Mini Coupé JCW im Fahrbericht: Fahrspaß mit praktischen Seiten

Mini JCW Coupé

Sein Dach ähnelt einer verkehrt herum aufgesetzten Baseball-Kappe, die Rückbank flog gleich ganz raus: Das Mini-Coupé will alles, aber bloß nicht angepasst sein. Dabei hat der Zweisitzer durchaus praktische Seiten.

Von wegen mini. Selbst Familien finden bei der britischen BMW-Tochter mit dem Countryman das passende Auto, und so langsam wird die Modellpalette selbst ziemlich maxi. Variante fünf interpretiert das Thema jedoch auf die bislang radikalste Art: Da Coupé von kupieren, also abschneiden kommt, endet das Dach gleich hinter den Köpfen der Passagiere und symbolisiert eine verkehrt herum aufgesetzte Baseball-Kappe.

Die große Öffnung im Schild der Mütze verbessert dabei die Anströmung des Heckspoilers, der automatisch ab 80 km/h ausfährt und bis zu 40 Kilogramm zusätzlichen Abtrieb beschert.

Mini Coupé mit überraschend viel Platz

Ungewöhnlich auch die Windschutzscheibe, die 13 Grad flacher steht als bei der Ausgangsbasis. Trotz des unverändert übernommenen Armaturenbretts kommt das Coupé daher nicht an das luftige Raumgefühl und die problemlose Übersicht des klassischen Mini heran. Doch der erste Zweisitzer der Marken-Familie ist beileibe kein unpraktisches Auto. Der Verzicht auf die Rückbank sorgt für einen großen Kofferraum, der mit 280 Liter Volumen sogar den der Langversion Clubman übertrifft und sich über die weit vorn angeschlagene Heckklappe bequem beladen lässt. Hinter den Sitzen ist zusätzlich Platz für Taschen und Kleinzeug. Eine von vorn bedienbare Durchlade ermöglich sogar den direkten Zugriff ins Gepäckabteil. Die Trennwand hinter den Sitzen verdankt er übrigens Mini Nummer sechs, dem 2012 folgenden Roadster. Da sich die beiden aus Kostengründen einen Großteil der Karosserie teilen, bekam das Coupé die Stabilitätserhöhung gleich mit spendiert.

Doch Verwindungssteifigkeit schadet nie, ermöglicht sie doch dem in dieser Klasse einzigartig aufwendigen Fahrwerk aus Alu-Querlenkern vorn und Multilenker-Hinterachse eine besonders präzise Radführung. Tatsächlich lenkt der Wusel-Zwerg sehr spontan ein, bleibt bis in den Grenzbereich neutral und lässt sich über die präzise elektromechanische Lenkung leicht beherrschen. Beeindruckend zudem, wie er die 211 PS der getesteten John Cooper Works-Variante auf die Straße bekommt. Selbst beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren hält die elektronische Differenzialsperre die Zügel fest im Griff und den Mini auf Kurs. Suchtpotenzial entwickelt darüber hinaus die Auspuffanlage, die den Klang des aufgeladenen 1,6-Liters von guttural bollernd bis freudig schreiend moduliert.

Der Preis ist alles andere als mini

Ob es seiner Ausgangsbasis tatsächlich davonfahren kann, muss das Coupé jedoch im direkten Vergleich zeigen. Beim Preis fährt es auf jeden Fall vorneweg. Mit einem Aufschlag von 1.650 Euro lassen sich die Marketingstrategen das extravagante Design fürstlich honorieren. Da zudem die Basismotoren nicht lieferbar sind, beginnt das kleine Coupé-Glück mit dem 122 PS starken Cooper und 21.200 Euro, während der Works sogar die 30.000-Euro-Schwelle nimmt – ohne großartig besser ausgestattet zu sein. Aber mini waren die Preise ja ebenfalls noch nie.

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Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 20 / 2011

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