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Mitsubishi i-MIEV: Der Großserien-Stromer im Praxistest

Die leise Revolution: Mit dem Mitsubishi i-MIEV bringt Mitsubishi das erste Großserien- Elektroauto auf den Markt. Ein Jahr vor dem Deutschland-Start konnte auto motor und sport den batteriebetriebenen Kleinwagen bereits testen.

Eins steht fest: Wird dieses Auto ein Erfolg, dann liegt es bestimmt nicht am Namen. Da schaffte es Mitsubishi, ein völlig abgasfreies Fahrzeug zu entwickeln, und wie nennen sie es dann? i-MIEV. Das Kürzel für „Mitsubishi innovative Electric Vehicle“ wirkt im deutschsprachigen Raum jedenfalls so sexy und wohlriechend wie eine gebrauchte Wollsocke. Dabei kommt mit dem 3,40 Meter kurzen Ei nichts weniger als das laut Mitsubishi erste marktreife Elektrofahrzeug eines Großserienherstellers angerollt.

Mitsubishi ist andern Firmen weit voraus

Während andere Firmen noch forschen oder mit Prototypen an Feldversuchen teilnehmen, ist der Viersitzer seit Juni in Japan und ab nächstem Jahr auch in Europa zu haben. Bis Anfang 2010 sollen noch 1.400 Mitsubishi i-MIEV produziert werden, um die Stückzahlen dann bis 2013 auf 30.000 Autos pro Jahr zu steigern. Als erstes Magazin konnte auto motor und sport ein rechtsgelenktes Vorserien- Exemplar im Alltag testen. So viel vorweg: Die Ur-Angst vieler Autofans, dass Fahrspaß und E-Antrieb zusammenpassen wie Oktoberfest und Brennnesseltee, erweist sich als unbegründet.

Der Mitsubishi i-Miev geht beim Ampel-Start in Führung

Allerdings verschiebt sich die Wahrnehmung: Da Elektromotoren schon beim Start ihr volles Drehmoment liefern und keine Zeit durch Schaltpausen verlieren, geht der Zwerg mit seinen 180 Nm im Heck beim Ampel- Start locker in Führung. Und das, obwohl der Stromer fast 200 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als sein in Japan angebotener Benzin-Bruder i, von dem er Karosserie und Grundlayout geerbt hat. Erst bei höheren Geschwindigkeiten tut sich der wassergekühlte Synchronmotor mit dem 1.100-Kilo-Mobil schwerer, wie die Sprintmessung aus dem Stand auf Landstraßentempo in 16,2 Sekunden zeigt. Das Fehlen eines Verbrennungsmotors verändert auch das Geräuschempfinden des Fahrers. Noch nie wurden unterschiedliche Straßenbeläge in Stuttgart so intensiv wahrgenommen, wobei die Spanne von Kopfsteinpflaster-Donner bis zu meditationsartigem Schweben auf frisch geteerten Abschnitten reicht.

Fußgänger wundern sich über den leisen Mitsubishi i-MIEV

Doch auch die Stadt muss sich erst an den Mitsubishi i-MIEV gewöhnen. So zucken nicht nur Radfahrer, wenn sie aus dem Off überholt werden. Große Augen macht auch ein Fußgänger, für den wir eine Vollbremsung einlegen, weil er sich schnurstracks vor unsere Räder zu werfen droht: "Ich han Sie gar net ghört. Fährt der mit Strom?" Die Begegnung mündet wie viele andere auch in Aufklärungsarbeit über Leistung (47 kW), Batteriekapazität (16 kWh) oder Reichweite (bis 120 Kilometer). Am Ende solcher Gespräche bleibt meist die Erkenntnis, dass dies für die meisten Alltagsbedürfnisse genügt.

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Im Eco Modus leistet der Mitsubishi i-Miev 18 kW

Als noch längst nicht zukunftssicher präsentiert sich das Stuttgarter Elektro- Tankstellennetz. Von gerade sechs öffentlichen Ladesäulen ist die erste zugeparkt, während die zweite nach einem Spezialstecker verlangt. Von wegen: Wir können alles außer Hochdeutsch. Wir brechen die Suche ab und laden lieber in der heimischen Tiefgarage. Denn wer unterwegs liegen bleibt, kann nicht mal eben mit dem Kanister zur nächsten Tankstelle laufen. Eine exakte Routenplanung wird im Batterie- Zeitalter also oberste Pflicht. Um die Reichweite zu erhöhen, verfügt der Mitsubishi i-MIEV über einen zusätzlichen Eco-Modus, in dem nur 18 kW Leistung zur Verfügung stehen. Klingt nach wenig, doch die Leistung eines Brezel- Käfers aus den fünfziger Jahren erweist sich bei heutiger Verkehrsdichte in der Stadt meist als ausreichend.

Der Mitsubishi i-MIEV muss sieben Stunden geladen werden

Für Extra- Kilometer sorgt zudem der Motor selbst, da er beim Rollen und Bremsen zum Generator wird und den Akku lädt. Nach einem Überland-Schlenker und insgesamt 110 Kilometern sind die unter den Sitzen verstauten 22 Lithium- Ionen-Module dann zum ersten Mal komplett leer. Unser Mitsubishi i-MIEV schleppt sich die letzten Meter im Kriechgang Richtung Steckdose, wo er für sieben Stunden an die Kupferleine muss. Über einen dreiphasigen Drehstromanschluss ließen sich zwar 80 Prozent der Akkukapazität in 30 Minuten nachzapfen, doch der Aufbau solcher Schnelllade-Stationen läuft momentan erst an. Die Unterbringung der Batterien im Fahrzeugboden spart nicht nur Platz, sie mildert auch die fahrdynamischen Tücken des Heckmotor-Konzepts. Trotzdem kann es sich das unschuldig schauende Babyface nicht verkneifen, bei Feuchtigkeit in engen Kehren auszukeilen. Bis zur Europa-Einführung soll daher noch ESP integriert werden. Mit seiner leichtgängigen Lenkung und dem ultrakleinen Wendekreis fühlt sich der Viersitzer in Innenstädten jedenfalls wohler als auf kurvigen Landstraßen.

Der hohe Anschaffungspreis für den Mitsubishi i-MIEV schockiert

Und obwohl er 40 Zentimeter kürzer baut als ein VW Fox, bringt der Mitsubishi i-MIEV vier Erwachsene menschenwürdig unter. Nur die triste Hartplastik- Wüste im Interieur samt Billigst- Sesselchen sind eines Meilensteins der Automobilgeschichte unwürdig, so wie das hochfrequente Sirren über 80 km/h. Zudem erstaunt das leichte Antriebsruckeln, da Elektromotoren eigentlich besonders vibrationsarm laufen. Doch das kümmert ein älteres Pärchen auf dem Discounter-Parkplatz nicht, den wir nach der Ladepause als Erstes ansteuern. Wie es sich für echte Schwaben gehört, kommen sie direkt auf den finanziellen Aspekt des elektrischen Fahrens zu sprechen: "Sie, was koschtet der denn?" Die Antwort, dass noch keine Deutschlandpreise feststehen, er in Japan aber für rund 34.000 Euro verkauft wird, lässt ihre Gesichtszüge entgleisen. Da hilft es auch nicht mehr, die günstigen Stromkosten von gut drei Euro pro 100 Kilometer zu würdigen.

Die Anfragen für den Mitsubishi i-MIEV sind enorm

Ohne ein Förderprogramm wie in Japan, bei dem etwa ein Drittel des Kaufpreises vom Staat zurückerstattet wird, wollen die beiden erst mal weiterhin Benziner fahren. Das dürfte Mitsubishi verschmerzen, dessen Vertrieb sich vor Anfragen kaum retten kann. Vor allem gewerbliche Kunden aus dem Bereich alternative Energien und Stromkonzerne stürzen sich bereits jetzt auf den Mitsubishi i-MIEV. Für Privatkunden wird es am Anfang daher schwierig werden, ein Exemplar zu ergattern. Gut, dass die Nachfrage nicht auch noch durch einen knackigen Namen angeheizt wird.

Umfrage Würden Sie sich den Mitsubishi i-MIEV kaufen?
Dirk Gulde
Von am 23. August 2009
Heft 17 / 2009
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