalten ändern, auf normalen Landstraßen fast übermotiviert.

Speziell beim Genussfahren mit offenem Verdeck. Jenes stammt grundsätzlich vom Vorgänger, arbeitet nun dank optimierter Gestängeverkleidung und vollelektrischer Betätigung komfortabler. In 18 Sekunden summt die Mütze besonders leise rauf und runter, was im Stand auch per Funkschlüssel, ansonsten bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 30 km/h möglich ist. Wer die Scheiben rauffährt und das Windschott installiert kann offen richtig schnell fahren, ohne dass der Wind zum Sturm wird. Den kleinen Frischlufthunger zwischendurch bedient, wie beim Vorgänger, die Schiebedachfunktion des Stoffverdecks, die bei jedem Tempo aktivierbar ist. Komplett offen bietet der Mini dann schon ambitioniertes Haarwuscheln.

Mini Cooper S CabrioFoto: Fabian Kirchbauer
Das Verdeck stammt grundsätzlich vom Vorgänger, arbeitet nun dank optimierter Gestängeverkleidung und vollelektrischer Betätigung komfortabler.

Breite Motorenpalette von 102 bis 231 PS im Mini Cooper S Cabrio. Auch Diesel!

Zumal unter der Motorhaube des Cooper S ein wacher Typ steckt. Der Turbo-Zweiliter mit 192 PS spricht willig an, zieht ordentlich durch, schickt bis zu 300 Newtonmeter an die Vorderachse. Dort hilft unter andrem eine elektronische Differenzialsperren-Simulation, die Kraft auf den Asphalt zu bringen. Was ordentlich gelingt. Ohnehin ist der Zweiliter kein wilder Anreißer, eher ein sportiver Kumpel breitem Drehmomentkreuz, der den 1,5-Tonner auf maximal 230 km/h wuchtet, ab und zu beim Gaswegnehmen aus dem Auspuff ploppt.

Wilder dürfte es da an Bord des John Cooper Works mit 231 PS zugehen, wobei auch der in der aktuellen Generation gereifter erscheint als die früheren JCW-Guerilleros. Los geht das Benziner-Vergnügen entspannt mit dem One und seinem 1,2-Liter Dreizylinder. 102 PS in Verbindung mit sanftmütig dargereichtem Drehmoment und feiner Laufkultur reichen für gepflegtes Cruisen locker aus. Alternativ gäbe es noch den 1,5-Liter-Triple mit 136 PS im Cooper sowie zwei Diesel (Drei- und Vierzylinder, 116 und 170 PS stark). Die Sechsgangautomatik arbeitet zwar per Wandler, reagiert aber erfreulich fix und situativ, die Handschaltung gefällt mit knackiger Führung.

Etwas knackiger erscheint auch die Linie des Neuen. Nein nicht an der Front, die ist unter anderem dem Fußgängerschutz geschuldet, sondern hinsichtlich der Proportionen: Länger und breiter, aber kaum höher. Und natürlich den Verzicht auf feststehende Überrollbügel, die ab sofort innerhalb von 150 Millisekunden pyrotechnisch getrieben aus der Versenkung schießen.

Mini Cooper S CabrioFoto: Fabian Kirchbauer
Der Gepäckraum wartet immer noch hinter einer nach unten schwenkenden Heckklappe - dank 80 Kilo Tragfähigkeit praktisch fürs Picknick und Redakteur Jörn Thomas.

Stichwort Versenkung: Der Gepäckraum wartet immer noch hinter einer nach unten schwenkenden Heckklappe - dank 80 Kilo Tragfähigkeit praktisch fürs Picknick. Er wuchs auf zudem auf 215 bei geschlossenem und 160 Liter bei offenem Verdeck. Easy Load hilft beim Beladen, die umlegbaren Rücksitzlehnen bei Sperrgepäck, die knapp vier Millimeter mehr Beinfreiheit den hinten Sitzenden - ohne das es dort tatsächlich komfortabel zuginge. Zum Eisdielen-Hopping reicht es. Im Gegensatz zu den vorderen Plätzen, wo der Mini inzwischen Erstwagenqualitäten bis hin zur Reisetauglichkeit besitzt. Auch wegen des größeren Platzangebots, bequemerer Sitze und verbesserter Qualitätsanmutung.

Hinzu kommt eine üppige Ausstattung (das meiste optional). Neben Zweizonen-Klima mit Cabriofunktion steht eine kompetente Multimedia-Abteilung samt Online-Verkehrsinfo plus verschiedene Apps, adaptive LED-Scheinwerfer, heizbare Frontscheibe, Head-up-Display, LED-Lichtspiele im Innenraum, Abstandsregeltempomat mit Bremsassistent und Personenwarnung, Parkassistent und mehr zur Verfügung.

Fazit: Ja, auch das Mini Cabrio wird erwachsener. Aber nein, bräsig wird es noch lange nicht. Nennen wir es lieber: Vielseitiger. Aber jetzt Verdeck auf und Gas!

Technische Daten
Mini Cooper S Cabrio
Grundpreis29.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3850 x 1727 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA215 bis 731 L
Hubraum / Motor1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung141 kW / 192 PS (300 Nm)
Höchstgeschwindigkeit228 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,1 s
Verbrauch5,6 L/100 km
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